Nur Heuboden-Fans singen gegen Tristesse bei Phoenix Hagen an

Nach fünf Wochen Verletzungspause gelang Richie Williams (links), hier gegen Tübingens Neuzugang Davion Berry, mit zwölf Punkten und sieben Assists bei Phoenix ein ordentliches Comeback.
Nach fünf Wochen Verletzungspause gelang Richie Williams (links), hier gegen Tübingens Neuzugang Davion Berry, mit zwölf Punkten und sieben Assists bei Phoenix ein ordentliches Comeback.
Foto: Michael Kleinrensing
  • Phoenix Hagen verliert auch neuntes Spiel.
  • 76:98 gegen Tübingen ist höchste Saisonniederlage.
  • Klassen-Ausfall unter Körben nicht zu kompensieren.

Hagen. Drei Spiele klappte es mit der Trotzreaktion auf dem Feld, die Siegchance war selbst in Bonn und Berlin da. In Partie vier nach dem Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung dagegen lieferte Basketball-Bundesligist Phoenix Hagen die bisher schwächste Saisonvorstellung ab. Und erlitt mit 76:98 (33:44) gegen die Walter Tigers Tübingen - keineswegs ein Playoff-Aspirant, sondern ein Team aus dem Tabellenkeller - die höchste der nun schon neun Niederlagen. „Eine ernüchternde Leistung“, ärgerte sich Phoenix-Geschäftsführer Patrick Seidel. Und lediglich die Stehplatz-Fans auf dem „Heuboden“ sangen unermüdlich gegen die Tristesse auf Parkett und Rängen an. Der Jetzt-erst-recht-Effekt aus dem letzten Heimspiel gegen Würzburg schien schon weitgehend verpufft, hat einer gewissen Endzeitstimmung Platz gemacht.

Zugegeben, der bisher effektivste Spieler im Phoenix-Kader fehlte. Owen Klassen musste wegen seiner im Training erlittenen Rückenverletzung pausieren, das Fehlen des kanadischen Centers machte sich gerade unter den Körben bemerkbar. Ohne den besten Rebounder der Liga verloren die Gastgeber das Duell um die Abpraller mit 29:39, Tübingen erhielt so deutlich mehr Würfe - und nutzte dies dank besserer Trefferquote (57:47%) zum deutlichen und nie gefährdeten Sieg. Dabei hatte Phoenix in Richie Williams und Jeremy Dunbar zwei aufgrund langwieriger Verletzungen bisher kaum einsetzfähige Leistungsträger zurück auf dem Parkett, die zusammen immerhin 20 Punkte erzielten. „Beide waren voller Tatendrang“, hob Phoenix-Trainer Ingo Freyer hervor, „unsere Unterlegenheit unter dem Korb konnten sie aber nicht kompensieren.“

Zumal andere Stammkräfte kaum halfen. Youngster Jonas Grof und der nachverpflichtete David Godbold etwa hatten offensiv gar keinen Output, auch Chris Hass trug diesmal wenig bei. „Wir hatten Ausfälle, die wir nicht haben dürfen, wenn wir Spiele gewinnen wollen“, sagte Freyer, dabei nehme er besonders seine Amerikaner in die Pflicht, die mehr produzieren müssten. Teilweise mangelnde Körpersprache räumte der Phoenix-Coach im Gegensatz zu den letzten Partien ein, betonte aber auch, dass seine Mannschaft angesichts der Ungewissheit im Verein noch versuche, das Beste aus den Möglichkeiten herauszuholen.

Nur einmal in Führung

Nur einmal gingen die Gastgeber vor immerhin 2584 Besuchern - mehr als bei den Partien gegen Jena und Gießen - in Führung, David Bells doppelter Zug zum Korb brachte das 4:2 (4. Minute). Doch schnell zeigte sich, dass die von Jared Jordan wie gewohnt excellent dirigierten Tübinger am Ischeland weit besser trafen. Beim 11:21 durch den Dreier von Isaiah Philmore (8.) war der Hagener Rückstand erstmals zweistellig, das sollte mit wenigen Ausnahmen auch bis zum Ende so bleiben. Zwar verkürzte zunächst der erneut positiv auffällige Marcel Keßen mit dem ersten Phoenix-Distanztreffer beim schon siebten Versuch der Gastgeber, auch Dunbar brachte diese per Dreier zum 21:26 (11.) noch einmal heran.

Doch schnell setzten sich die Gäste dank Barry Stewart - neben Philmore zweiter verlässlich scorender Tigers-Akteur - wieder auf 21:34 ab (15.), zumal Phoenix nun fünf Minuten ohne Feldkorb blieb und sich die Fehler im Aufbau häuften. Dank Trent Plaisted verkürzten die Hagener bis zur Pause zwar etwas, ein richtiges Aufbäumen gegen die Niederlage war aber nie zu spüren. Vielmehr gingen nach überflüssigen Patzern die Köpfe herunter, etwa als Godbold und Dunbar das Schlussviertel mit zwei Fehlpässen einleiteten. Und defensiv ließ man den Tübingern häufig viel zu viel Platz. Spätestens als der Rückstand 20 Punkte betrug (66:86), glaubte auch Freyer nicht mehr an eine Wende, nahm seinen Kapitän Bell vier Minuten vor der Schlusssirene für Pascal Zahner-Gothen vom Parkett. Und brachte in der Schlussphase den Nachwuchs aufs Feld, neben Profi-Neuling Hass standen dort vier junge Deutsche. Was immerhin Zahner-Gothen, der per Dreier zum 72:89 traf, zu seinem ersten Bundesliga-Feldkorb nutzte. Und 2,17-m-Schlacks Alex Kortenbreer die ersten 71 Einsatz-Sekunden in der Eliteklasse überhaupt bescherte.

Daneben gab es dem fünften Heimauftritt allerdings kaum positive Aspekte abzugewinnen. „Wir sind in einer ganz schwierigen Situation“, befand Phoenix-Routinier Adam Hess, „und das hat nichts mit den Finanzen des Vereins zu tun, sondern damit, dass wir noch keinen Sieg haben. Keiner will gegen uns die erste Niederlage kassieren.“ In der Verfassung der Hagener vom Samstag droht dies indes auch keinem anderen Erstligisten.

Phoenix Hagen - Walter Tigers Tübingen 76:98 (33:44)

Phoenix Hagen: Bell (16, 1/5 Dreier, 6 Assists, 4 Ballverluste), Plaisted (16, 9 Rebounds, 5 Ballverluste, 3 Blocks), Hass (6, 1/5 Dreier), Godbold, Hess (6), Williams (12, 2/6 Dreier, 7 Assists), Keßen (9), Dunbar (8, 2/3 Dreier), Grof, Zahner-Gothen (3), Kortenbreer.

Walter Tigers Tübingen: Jordan (17, 3/7 Dreier, 9 Assists), Washburn (11), McGhee (12, 9 Rebounds), Stewart (19, 2/3 Dreier, 5 Steals), Green (7, 0/4 Dreier), Philmore (18, 2/3 Dreier, 10 Rebounds), Berry (9), Munoz (5), Marin, Kolo.

Spielviertel: 18:26, 15:18, 25:29, 18:25.

Teamstatistik: 47:57% Wurfquote, 8/27:9/27 Dreier, 12/15:11/20 Freiwürfe, 29:39 Rebounds, 18:23 Assists, 6:11 Steals, 18:13 Ballverluste, 5:0 Blocks.

Zuschauer: 2584.

 
 

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