Der Oberhausener Fußballtrainer mit Herzblut

Trainer Sven Posberg, TuS Buschhausen II, passt den Ball Richtung Tor, seine Spieler führen packende Zweikämpfe. Jeder Einzelne versucht sich mit fairen Mitteln durchzusetzen und einen Treffer zu erzielen.
Ehrenamtlich coacht Sven Posberg die Kreisliga-C-Mannschaft TuS Buschhausen II. Das Team hat in dieser Saison große Ambitionen.

Die Spieler versammeln sich kurz vor dem Training im Kreis und flachsen. Bis Trainer Sven Posberg das Wort ergreift, die Blicke seiner Akteure widmen sich ihn, sie lauschen gespannt. Er schaut auf das Spiel gegen Post SV Oberhausen III zurück. Ruhig, aber bestimmt kritisiert er die Anfangsviertelstunde, in der seine Kicker sich direkt ein Gegentor fingen. Danach drehten sie auf, am Ende gewannen seine Schützlinge mit 6:2, mit der Leistung zeigt er sich insgesamt zufrieden. Doch das reicht ihm nicht, kurz erhebt er seine Stimme: „Wir müssen weiter hart arbeiten“, sagt Posberg.

Denn der Coach, laut Schätzung des Westdeutschen Fußballverbandes einer von rund 70 000 ehrenamtlichen Fußballtrainern und -trainerinnen in NRW, hat große Ambitionen: „In dieser Saison wollen wir unbedingt aufsteigen.“ Knapp verpasste sein Team den Aufstieg in der letzten Spielzeit. Als Zweiter in der Kreisliga C war der TuS Buschhausen II in die Relegation eingezogen, dort kämpften sie im entscheidenden Spiel um den Aufstieg gegen den PSV Oberhausen. Das Spiel wogte hin und her, ging erst in die Verlängerung, zu guter Letzt musste die Entscheidung im Elfmeterschießen fallen. Da verlor die Truppe mit 7:8, Tränen flossen nicht nur bei den Spielern und dem Trainer. Seine sechsjährige Tochter Mia und seine Frau Angelina, die sich extra für die Spiele freinahm, fieberten mit. Mia rannte nach der Entscheidung zu ihrem Vater, beide ließen ihrer Enttäuschung freien Lauf, es kullerten viele Tränen. Jetzt der neue Anlauf und die Familie ist immer dabei.

„Unser Team ist eine große Familie“

„Meine Frau unterstützt mich, anders wäre es nicht möglich“, erklärt Posberg. „Ich bin mit dem Fußball aufgewachsen und kenne es nicht anders“, sagt Angelina. Mit Herzblut ist Sven Posberg Trainer, steht üblicherweise dreimal in der Woche auf dem Platz: Dienstag, Donnerstag und Sonntag. Neben der zweiten Mannschaft trainiert er auch die Bambini mit, bei der seine Tochter Mia aktiv ist. „Oft bin ich dann auch mal von 17 bis 22 oder 23 Uhr vor Ort“, so Posberg.

Er sei dann auch hin und wieder Seelsorger für die Spieler, die er nicht eingesetzt hat. „Unser Team ist eine große Familie“, betont er. Der Zusammenhalt sei sehr wichtig. Das lässt sich auch im Umgang mit seinen Jungs beobachten, vor dem Training begrüßt er jeden mit einem Handschlag. Auch außerhalb des Bolzens trifft sich das Team öfter. „Wir haben häufiger Mannschaftsabende, zum Beispiel schauen wir alle zusammen den Superbowl oder fliegen einmal im Jahr nach Mallorca“, erklärt er.

Fitness als Voraussetzung für den Erfolg

Geschlossenheit und Psychologie spielt eine wichtige Rolle im Fußball-Alltag. „In den Trainerlehrgängen lernt man, wie man auf die Spieler eingeht“, erläutert Posberg, den seine Kicker kurz „Posi“ rufen. Viel hat er sich auch schon als Spieler abgeguckt bei seinen Übungsleitern. Laut eigener Aussage habe der frühere Stürmer immer nur gute Trainer gehabt. Einiges gelernt habe er auch in seiner Zeit beim Duisburger Klub Hamborn 07 an der Seite von Trainer Hans Herr, den er als Assistent unterstützte. Seit der Saison 17/18 trainiert er den TuS Buschhausen II hauptverantwortlich.

