Das Geschäft mit Wettanbietern im Bundesligafußball

Der VFL Bochum spielt am 11.08.2018 gegen den MSV Duisburg in der Schauinsland-Reisen-Arena in Duisburg im Rahmen der Zweiten Liga. Silvere Ganvoula Andreas Wiegel Foto: Udo Kreikenbohm/FUNKE Foto Services
Der VFL Bochum spielt am 11.08.2018 gegen den MSV Duisburg in der Schauinsland-Reisen-Arena in Duisburg im Rahmen der Zweiten Liga. Silvere Ganvoula Andreas Wiegel Foto: Udo Kreikenbohm/FUNKE Foto Services
Foto: Udo Kreikenbohm

Lukas Podolski reitet in einem Werbeclip auf einem Elefanten. Oliver Kahn ballt vor Freude die Faust und schreit. Dann wären da noch zahlreiche Profi-Vereine in Deutschland, die Logos auf ihren Fußball-Trikots spazieren tragen oder große Werbebanden neben dem Platz platzieren.

Sie alle eint, dass sie Werbung für Sportwettenanbieter machen, was Ilona Füchtenschnieder von der NRW-Koordinierungsstelle Glücksspielsucht regelmäßig zur Verzweiflung treibt.

Kritik an Podolski und Kahn

„Ich bin stocksauer auf Personen wie Oliver Kahn oder Lukas Podolski“, sagt sie im Gespräch mit dieser Redaktion. Denn: „Die haben in ihrem Leben so viel Geld verdient, doch durch ihre Werbung bringen sie vor allem junge Menschen dazu, auch zu wetten.“ Füchtenschnieder stellt klar: „Für uns gehört Werbung für Glücksspiele – dazu zählen die Sportwetten – verboten.“ Doch das Geschäft boomt.

Fast alle Klubs kassieren von Wettanbietern

Wie viele Millionen die Anbieter dabei in den deutschen Profi-Fußball pumpen, ist schwierig zu ermitteln. In jedem Fall wird fast jeder Klub von Wettfirmen unterstützt. Schalke etwa bekommt Geld von bet-at-home überwiesen. Borussia Dortmund kassiert rund drei Millionen von bwin. Aufsteiger Fortuna Düsseldorf versucht ab dieser Saison, Punkte in der heimischen „Merkur-Spielarena“ einzusammeln. Sogar die Deutsche Fußball Liga (DFL) gab Anfang des Jahres offiziell bekannt, dass sie nun den Sportwettenanbieter Tipico als offiziellen Partner gewonnen hat.

40000 Glücksspielsüchtige in NRW

Das zeigt: Sobald der Ball rollt, sind Wettanbieter omnipräsent. Dabei verdienen die ihr Geld nur, wenn andere ihr Geld verlieren. „Da geht es oft um Existenzen, da werden teilweise Familien ruiniert“, erklärt Füchtenschnieder. 40000 Menschen gelten in NRW als glücksspielsüchtig, weitere 40000 als gefährdet. Viele davon zocken auch mit Sportwetten. „Außerdem wird durch das Angebot die Manipulation gefördert“, sagt Füchtenschnieder.

Die DFL hat in dieser Spielzeit zumindest mit Schulungen gegen Spielmanipulation begonnen. Alle Mannschaften der ersten und zweiten Liga müssen daran teilnehmen, die Profis sollen aufgeklärt werden. Es ist ein Versuch, das Thema auf die Tagesordnung zu hieven.

Risikofaktor Spielmanipulation

Denn noch immer scheint Spielmanipulation ein Thema zu sein, über das man lieber nicht redet. Lukas Podolski und Oliver Kahn wollten sich auf Anfrage nicht äußern. Auch Ex-Profi René Schnitzler erklärt am Telefon, dass er nicht mehr über seine Vergangenheit reden möchte, in der er als Profi des FC St. Pauli nach eigenen Angaben 100000 Euro von einem Mitglied der Wettmafia erhalten hat. Und Robert Hoyzer, als Schiedsrichter in den Fußball-Wettskandal 2005 verstrickt, erklärt, dass er nun ein neues Leben führe und nicht mehr über den Skandal reden wolle.

Der MSV Duisburg hingegen spricht offen über seine Partnerschaft mit XTiP. Seit 2017 prangt das Logo des Wettanbieters auf dem Trikot der Zebras. „Es ist ein gutes Signal für den MSV, dass XTiP uns als Hauptsponsor begleitet“, meint Geschäftsführer Peter Mohnhaupt im Gespräch mit dieser Redaktion, auch wenn die NRW-Koordinierungsstelle Glücksspielsucht ein Verbot genau dieser Werbung fordert. „Sollten sich die gesetzlichen Vorgaben ändern, müsste man sich das natürlich anschauen“, erklärt der MSV-Geschäftsführer, „grundsätzlich ist die Verbotsdiskussion sehr umfangreich, das reduziert sich nur auf das Thema Wetten, sondern auch auf Themen wie Ernährung oder Alkohol“.

Ein Verbot haben indes auch die Duisburger eingeführt. Minderjährige dürfen kein MSV-Trikot mit XTiP-Aufdruck kaufen. Nicht, dass sie noch zum Wetten verführt werden.

 
 

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