Wenn "Mobbing-Spiele" gemobbt werden

"Bully" hat wirklich Seltenheitswert. Das Action-Adventure aus dem Hause Rockstar Games wird von vielen Nationen verteufelt und als Jugendgefährdend angesehen. Von allen - bis auf Deutschland. Aber warum regen sich eigentlich so viele über "Bully" auf?

Kurz zu den Fakten, was ist „Bully“ überhaupt? Die Bezeichnung „Bully“ bedeutet „der Tyrann“. „To bully“ heißt soviel wie drangsalieren, einschüchtern oder schikanieren. Das klingt ja wirklich böse. Allerdings bedeutet es auch „große Reden schwingen“. Lustig, denn so gesehen könnte man diese Bezeichnung auch auf die Personen anwenden, die sich in den letzen Monaten so sehr über die Veröffentlichung des Xbox 360 und Wii Ablegers „Bully: Die Ehrenrunde“, aufgeregt haben. Besonders in Großbritannien hat „Bully“ für Diskusionen gesorgt. Das Spiel würde Mobbing und Gewalt an Schulen verherrlichen und der Name an sich sei schon eine Provokation. O.K., diesem Vorwurf gehen wir auf den Grund. Wir wollen ja nicht später von uns behaupten lassen, die USK sei schlampig geworden.

Schläge fürs Schulsystem

Schauplatz des Geschehens ist die fiktive Bullworth Academy. Ihr schlüpft in die Rolle des pubertierenden Jimmy Hopkins, der von seiner unsympathischen Mutter und deren noch unsympathischerem Freund für ein Jahr in die benannte Academy abgeschoben wird. Das typische Beispiel eines verkorksten Familienverhältnisses. Das Kind kann den neuen Freund der Mutter nicht leiden, der Freund ist ein totaler Kotzbrocken und die Mutter ist froh, dass sie einen Mann trotz Kind abbekommen hat. Also minimiert man das „Problem: Kind“ und düst auf Hochzeitsreise. Jimmy, der selber kein Kind von Traurigkeit ist, findet sich in einer Schule wieder, die weder menschlichen noch schulischen Idealen folgt. Nach außen hin gibt sich die Privatschule zwar äußerst genau und disziplinverliebt, hinter dieser elitären Fassade verbirgt sich jedoch ein Schulsystem, das zum Himmel schreit. Auf dem Campus laufen Securitys ohne Ende durch die Gegend, die jeden Regelverstoß mit harten Mitteln unterbinden. Schulrowdys schikanieren die Streber, und die Lehrer scheinen den Spaß an ihrer Arbeit schon lange verloren zu haben.

Ist diese Darstellung aber wirklich so anstößig? „Bully“ legt die Probleme der heutigen Zeit ziemlich drastisch dar, zugegeben. Das jedoch wiederum so überspitzt, dass es im Auge des normalen Betrachters unrealistisch übertrieben wirkt. Den Vorwurf, dass Spiel würde Mobbing und Gewalt an Schulen verherrlichen, kann man in der Hinsicht eigentlich nicht wiedergeben. Fühlen sich hier etwa einige Schulen in ihrer Ehre verletzt, weil diese Darstellung das eigene System betrifft? Schauen wir doch mal, wer diese Vorwürfe überhaupt vom Stapel lässt: Nordamerika, Australien, Süd-Korea, UK und die Karibik. Länder, deren Schulsystem auf dem Prinzip einer Bullworth Academy funktionieren. Aber natürlich gibt es auf deren Schulen keine Rowdys oder ähnlich negative Einflüsse. Nein, nein, wenn es Ärger gibt, dann wird das durch Spiele wie „Bully“ verursacht. Bitte, liebe Lehrer der „NUT“ (National Union of Teachers), schaut doch mal auf eure Schulhöfe, in eure Klassen oder aus dem Fenster, bevor ihr Amazon dazu aufruft, solch ein Spiel zu boykottieren. Was kann man denn für die Lustlosigkeit mancher Lehrer verantwortlich machen? Zäumen wir das Pferd doch mal von dieser Seite auf. Jaha, dass will natürlich keiner hören, Spiele, die man dafür verantwortlich machen könnte, müssen nämlich erst noch erfunden werden.

Es ist leicht, die Verantwortung für ein solches Thema allein den Medien zu geben. Die Spielfigur Jimmy Hopkins ist eigentlich ein ganz normaler Junge, wie ihn wohl fast jeder aus seinem Bekanntenkreis kennt. Er ist kein schlechter Kerl, im Gegenteil, er hilft benachteiligten Schülern und gibt denen, die es verdienen, eine Lektion. Das sehen wir in dutzenden Actionfilmen. Der Held verprügelt den Bösewicht. Hier verprügelt der vermeintliche Loser den arroganten Footballspieler. Eine Aktion, die jeder von uns wirklich gut nachvollziehen kann. Macht uns das jetzt zu einer Gefahr für die Öffentlichkeit?

Eine Lanze für den Jugendschutz

Wir Deutschen sind ja nicht besonders für unsere Toleranz gegenüber prekären Spielen bekannt. Umso erstaunter waren wir, als „Bully“ mit einer USK 16 Wertung beklebt wurde. Böse könnte man sagen, dass wir Deutschen es von unseren Schulen ja nicht anders kennen. Wir wollen hier auch nichts beschönigen. In „Bully: Die Ehrenrunde“ verprügeln sich die Schüler mit Gegenständen, man kann (aber nicht muss) den Unterricht missachten und Gewalt gegen „Respektspersonen“ ausüben. Aber die Tatsache, dass „Bully“ die Schulsysteme derart überspitzt darstellt und somit auch aufs schärfste kritisiert, ist eigentlich ein cleverer Schachzug. Bei Ländern und Shops, die dieses Spiel boykottieren, sollte sich überlegt werden, warum sie das eigentlich machen. Aus Angst vor der Bloßstellung des eigenen unperfekten Schulsystems, oder weil diese Leute Kinder einfach nur vor der Gewalt schützen wollen. Das alles hinterlässt aber dennoch irgendwie den schalen Beigeschmack von doppelter Moral.

 
 

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