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Blue Tigers Oberhausen – Ein ganz spezielles Basketball-Team

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Foto: Kai Kitschenberg
Die Basketballer der Blue Tigers Oberhausen gehören in Düsseldorf bei den Special Olympics für Sportler mit geistiger Behinderung zu den Favoriten. Ihr Ziel ist die Teilnahme an den weltweiten Spielen, die 2015 in Los Angeles anstehen.

Düsseldorf. 

Eine Sache möchte Dennis Wagner noch loswerden: „Wir holen den Pott!“ Danach strahlt er in die Runde und geht zurück in die Sporthalle. „Oh ja“, sagt Alexander Meyer, der Mannschaftsarzt der Blue Tigers Oberhausen, „diese Jungs haben eine ganze Menge Ehrgeiz.“ Das unterscheidet dieses Team nicht von anderen Basketball-Mannschaften. Nur eine Sache ist anders – oder auch speziell. Alle blauen Tiger haben eine geistige Behinderung. Sie starten gerade bei den deutschen Special Olympics in Düsseldorf, den vom Internationalen Olympischen Komitee unterstützten Spiele für Sportler mit einer geistigen Einschränkung.

Der Ehrgeiz, den die Spieler an den Tag legen, hat seine Berechtigung. 2004 wurde das Team von Trainer Alexandros Christoudas ins Leben gerufen. Erst einmal – vor nicht allzu langer Zeit in Hagen – haben die Blue Tigers verloren. Ansonsten gab es nur Siege. Auch der „Handi-Cup“ in Oldenburg, so etwas wie die Deutsche Meisterschaft für geistig behinderte Basketballer, ist fest in Oberhausener Hand. Aufregung über die einzige Niederlage also? Stefan Basso, Teamkapitän und einer der Topscorer, zuckt mit den Schultern. „Eigentlich nicht.“

So gut die Blue Tigers, die offiziell der BSG Sterkrade angehören, auch sind – für Trainer und Betreuer steht das Gewinnen nicht so sehr im Vordergrund. „Der gemeinsame Sport tut unseren Spielern merklich gut“, sagt Alexander Meyer. Selbstbewusstsein, soziale Kompetenz im Umgang mit anderen – all’ das schwingt mit. „Und die Jungs kommen aus ihrem alltäglichen Trott heraus. Für einige von ihnen bedeutet dieser Sport alles.“

Wenn der Mannschaftsarzt über diese Dinge berichtet, macht er das mit einem Lächeln. Ein Freundschaftsdienst, nur irgendeine Aufgabe? „Das war es vielleicht zu Anfang, als mich Alexandros, mit dem ich befreundet bin, gefragt hat. Inzwischen aber macht es einfach nur großen Spaß, mit den Jungs zusammen zu sein.“

Das Team setzt sich aus allen Facetten zusammen, die der Begriff „geistige Behinderung“ beinhaltet. „Das geht los bei einer Lernschwäche und endet bei einer schweren Einschränkung“, erläutert Alexandros Christoudas. „Einige unserer Spieler leben alleine, nutzen also die Möglichkeit des betreuten Wohnens, andere leben in Gemeinschaften. Die meisten kennen sich aus Behindertenwerkstätten.“ Das bedeutet aber auch: Braucht ein Spieler neben dem Spielfeld etwas mehr Hilfe, dann kümmern sich seine Teamkameraden um ihn.

Darum geht es auch Gernot Mittler, dem Präsidenten von Special Olympics Deutschland. „Wir erhoffen uns starke Außenwirkung. In dieser Woche kann man sehen, welcher Leistungswille und welche Lebensfreude in unseren Athleten steckt.“ Noch wichtiger: „Wir brauchen noch mehr Einrichtungen, Schulen und Vereine, die sich diesem Thema öffnen.“ Was er meint: Die Macher der Special Olympics hoffen darauf, dass im Breitensport das Thema „Inklusion“, also die Einbindung behinderter Sportler in den normalen Sportbetrieb, noch weiter in den Vordergrund rückt. „Das ist doch auch für die Zukunft der Vereine eine Chance.“

Das Ziel heißt Los Angeles

Und genau damit könnte Mittler recht haben. Denn in Düsseldorf gehen 4800 Athletinnen und Athleten aus ganz Deutschland an den Start. „Mehr als bei den letzten paralympischen Sommerspielen in London“, sagt Mittler. Allerdings stehen die Spiele für körperlich behinderte Sportler durch die Anbindung an Olympia deutlich mehr im Fokus als die Special Olympics. Ein Nachteil? „Nein“, meint Mittler, „die Special Olympics haben besondere Anforderungen. Da macht die Trennung auch Sinn.“

So ist nicht Rio de Janeiro 2016 das Ziel der Sportler, die diese Woche in Düsseldorf um Medaillen kämpfen – sondern Los Angeles, wo 2015 die weltweiten Special Olympics anstehen. Auch die Oberhausener Basketballer haben L.A. im Blick. Sportlich haben es die Blue Tigers drauf. So gab es in Düsseldorf bislang unter anderem ein 23:1 gegen ein Team aus Weckelweiler. Wirklich traurig waren die Gegner nicht. Im Gegenteil – es gab Anerkennung für die Leistung der Blue Tigers.