Knast für eine Nacht

Ein Familienausflug der besonderen Art: Freiwillig inhaftiert hatte Familie Cartus-Moll viel Spaß – auch bei „Wasser und Brot“!
Ein Familienausflug der besonderen Art: Freiwillig inhaftiert hatte Familie Cartus-Moll viel Spaß – auch bei „Wasser und Brot“!
Foto: Jürgen Peperhowe
Urlaub hinter Gittern: In Petershagen gibt es ein Hotel, der etwas anderen Art. Aus einem ehemaligen Gefängnis ist ein Bed&Breakfast entstanden.

Petershagen. Kekskrümel, verteilt durch die halbe Wohnung, legten eine verdächtige Spur bis ins Kinderzimmer. Doch wer war wirklich für den Süßigkeiten-Schmuggel verantwortlich? Das ließ sich beim besten Willen nicht mehr aufklären. Frank Jacobi, selbst ernannter Vorsitzender des „Landgerichtes“ in Petershagen, fällt ein schnelles und salomonisches Urteil: eine Nacht Knast für alle! Familie Cartus nimmt’s hin, ohne mit der Wimper zu zucken. Schließlich ist der Richterspruch nicht ganz ernst gemeint – sondern bildet den Auftakt für einen Ausflug der besonderen Art. Die vier Kamener haben sich für eine „Rast im Knast“ entschieden.

Mal war die Parkuhr abgelaufen, mal hatte man ein paar Stundenkilometer zu viel auf dem Tacho. Derart kleine Sünden hat wohl jeder schon begangen. Aber zu einem Knast-Aufenthalt verdonnert zu werden – davon sind die allermeisten gottlob weit entfernt. So auch Jörg Cartus. Umso neugieriger ist der Familienvater darauf, wie es ist, hinter Gittern zu übernachten. Noch dazu ganz freiwillig. Schläft es sich hier besonders ruhig oder plagen einen Albträume, wie fühlt sich eine Gefängnis-Pritsche statt weicher Daunen an? Gemeinsam mit Ehefrau Meike Moll und den beiden Töchtern Hannah (15) und Cosima (11) lässt er sich auf das kleine Abenteuer ein.

Hier buchen die Zellen-Insassen freiwillig

Das denkmalgeschützte Alte Amtsgericht von Petershagen ist die erste Adresse dafür. Aus ehemaligen Gefängniszellen ist mit finanzieller Unterstützung der NRW-Stiftung ein Bed & Breakfast der speziellen Art entstanden. Übernachten im Knasthotel – dieses Angebot gibt es bundesweit nur an ganz wenigen Orten, entsprechend gefragt und gut gebucht sind die Zellen von Petershagen. Zum Beispiel durch die vielen Urlauber, die entlang der Weser radeln oder das reiche Storchenvorkommen der Region bestaunen wollen.

Bevor Familie Cartus hinter Schwedischen Gardinen landet, staunen auch die vier nicht schlecht: über die attraktive und gut erhaltene Fachwerkfassade des alten Amtsgerichtes, die ein echtes Schmuckstück inmitten der beschaulichen Innenstadt von Petershagen darstellt. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das Gebäude errichtet. Der erste Weg führt die Knast-Gäste in den prächtigen, holzvertäfelten Gerichtssaal. „Heute nutzt vor allem das örtliche Standesamt diesen Raum für Eheschließungen – auch dabei geht es oft um lebenslänglich“, schmunzelt Olaf Glaser. Seit Mai 2018 betreibt er als Pächter die Gastronomie im Alten Amtsgericht und will bald mit „Dinner in the Dark“, einem Dunkelrestaurant, ein weiteres Highlight hinzufügen. Nicht mehr vorstellbar, dass das Gebäude zu zerfallen drohte – bis sich 1993 der Verein „Rast im Knast e.V.“ gründete, der seitdem alle Einnahmen in den Erhalt des Gebäudes investiert.

Lebenslang oder nur für eine Nacht?

Für die Familie geht es nun in den rückwärtigen Trakt des Gerichtes zu den Gefängniszellen. Im Jahr 1913 wurde dieser Gebäudebereich fertiggestellt. Bis 1959 waren hier Langfinger & Co. inhaftiert. Danach war das Gefängnis nur noch an den Wochenenden geöffnet: für Jugendliche, die auffällig geworden waren und hier von samstags 15 Uhr bis montags 6 Uhr über ihren Unfug nachdenken konnten. 1978 war auch damit Schluss, das Gefängnis verwaiste – bis es jetzt endlich wieder neue, freiwillige Insassen bekommt.

Besser als auf Klassenfahrt

Bevor die vier Übernachtungsgäste ihr Quartier beziehen, haben sie sich aber noch neu einzukleiden. Mit dem blau-weiß-geringelten Anzug sind sie auf den ersten Blick als Knast-Insassen zu erkennen. Mit der Kluft wächst auch merklich die Spannung. Werden wir eingesperrt oder können wir selbst auf- und zuschließen? Wann müssen alle im Bett sein? Und wie sehen die Hotelzimmer – pardon: Zellen – wohl aus? Die Antwort: ziemlich ursprünglich und spartanisch. Unbehandelte Betonböden, dicke Türen, ein Etagenbett und ein quietschender Metallschrank – für eine Nacht reicht es allemal. Ein Fernsehgerät? Fehlanzeige. Und das Mobilfunknetz ist dank dicker Gefängniswände ziemlich ausgesperrt. „Wir finden das klasse, es ist einfach mal etwas Anderes“, schildert Meike Moll. Und für Tochter Cosima steht direkt fest: „Die Betten hier sind sogar besser als auf der letzten Klassenfahrt...“

So ursprünglich die Übernachtung im Knast auch wirkt, so lassen doch einige Details ein Schmunzeln aufkommen. Ob wohl in jeder Gefängniszelle der Welt direkt neben der Tür ein „Fluchtplan“ hängt? Diese Fluchthilfe ist kein Scherz, sondern eine Notwendigkeit – Brandschutzbestimmungen gelten heute auch in historischen Gebäuden. Und noch ein Kuriosum: In Petershagen werden die Knasttüren nicht von außen, sondern ausschließlich von innen verriegelt. Offener Vollzug mal anders. „Die Außenriegel haben wir festgeschweißt, damit sich niemand einen blöden Scherz erlauben kann“, erklärt Olaf Glaser. Familie Cartus jedenfalls ist heilfroh, dass sie selbst über ihren „Hofgang“ bestimmen kann. So können sie ihre Häftlings-Freizeit nutzen, um das hauseigene Restaurant zu testen. Und am Abend gibt es noch Live-Musik vom Feinsten.

Geborgen hinter Gittern

Die Nacht verläuft angenehm ruhig, endet allerdings auch ziemlich abrupt mit dem frühen Sonnenaufgang. Die Storchenfamilie auf dem Dach des Knasts gehört eindeutig zu den Frühaufstehern. Und wie hat es sich geschlafen in einer echten Gefängniszelle? „Sehr, sehr gut“, sagen alle vier. Von Beklommenheit keine Spur, ganz im Gegenteil: „Ich habe mich sehr sicher und geborgen gefühlt“, berichtet Hannah Cartus. In jedem Fall macht die „gesiebte“ Luft hintern Gittern hungrig. Das üppige Frühstücksbüffet ist einfach zu verlockend – und hat ein Extra-Lob verdient. Jörg Cartus bestätigt: „Wir kommen gerne wieder!“ Denn schließlich, und das ist das Schönste an der Rast im Knast, kann jeder „Häftling“ seinen Entlassungstermin selbst bestimmen...

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