VDVC: Im Gespräch mit Patrik Schönfeldt

Der Verband für Deutschlands Video- und Computerspieler wurde von Spielern für Spieler gegründet und soll die Rechte der Gamer wahren. Was man sich darunter vorstellen kann, wollten wir von Patrik Schönfeldt, dem stellvertretenden Vorsitzenden vom VDVC wissen.

Herr Schönfeldt, in den letzten Monaten kam besonders nach dem tragischen Amoklauf in Winnenden wieder eine hitzige Diskussion um gewalthaltige Computer- und Videospiele ins Rollen. Sie haben die Gründung des Verbands für Deutschlands Video- und Computerspieler betreut und sind stellvertretender Vorsitzender. Was soll der Verband den Gamern bringen und wie soll er helfen, die Situation zu verbessern?

Schönfeldt: Der Verband soll zunächst vor allem den Ruf von Videospielern verbessern. Das Spielen am Computer hilft, junge Menschen für Technik zu begeistern, Spiele für mehrere Spieler fördern die Teamfähigkeit und den sozialen Zusammenhalt. Dies sind sehr positive Eigenschaften von Videospielen, die gesellschaftlich nicht erkannt werden. Spiele müssen als Chancen gesehen werden. Es sollten eher LAN-Partys an Schulen veranstaltet werden, anstatt sie zu verteufeln. Das fördert das Miteinander und die Identifikation mit der Schule. Der VDVC will hier Aufklärungsarbeit leisten und Bemühungen unterstützen, das Potenzial von Spielen zu nutzen.

Wie notwendig war es Ihrer Meinung nach, einen Verband für Gamer zu gründen? Ist es nicht etwas übertrieben? Immerhin geht es „nur“ um Spiele. Man könnte als Kritiker auch sagen, dass hier nur ein unnötiges Hobby verteidigt werden soll.

Schönfeldt: Es war dringend notwendig – das sehen wir schon am starken Andrang seit der Bekanntgabe unserer Gründung. Wir erfahren von Spielern – nicht nur aus Deutschland – ein sehr positives Echo. Und wie ich eben schon sagte, stecken in Spielen weit mehr Möglichkeiten, als man auf den ersten Blick sieht. Die Begeisterung für Technik wäre ohne Spiele weit geringer, als sie ist. Und vom technischen Fortschritt profitieren letztendlich alle – nicht nur die Spieler. Unter diesem Gesichtspunkt ist es auch besonders wichtig, die taktischen Teamspiele zu schützen, denn diese erfordern von den Spielern gewisse Kenntnisse über Netzwerktechnik.

Wo lag die Herausforderung, einen solchen Verein zu gründen? Ist es schwer, als seriöser Verband für Gamer ernst genommen zu werden?

Schönfeldt: Bisher war das Feedback für den Verband durchweg positiv, allerdings haben sich kritische Instanzen bisher auch kaum geäußert. Wie wir von diesen wahrgenommen werden, wird sich noch zeigen. Ich bin aber optimistisch, dass wir uns auch für die Politik als ernsthafter Partner positionieren zu können. Dafür arbeiten wir unter anderem mit einer Kampagne für Jugendschutz.

Haben Sie sich mit dem BIU oder dem G.A.M.E.-Bundesverband im Vorfeld besprochen oder beraten?

Schönfeldt: Es bestand aufgrund der geführten Debatte großer Zeitdruck. Wenn Spiele wie WarCraft 3 (ab 12) als Killerspiele bezeichnet und verboten werden sollen, sieht man, wie dringend ein öffentliches Auftreten ist. Sind Videospiele in populistischem Aktionismus erst verboten, wird es deutlich schwerer, für gesellschaftliche Akzeptanz zu kämpfen und die Chancen darzulegen, die durch Spiele existieren. Daher konnten wir leider nicht auf alle möglichen Partner eingehen. Kontakt mit BIU und G.A.M.E. ist aber eingeleitet worden, in Kürze werden hier Gespräche stattfinden.

Wie kann man sich die Unterstützung vom Verband vorstellen? Wo werden Gamer von Ihnen vertreten?

Schönfeldt: Der Verband möchte Öffentlichkeitsarbeit für die Spieler leisten. Die Anliegen dieser Gruppe, welche mit 23 Millionen Menschen sehr große Relevanz besitzt, werden in der Gesellschaft kaum beachtet. Vor allem, wenn man bedenkt, dass es in jeder Altersgruppe Computerspieler gibt, sollte man sich fragen, warum wir verbreitet mit Vorurteilen konfrontiert werden. Der VDVC will hier aufklärend wirken und Videospielern somit zu mehr Akzeptanz verhelfen. Heutzutage kann man fast von einem Outing sprechen, wenn man als erwachsener Mensch zugibt, Actionspiele zu konsumieren. Actionfilme dagegen sind kein Problem. Auf der anderen Seite brauchen Spieler natürlich auch den Dialog mit der Industrie, Spiele kommen immer seltener fehlerfrei auf den Markt, das ist ein Problem, bei dem die Spieler gegenüber den Publishern eine Vertretung brauchen.

Gab es schon Resonanz von Seiten der Politik? Wie stellen Sie sich generell die Zusammenarbeit vor?

Schönfeldt: Wie bereits gesagt ist die Resonanz der Politik noch nicht so laut zu hören wie die des Kulturkreises „Videospiel” selbst. Allerdings sahen sich Vertreter und teilweise Fraktionen der Mehrzahl der großen Parteien veranlasst, Pressemitteilungen zur Unterstützung unserer Positionen zu verfassen. Dies ist ein guter Anfang und zeigt, dass Dialog und Kooperation nicht nur erforderlich, sondern auch erwünscht sind.

Der ESL-Veranstalter Turtle Entertainment hat ebenfalls die Gründung eines Interessenverbandes für Gamer angekündigt. Allerdings soll das noch eine Weile dauern. Planen Sie in dieser Richtung schon Kooperationen?

Schönfeldt: Turtle Entertainment hat durch Zufall sehr früh von unseren Plänen erfahren, uns daraufhin sofort angesprochen und erfragt, wie sie uns unterstützen können. Bei dem angekündigten Verband handelt es sich um den VDVC. Als Teil der Kooperation werden wir auf von Turtle Entertainment veranstalteten Events vertreten sein, um dort mögliche Mitglieder zu erreichen. Ähnliche Zusammenarbeit ist auch mit Veranstaltern von LAN-Veranstaltungen geplant, dort werden wir zusätzlich Gäste begrüßen und sie dort über Computerspiele, den sportlichen Wettbewerb und das Miteinander der Spieler aufklären.

Was sind die nächsten Schritte des VDVC?

Schönfeldt: Zunächst planen wir eine Kampagne für Jugendschutz, die von den Spielern selbst getragen wird. Dies soll ein Signal sein, dass wir Spieler uns auch selbst um den verantwortungsvollen Umgang der Jugend mit Medien sorgen. Wir möchten hier vor allem an Eltern appellieren, an unseren geplanten Informationsveranstaltungen und Workshops teilzunehmen. Wir werden im Zuge der Kampagne auf die gesetzliche Lage, wissenschaftliche Erkenntnisse und ganz praktische Möglichkeiten zum Schutz der eigenen Kinder eingehen. Zudem überlegen wir, das Thema „Verbot” durch eine weitere Demonstration nochmals in die Öffentlichkeit zu holen, damit sich die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit diesem Thema nicht verläuft.

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