Alles gewagt, alles verloren: Aus für Gladbach in Europa League

Mönchengladbach..  Die Begrüßung der Gäste aus Andalusien fiel pflichtgemäß aus. Auf dem riesigen Transparent, das am Haupteingang des Borussia-Parks aufgehängt war, prangte zwischen den Vereinsemblemen von Borussia Mönchengladbach und dem FC Sevilla ein dickes „Olé“. Es war die schriftliche Verheißung für ein temperamentvolles Duell – das die Zuschauer bei ungemütlichem Nieselregenwetter dann auch serviert bekamen. Aus Gladbacher Sicht hieß es am Ende allerdings nicht „Olé“, sondern „Oje“: Nach dem 0:1 im Hinspiel verloren die Borussen auch im eigenen Stadion – mit 2:3 – und schieden aus dem Wettbewerb aus.

Der tosende Applaus der eigenen Fans und aufmunternde Worte des Gegners, der neben seiner Effektivität auch durch konsequentes Zeitspiel auffiel, waren dem Team von Lucien Favre nach einem leidenschaftlichen Fight immerhin sicher. „Das war ein typisches Spiel, an dem man wachsen kann – und in dem man über sich hinauswachsen muss, um überhaupt zu bestehen. Die Mönchengladbacher haben uns teilweise unsere Grenzen aufgezeigt. Aber wir wussten auch, wie wir ihnen weh tun können“, analysierte Sevillas Chefcoach Unai Emery.

Mut für die nächsten Wochen sprachen sich die Verlierer auch selbst zu. „Nicht die bessere Mannschaft hat gewonnen. Sondern die, die cleverer war“, seufzte Borussias stark auftrumpfender Mittelfeldspieler Granit Xhaka. Inhaltlich eskortiert von Trainer Favre, der beharrte: „Meiner Meinung nach waren wir in beiden Partien die spielerisch bessere Mannschaft.“ Allerdings, räumte der Schweizer ein, müsse seine Mannschaft auch aus den beiden Niederlagen gegen den Titelverteidiger lernen. „Ich hasse dieses Wort“, sagte Favre, „aber Konzentration ist eben einfach eine Qualität.“ Und die ging den in der Offensive furiosen Gladbachern bei der Verteidigungsarbeit mitunter ab.

Chancen im Stakkato-Rhythmus

So bekam die Hoffnung auf eine „unvergessliche Nacht“, von der Sportdirektor Max Eberl geträumt hatte, schon nach acht Minuten den ersten Dämpfer, als Sevillas Mittelstürmer Carlos Bacca zum 0:1 traf. Nun entwickelte sich ein atemberaubendes Spiel, mit Torraumszenen im Stakkato-Rhythmus – und drei weiteren Treffern vor der Pause. Xhaka traf zum Ausgleich (19.). Sieben Minuten später gelang Vitolo nach einem Pass von Vidal die erneute Führung für die Gäste – die Thorgan Hazard kurz darauf erneut egalisierte (29.).

Nach 15 Minuten Verschnaufen in der Halbzeit ging das emotionsgeladene Treiben weiter. Gladbach brauchte zum Sprung ins Achtelfinale zwei Tore, doch gleich nach Wiederbeginn musste Borussen-Keeper Yann Sommer im Mann-gegen-Mann-Duell gegen Bacca zunächst das dritte Gegentor verhindern.

Mit der Gelb-Roten Karte gegen Xhaka (68.) schwanden die Chancen für die Favre-Elf jedoch rapide. Mit letzten Kräften rappelten sich die Borussen noch zu einem Pfostentreffer durch Hazard auf. Doch in Minute 79 war die Partie zugunsten der Spanier entschieden, als Vitolo Gladbachs Sommer zum zweiten Mal an diesem Abend überlistete.

 
 

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