In der Vorbereitung auf die neue Saison stand viel Fitness auf dem Programm: „Fitness ist das A und O, ich bin ein kleiner Fitnessfanatiker, auch wenn ich nicht so aussehe“, witzelt Posberg. In den ersten Wochen hätten seine Jungs keinen Ball gesehen, zusätzlich absolvierten sie einige Einheiten Aerobic. „So haben wir 90 Minuten lang Power“, sagt Kapitän Andreas Hofer. Nach den schweißtreibenden Konditionsübungen schloss sich das taktische Training an. „Hier versuche ich die Basics zu vermitteln, auch mal, wie ein Ball richtig gestoppt wird oder wie man überlauft“, erläutert Posberg.

Training mit Spaß und Disziplin

Darum geht es auch heute im Training, der Coach teilt die über 20 Spieler gemeinsam mit seinen Assistenten Christian Neul und Oliver Gertgens in drei Gruppen ein. „Drei Spieler einen Ball“, gibt der 35-Jährige die klare Anweisung. Alles spielt sich in einer Hälfte ab, links, mittig und rechts hat er jeweils Hüttchen aufgestellt. An den beiden äußeren Stationen passen sich drei Spieler den Ball zu, einer hinterläuft, während zwei in den Sechszehner durchsprinten, und flankt anschließend. Die beiden in der Mitte versuchen die Flanke im Tor zu versenken. Am Anfang aber nicht erfolgreich.

Sven Posberg schaut sich alles genau an, auch bei der Station in der Mitte, die auf einen schnellen Schuss abzielt, bleibt der Torerfolg aus. „Es ist immer noch kein Treffer gefallen“, ruft Posberg über den Platz. Doch dann klappt es, die ersten Tore fallen. „Sehr stark, Oliver“, lobt der Trainer. Nach der Einheit folgen ein Zweikampftraining und ein Abschlussspiel. Da dürfen seine Spieler erst nur mit zwei Kontakten agieren. Kritisch beäugt er das Geschehen, lehnt am linken Pfosten eines Gehäuses, seine rechte Hand stützt sein Kinn, akribisch verfolgt er den Ball.

Zum Abschluss nochmal Torschuss aus rund 20 Metern Entfernung, das sogenannte „Esel-Schießen“, ein Ritual an jedem Donnerstag. „Der Verlierer muss fünf Euro in die Mannschaftskasse zahlen und beim nächsten Training zur Strafe das knallpinke Esel-Shirt tragen“, sagt Posberg und grinst schelmisch.

Besondere Ansprache

„Das Training ist sehr abwechslungsreich, der Spaß kommt nicht zu kurz“, betont Hofer. Doch der Trainer, der nach klarem Leistungsprinzip seine Aufstellung festlegt, spreche auch klipp und klar an, wenn etwas schlecht laufe, er sei immer motivierend. Vor wichtigen Spielen denkt er sich auch mal etwas Besonderes aus. „Einmal kamen wir in die Kabine und es hingen rund zwanzig Zettel an der Wand mit kurzen Motivationssprüchen. Dann lief erst eine ruhige Musik und der Trainer sprach zunächst mit leiser Stimme. Am Ende pushte er uns lautstark“, erzählt Hofer. Und Posberg ist immer mit Leidenschaft dabei: „Man muss für den ehrenamtlichen Trainerjob leben und Geduld mitbringen.“ Ohne Fußball gehe bei ihm nichts, seit seiner Kindheit ist er mit dem Fußball verbunden. Jetzt steckt er sein ganzes Herzblut in seinen Trainerjob, um mit seiner Mannschaft aufzusteigen und diesmal in Freudentränen auszubrechen.

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Der Landessportbund NRW verfolgt in Kooperation mit Westlotto das Ziel, mehr Menschen für das Ehrenamt in Sportvereinen zu begeistern. Unter dem Titel „Initiative Ehrenamt 2018 bis 2022“ gibt es ein buntes Programm zum Thema. In NRW sind laut Landessportbund rund 80 000 Trainer insgesamt in allen Sportarten ehrenamtlich tätig, davon sind rund 20 000 qualifiziert und haben verschiedene Lehrgänge besucht. Mehr zum Ehrenamt steht online unter: www.sportehrenamt.nrw

Barrieren auf der Straße – und im Kopf

Inklusion ist wichtig, gerade im Sport. Der TV Ratingen ist hier vorbildlich und wurde „Behindertensportverein des Jahres“.
Foto: Andrea Bowinkelmann
Beim TV Ratingen werden Sport und Inklusion großgeschrieben. Deshalb ist der Verein zum „Behindertensportverein 2017“ gekürt worden.