Aus der Tiefe des Raumes

Ein ehemaliger Fußballer spaltet die Nation – und die Friseurinnung gleich mit. Günter Netzer, begnadeter Kicker und kultiger TV-Kommentator, feiert seinen 64. Geburtstag.

Als Günter Netzer am 14. September 1944 in Mönchengladbach geboren wurde, ahnte wohl kaum jemand, wie intensiv das runde Leder seinen weiteren Werdegang bestimmen sollte. Bereits mit acht Jahren traf er seine große Liebe: den Fußball. Zunächst war es in der Jugendzeit der 1. FC Mönchengladbach – bevor 1963 der Wechsel zu Borussia Mönchengladbach anstand.

Zwei Jahre später wurde Netzer Profi und bereits in die Nationalmannschaft berufen. Eine bemerkenswerte Karriere auf dem grünen Rasen nahm ihren Lauf. 280 Spiele absolvierte Netzer bei den Fohlen. 82 Mal konnte der Mann mit der Mähne einnetzen.

Meister, Europameister, Weltmeister

Zweimal folgte der Meistertitel, 1973 kam der Pokalsieg hinzu – und die internationale Bühne war für den Mönchengladbacher nicht weit. Noch 1973 wechselte Netzer nach Spanien, erspielte bei Real Madrid zwei Meisterschaften und zwei Pokalsiege.

Auch für Schwarz-Rot-Gold gab es Erfolge: Im Trikot der Nationalmannschaft gehörte Netzer zur Europameisterelf von 1972 – stand 1974 im Kader bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land. 37 Mal kam der klassische Spielmacher insgesamt zum Einsatz. Was folgte, war eine Managertätigkeit beim Hamburger SV und der Einstieg in den Sportrechte-Handel.

Heute besitzt Günter Netzer Kultstatus, was maßgeblich sicher an seiner Kommentatorentätigkeit mit ARD-Mann Gerd Delling liegt. Regelmäßig schossen die beiden scharf – was weniger mit Strafraumaktionen zu tun hatte, sondern vielmehr mit Sticheleien und Verbal-Fouls untereinander. Das seltsame Paar spaltete die TV-Nation: Manche fanden es köstlich, andere nervig.

„Herr Delling, man sieht, dass Sie keine Ahnung haben!“

Aus der heiteren Zitatensammlung lässt es sich locker-flockig zitieren. Wenn Gerd Delling eine Spielszene analysierte, dann nach Netzers Meinung fragte - meistens wurde es dann heftig. „Mein Gott, Sie sind gut in Form!“ oder ein „Herr Delling, man sieht, dass Sie wieder keine Ahnung haben!“ gehörten zum Verbal-Ping-Pong. Privat pflegen beide übrigens bis heute ein freundschaftliches Verhältnis.

Für ihre fachmännischen Analysen wurden sie letztlich mehrfach prämiert. Im Jahr 2000 erhielten Delling und Netzer den Grimme-Preis. Neben der haarigen Wortakrobatik, sorgte das unkonventionelle Haupthaar von Netzer noch zu Spielzeiten immer wieder für Wirbel. „Der kickende Scheitel“ beschäftigte ganze Generationen.

Aus der Tiefe des Raumes

Auch daraus entwickelten sich eine ganze Reihe verschiedener Ideen, Günter Netzer zu zitieren oder ihm eine glänzende Hommage zu widmen. Die Oberhausener Streetpunkband „Emscherkurve 77“ benannte einen ihrer Hitkracher nach dem Vorzeige-Spielmacher. Im Jahr 2004 eroberte Günter Netzer gar die Leinwand: In dem deutschen Streifen „Aus der Tiefe des Raumes“ wurde Netzer plötzlich als Tipp-Kick-Figur karikiert – ein unterhaltsamer Spaß, der mit dem gleichen Titel bedacht wurde wie Netzers Autobiographie.

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