Auszeit für den Verstand beim Derby

Manni Breuckmann
Manni Breuckmann
Manni Breuckmann
Foto: WAZ FotoPool

Essen. Am Donnerstag ab 23 Uhr wird an der Ruhr nur noch über das Derby zwischen Schalke und dem BVB gesprochen. Der Verstand ist auf „Stand-by“ geschaltet - meint unser Kolumnist Manni Breuckmann.

Morgen Abend ab 23 Uhr, wenn der BVB sein Karpaten-Abenteuer in Lwiw hinter sich hat, wird an der Ruhr endgültig nur noch über das Derby gesprochen. Blau-Weiß gegen Schwarz-Gelb, da toben die Neurotiker und Durchgeknallten besonders schamlos durch das Fußball-Revier. In Wellen werden beide Klubs von diesem rauschhaften Zustand überschwemmt. Wenn der Verstand auf „Stand-by“ geschaltet ist, wenn Verrücktheit und Größenwahn das Handeln im Fußball-Zirkus diktieren.

Die Schalker haben in ihrer Geschichte mehr davon anzubieten als der Konkurrent: schwarze Kassen, Bundesliga-Skandal, tobende Jahreshauptversammlungen, eitle und halbseidene Präsidenten. Bis – unter Assauer – eine längere Phase unerträglicher Seriosität ausbrach. Beim BVB wurde es fast selbstmörderisch, als der Präsident Gerd Niebaum manisch-verbissen der fixen Idee hinterher jagte, die „Augenhöhe“ zum FC Bayern herzustellen und dabei seinen Club ganz nah an den Abgrund führte. Ein absurder Höhepunkt des Fast-Kollapses: Niebaum und sein Adlatus Meier taten einen Bittgang ausgerechnet nach München zu Rummenigge und Hoeneß, die sie ja eigentlich herausfordern und nicht anbetteln wollten.

Derzeit sind die Rollen mal wieder andersrum verteilt: Die Borussia als erfolgreicher Hort der wirtschaftlichen Vernunft mit einer jungen, entwicklungsfähigen Mannschaft; die „blauen Millionäre“ mit einer wild zusammengekauften Europa-Auswahl, die spätestens in drei Jahren Meister werden soll. Bei gleichzeitiger finanzieller Gesundung natürlich. So lautet die Vorgabe, und dass er nur nach dieser Anweisung handele, betont auffällig oft Felix Magath, die vermeintliche Verkörperung der abwägenden Rationalität. Vielleicht ist aber auch er Opfer einer fixen Idee? Glaubt Magath, er sei einer der ganz wenigen Fußball-Weisen, die Erfolg im Wege wüsten Ein- und Verkaufens garantieren könnten?

Aber auf eine Macke mehr oder weniger kommt es in diesem emotionalen Pulverfass ohnehin nicht an. Und irgendwann werden auch die Dortmunder den Verstand wieder an der Garderobe abgeben.