So einfach kommen Kinder an Erwachsenen-Spiele

Nicole Lange

Kinder sollen vor jugendgefährdenden Spielen geschützt werden. Die Branche wird dafür immer stärker in die Verantwortung genommen, und auf den Verpackungen prangt groß die Altersfreigabe. Dennoch ist es für Minderjährige scheinbar unheimlich einfach, an Spiele für Erwachsene zu kommen.

Der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest hat eine Studie veröffentlicht, die besonders aus jugendschutztechnischen Gründen äußerst bedenklich sein sollte. Rund 1200 repräsentativ ausgewählte 12- bis 19-Jährige wurden dabei über ihre Mediennutzung befragt. Darunter fällt natürlich auch die Nutzung von PC- und Konsolenspielen. Da sich die Mehrzahl der Befragten mit Shootern, Strategie- und Actionspielen beschäftigt, fällt da natürlich auch ein Auge auf den Jugendschutz.

Die Studie ergab dabei, dass sich die persönliche Auseinandersetzung der jugendlichen Spieler mit der Altersbegrenzung im Vergleich zur JIM-Studie aus dem Jahr 2005 deutlich erhöht hat. Allerdings lässt sich dieser Erkenntnisgewinn erst bei den ab-14-jährigen Spielern beobachten. 83 Prozent der Befragten haben eine Alterskennzeichnung schon einmal gesehen, 15 Prozent wissen allerdings nur, dass es sie gibt.

Die Alterskennzeichnungen auf Computer- und Konsolenspielen umgangen bzw. schon einmal Spiele gespielt, für die man eigentlich noch zu jung ist, hat mit 64 Prozent die Mehrheit der Spieler (2005: 61 %). Vor allem Jungen und im Allgemeinen Jugendliche mit geringer formaler Bildung gehen über die Vorgaben der Jugendschützer stärker hinweg. Im Vergleich zu 2005 scheinen sich (noch) weniger Jugendliche den Alterskennzeichnungen verpflichtet zu fühlen.

Das Ergebnis verwundert so erst mal nicht. Drei Viertel der Jugendlichen empfinden es als sehr einfach, an für ihr Alter ungeeignete Spiele zu kommen. Die 12- bis 13-Jährigen schätzen die Beschaffung von Spielen mit Altersbegrenzung nur zu 55 Prozent als einfach ein, mit zunehmendem Alter steigt diese Beurteilung naturgemäß an (14-15 Jahre: 74 %, 16-17 Jahre: 87 %, 18-19 Jahre: 89 %). Als mögliche Bezugsquellen nennen die Jugendlichen in erster Linie die Freunde (67 %), das Internet (44 %) oder den Handel (37 %). Ein Drittel spekuliert, dass Mitschüler hier „helfen“ könnten, ein Viertel würde sich aber auch an die Eltern wenden.

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