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Der Hagener Per Günther freut sich auf sein erstes richtiges Turnier

Für die deutsche Basketball-Nationalmannschaft beginnt am Mittwoch mit dem Spiel gegen Titelkandidat Frankreich die Europameisterschaft. Für Spielmacher Per Günther ist es nach mehreren Enttäuschungen das erste richtige Turnier. Der Hagener traut seinem Team durchaus Überraschungen zu.

Hagen. 

Die Geschichte ist wirklich hübsch. Per Günther (25) hat sie selbst mal erzählt. Wie er sich mit seiner Freundin, die – das ist an dieser Stelle durchaus relevant zu erwähnen – keine Bowling-Weltmeisterin ist, auf eine Bowlingbahn begab. Wie sie ihre Würfe machten. Wie er am Ende der Partie als Verlierer dastand und in diesem Moment beschloss, nie wieder mit seiner Freundin bowlen zu gehen. Per Günther hasst es, zu verlieren. Schlimmer ist nur eines: gar nicht erst mitzuspielen.

Am Mittwoch beginnt für Per Günther und die deutsche Basketball-Nationalmannschaft mit dem Spiel gegen den Titelkandidaten Frankreich die EM in Slowenien (bis 22. September). Der gebürtige Hagener fiebert dem kontinentalen Cup entgegen wie ein kleines Kind, denn das wird sein erstes großes Turnier als Leistungsträger. 2009 verpasste er die EM, weil er sich kurz vor dem ersten Hochball einen Mittelfußbruch zuzog, 2010 bei der WM kam er kaum zum Einsatz, 2011 strich ihn der damalige Bundestrainer Dirk Bauermann kurz vor der EM aus seinem Kader. Dieses Mal blieben ihm derlei Hiobsbotschaften erspart. „Ich bin heiß“, sagt Per Günther nur.

Bescheidene Erwartungen

Ziemlich unklar ist, wie vergnüglich dieses Turnier für den Spielmacher und seine Kollegen werden wird. Mit Dirk Nowitzki, Chris Kaman, Elias Harris, Dennis Schröder und Tim Ohlbrecht haben die fünf deutschen NBA-Profis ihre Teilnahme an der EM abgesagt. Bundestrainer Frank Menz muss mit einer jungen und unerfahrenen Mannschaft an den Start gehen. Die Erwartungen sind eher bescheiden. „Wir sind ein unangenehmer Gegner. An einem guten Tag können wir jeder Mannschaft gefährlich werden“, sagt Per Günther. Aber die Frage ist: Wie oft kann dieses Team einen guten Tag erwischen? Oder ihn erzwingen? „Wir sind noch nicht so tief besetzt und extrem abhängig von einigen Spielern“, sagt der Bundestrainer. Er meint Spieler wie Tibor Pleiß, Heiko Schaffartzik. Und Spieler wie Per Günther.

Diesen Status hat sich der Profi von ratiopharm Ulm erarbeitet. Seinen Klub führte er ins Viertelfinale des Europapokals und scheiterte mit Ulm im Halbfinale um die deutsche Meisterschaft denkbar knapp an Oldenburg. Günther gehörte zu den prägenden Gestalten dieser Erfolge.

Übergangsjahr 2013

Damit ist der 25-Jährige in dieser deutschen Mannschaft einer von denen, die Verantwortung übernehmen sollen, die das Jetzt maßgeblich mitgestalten sollen, während der Verband schon an das Morgen denkt. 2013 kommt in diesen Gedanken als ein Übergangsjahr auf dem Weg zu erfolgreichen Olympischen Spielen 2016 vor. „Es ist nicht immer so einfach, wenn man mitbekommt, dass es eigentlich darum geht, in zwei, drei, vier Jahren konkurrenzfähig zu sein, weil dann ein paar gute Jungs dazu kommen“, sagt Per Günther. Jungs wie Harris, wie Schröder zum Beispiel.

Der Bundestrainer schwört seine dezimierte, junge Mannschaft jedenfalls auf ein Turnier ein, das kein reines Vergnügen werden könnte. „Die Spieler werden Fehler machen, werden mental und physisch teilweise überfordert sein. Daran werden sie aber wachsen.“

So wie Per Günther immer weiter sportlich gewachsen ist. Bei Phoenix Hagen begann er seine Karriere und wechselte 2008 vom damaligen Zweitligisten nach Ulm. Es hat Trainer und Funktionäre gegeben, die sagten, dass es Per Günther in der Bundesliga nie schaffen werde, dass das eine Nummer zu groß für den kleinen Per sein würde. Aber der glaubte an sich. Immer.

Niederlagen verschmerzen

„Ich denke schon, dass man ein sehr ausgeprägtes Selbstbewusstsein haben muss, wenn man sich durchsetzen will“, sagt er. Per Günther hat dieses Selbstbewusstsein. Er hat sich gegen viele Widerstände und Kritiker durchgesetzt. Und fährt nun als Leistungsträger zur EM. Die eine oder andere mögliche Niederlage dort wird er verschmerzen. So wie einst die auf der Bowlingbahn.