"Es geht um gesellschaftliche Akzeptanz"

Foto: WE

Essen. Der Deutsche eSport-Bund (ESB) sieht den elektronischen Sport im Umbruch. Noch professioneller soll’s werden, sagt der Vorsitzende Frank Sliwka. Im Sommer erhalten die Nationaltrainer eine Trainerausbildung - auch in sozialer Kompetenz.

Es wirkt ein wenig wie ein ungeschriebenes Gesetz: Wenn man in der Szene nach den Aussichten, Zukunftsplänen und Wünschen des elektronischen Sports fragt, wird man häufig die Antwort erhalten: Größer soll’s werden, strukturierter, öffentlich anerkannter – kurz: erwachsener. Bei den Computerspieleligen werden zwar unlängst hohe Preisgelder ausgeschüttet, doch der sportliche Aspekt ist längst noch nicht überall in der breiten Öffentlichkeit angekommen. Der Deutsche eSport-Bund sieht nun den richtigen Zeitpunkt gekommen, daran etwas zu ändern.

Ligabetreiber entscheiden über Regelwerk und Strafkatalog

Zunächst stellt sich aber die Frage, wer in der für Außenstehende undurchsichtigen Machtstruktur des elektronischen Sports überhaupt die Fäden in der Hand hält. Die verschiedenen eSport-Ligen befinden sich nämlich in der Selbstverwaltung. Der Deutsche eSport-Bund leistet, anders als Verbände im klassischen Sport, hauptsächlich Lobbyarbeit. Die Ligabetreiber besitzen das Hausrecht. Und entscheiden demnach unabhängig über Regelwerk und Strafkatalog. Das angepeilte Ziel ist es nun, alle Beteiligten irgendwie unter einen Hut zu bekommen. Keine leichte Aufgabe im Daddel-Universum.

Frank Sliwka betreibt als ESB-Vorsitzender also nicht nur Lobby-Arbeit für den eSport, sondern kämpft in gewisser Weise auch um die Positionierung des eigenen Verbandes. Den Zeitpunkt für einen Wandel innerhalb der Community sieht er für die junge Bewegung als aktueller denn je.

Neue Deutsche eSport-Welle: Trainer erhalten soziale Ausbildung

Ein Element der Neuen Deutschen eSport-Welle soll die Ausbildung sein. Wer im klassischen Sport ein Team betreut, der benötigt einen Trainerschein, eine Lizenz – fundiertes Fachwissen. Dass Könner ihre Fertigkeiten nun auch bescheinigt bekommen, wird im eSport als Neuerung behandelt. „Die Einführung einer Trainerausbildung ist für den eSport immens wichtig“, erklärt der ESB gegenüber DerWesten. „Die Nationaltrainer werden im Sommer den ersten Lehrgang besuchen.“ Die Schulungen sollen von einem Kompetenzteam organisiert und durchgeführt werden.

Dabei wird es nicht nur um spielerisches Können gehen, sondern es wird vornehmlich eine soziale Ausbildung angepeilt. Das könnte bedeuten, die meist jungen Spieler auch auf die Wichtigkeit von Schule, Studium oder Ausbildung aufmerksam zu machen. Der Umgang mit den Medien soll geschult und Gesetzgebung sowie Regelwerk thematisiert werden. Über eine Ausweitung dieser Ausbildung sollen weitere Gespräche folgen.

Der Deutsche eSport Bund würde zusätzlich gerne eine zentrale Spielerdatenbank installieren, um die Transparenz der noch jungen Bewegung zu erhöhen. Langfristiges Ziel sei auch die Einführung eines Spielerpasses.

Auswirkung des Betrugsfalls „coldgame“

Beim Stichwort „Gesetzgebung“ gibt es weitere Ansatzpunkte, die aber nicht ganz einfach sind. Durch den Betrugsfall um den Clan „coldgame“, bei dem der eSportler „XektoR“ gegen seine Sperre wegen Benutzung von Schummelprogrammen vor dem Amtsgericht geklagt hatte, ist die Diskussion um Regelwerk und Sportgerichtsbarkeit angeheizt worden. Der Vorsitzende des Deutschen eSport-Bundes Frank Sliwka äußert sich dazu im Interview.

Inwieweit war der Deutsche eSport Bund in den Cheat-Fall „coldgame“ involviert?

Sliwka: Wir hatten schon sehr lange Kontakt zu dem Clan „coldgame“. Es handelte sich bei dieser Situation um einen privatrechtlichen Fall. Wir können die Spieler am Rande beraten. Derzeit ist es so, dass ein Cheatgericht beim Betreiber der Liga angesiedelt ist, also bei einem wirtschaftlichen Unternehmen. Die Ideallösung wäre, wenn eine Gerichtsbarkeit frei von wirtschaftlichen Unternehmen agieren könnte.

Ist das Thema der Sportgerichtsbarkeit im eSport bisher vernachlässigt worden?

Sliwka: Ja, wir haben immer gesagt: Irgendwann wird der Zeitpunkt kommen, um das auch zu ändern. Die Zeit ist genau jetzt reif dafür. Die Lösung wäre, dass eine Sportgerichtsbarkeit von einer unabhängigen Instanz ausgeht. Wir arbeiten schon jetzt mit fachkundigen Juristen zusammen, die entsprechende Auseinandersetzungen objektiv bewerten können.

Das heißt, der ESB hätte aktuelle Cheat-Fälle bereits lösen können?

Sliwka: Das wäre möglich gewesen.

Woran haperte es denn bisher?

Sliwka: Der eSport steht als Sportart noch ganz am Anfang. Hier muss und wird einiges passieren. Man muss auch bedenken: Es gab bisher noch keinen vergleichbaren Fall, der vor dem Amtsgericht verhandelt wurde.

Wohin führt der Weg für den ESB?

Sliwka: Ziel ist es, eine gesellschaftliche Akzeptanz für den eSport zu erreichen. Die Kernaufgabe sollte auch die verwaltungsmäßige Erfassung der Spieler sein. Das beinhaltet dann auch den Jugendschutz.

Das Gespräch führte Dirk Hein

 
 

EURE FAVORITEN