Auch alter Phoenix-Stil verhilft nicht zum Sieg

Frustriert verabschiedeten sich die Phoenix-Spieler von den sie großartig unterstützenden Fans, nachdem es erneut nicht zum  ersten Sieg reichte. Foto:Michael Kleinrensing
Frustriert verabschiedeten sich die Phoenix-Spieler von den sie großartig unterstützenden Fans, nachdem es erneut nicht zum ersten Sieg reichte. Foto:Michael Kleinrensing
Foto: WP Michael Kleinrensing
Zum Sieg hat es am Ende nicht gereicht: Mit 89:99 unterlag Bundesligist Phoenix Hagen im ersten Heimspiel nach dem Insolvenzantrag Würzburg.

Hagen. Ob sie noch einmal in dieser Konstellation zusammenspielen? Angesichts der Lage bei Phoenix Hagen ist das in manchem Fall durchaus fraglich, beim vierten Heimauftritt allerdings bereitete das Team des Basketball-Bundesligisten seinen Anhängern erstmals überwiegend Freude. Vom dritten Viertel und den Endergebnis - auch das siebte Saisonspiel gegen s.Oliver Würzburg verlor man mit 89:99 (47:34) - natürlich abgesehen. „Es ist so frustrierend“, bedauerte so auch Phoenix-Center Owen Klassen, „wir wollten diesen Sieg mit aller Macht, um die Saison zu drehen.“ Das gelang trotz klarer Halbzeitführung nicht, ein guter Teil der Hagener Anhänger auf den Tribünen feierte die Gastgeber trotzdem auch lange nach der Schlusssirene noch unaufhörlich singend. Und Coach Ingo Freyer sah sich in seiner Meinung bestätigt: „Diese Fans sind einfach unglaublich.“

Sie hatten alles aufgeboten für Heimspiel eins nach dem Stellen des Insolvenzantrags in Eigenverwaltung. Die Verantwortlichen vor dem Spiel im offenen Fan-Dialog, Maskottchen und Cheerleader natürlich, und die nächste, ach was die übernächste Generation: Die Boeler U6-Korbjäger aus der „Pampers-Liga“ liefen mit den Phoenix-Profis ein, allen voran der kleine Micah, Sohn von Phoenix-Kapitän David Bell. Im Mini-Spielchen in der Pause konnte Bell junior noch wenige Akzente setzen, der Vater dagegen ging beim Unternehmen erster Saisonsieg erneut bewundernswert voran. Die ersten Punkte erzielte natürlich Bell, zur Pause waren es 15, am Ende 31. Wenn es denn die Abschiedsvorstellung des Kapitäns nach mehr als fünf Jahren in Hagen gewesen sein sollte, dann war sie ausgesprochen beeindruckend. Noch lange nach Spielschluss gab Bell Autogramme, posierte für Selfies. Und räumte ein, ganz aktuell über seine Zukunft nachzudenken: „Ich hoffe, die Fans verstehen, dass ich jetzt das Beste für mich, meine Familie und meine Karriere entscheiden muss.“

Bell war ein wichtiger Faktor, dass es bei den Gastgebern vom Hochball weg gut lief, der andere hieß Chris Hass. Der US-Neuprofi hatte eine heiße Wurfhand, sein zweiter Dreier nach Fastbreak bedeutete nach dem frühen 12:1 (5. Minute) die 21:9-Führung (9.). Die Gastgeber waren in der stimmungsvollen und an alte Zeiten erinnernden Atmosphäre der 3062 Zuschauer zum alten Phoenix-Stil zurückgekehrt, mit viel Tempo nach Ballgewinn und schnellen Abschlüssen. Und hätte Trent Plaisted nicht seine ersten fünf Würfe verpasst, die Führung hätte auch höher ausfallen können.

Schon so dominierten die Hagener die erste Halbzeit komplett. Bis zum 38:29 (16.) hielten der starke Spielmacher Jake Odum und Kresimir Loncar Würzburg gegen defensivstarke Hagener einigermaßen im Spiel, dann gelangen Bell, Adam Hess und David Godbold drei Dreier zum 47:29 (19.) - der höchsten Führung. Noch bis zur Pause verkürzte Odum aber und setzte dies nach dem Wechsel gemeinsam mit dem nun aufdrehenden Lamonte Ulmer fort. Zwei schnelle Hass-Dreier hielten Phoenix bis zum 53:40 (23.) noch deutlich vorn, dann gelang sechs Minuten kein Feldkorb, auch von der Freiwurflinie produzierte man reichlich Fahrkarten. Würzburg nutzte es zur ersten Führung beim 56:57 (27.), die Gastgeber hatten offensiv den Rhythmus komplett verloren.

Doch geschlagen gaben sie sich nicht, gerade Bell nicht. Nach dem 61:70 (31.) brachte der Kapitän gemeinsam mit Klassen und Plaisted sein Team zum 70:70-Ausgleich (33.), auch beim 81:82 (37.) war der erste Sieg noch greifbar. Doch dann entschieden Kleinigkeiten. Plaisted verpasste den Führungswechsel, Hass musste mit dem fünften Foul auf die Bank, auf der anderen Seite erhielt Bell den Foulpfiff nicht. Und Klassen verpasste zwei weitere Freiwürfe. Auf der anderen Seite dagegen waren Odum und Ulmer auf dem Weg zum Gäste-Sieg jetzt nicht mehr zu stoppen. „Wir haben in der zweiten Hälfte deutlich intensiver verteidigt und tolle Reboundarbeit gegen die beste Rebound-Mannschaft der Liga geleistet“, erklärte Gäste-Coach Douglas Spradley den Sieg seines Teams, während sein Gegenüber Ingo Freyer konstatierte: „Was wir in der zweiten Halbzeit nicht hatten, waren Qualität und Intensität im Eins-gegen-eins.“ Und auch Bell bedauerte: „Da hätten wir mehr Energie gebraucht.“ Für den Kapitän selbst galt das noch am wenigsten.

Phoenix Hagen: Bell (31, 3/7 Dreier, 12 Assists, 6 Rebounds, 3 Ballverluste), Klassen (12, 6 Rebounds), Godbold (5, 8 Rebounds, 3 Steals), Hass (21, 5/9 Dreier, 3 Steals), Plaisted (11, 4 Ballverluste), Grof (2), Keßen (4), Hess (3), Zahner-Gothen, Dunbar.

s.Oliver Würzburg: Odum (34, 3/5 Dreier, 8 Rebounds, 8 Assists), Ulmer (26, 2/4 Dreier), Lane (14), Mihailovic (1), Ugrai (2), Southerland (5), Stuckey (5), Loncar (11), Bartin (1), Hoffmann.

Spielviertel: 24:16, 23:18, 14:32, 28:33.

Teamstatistik: 44:45 % Wurfquote, 10/26:9/28 Dreier, 15/27:26/33 Freiwürfe, 38:48 Rebounds, 23:22 Assists, 9:5 Steals, 14:13 Ballverluste, 0:4 Blocks.

Zuschauer: 3062.

 
 

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