Nerds, Gamer oder einfach nur Sportler?

Es gibt nicht wenige Leute, die eSportler immer noch als isolierte Menschen ohne intaktes Umfeld sehen. Dass dieser Sport bereits Millionen von Fans auf der ganzen Welt hat, wird dabei immer gern verschwiegen. Was findet also wirklich vom 5. bis 7. November bei den World Cyber Games in Köln statt?

Eines vorweg: Die Teilnehmer sind keine in sich gekehrten Psychos, die nur mit ihrer Maus oder den Team-Kollegen reden. Kriminologe Professor Christian Pfeiffer stellt Online-Spieler gerne als suchtgefährdet dar. Laut seiner Aussage wird in manchen Gamer-Foren über Windelsorten und ihre entsprechende Saugfähigkeit bei Turnieren diskutiert. Solche Foren-Diskussionen wird es mit Sicherheit auch geben, aber es lässt sich schwer sagen, ob diese vereinzelten Beiträge auch wirklich ernst zu nehmen sind. Und solange es auf der Games Convention oder der bald anstehenden GamesCom noch keine Stände von Windelherstellern zu sehen gibt, sind wir auch noch relativ gelassen, was diese Problematik angeht.

Als 2000 die ersten World Cyber Games stattfanden, spielten 174 Spieler aus 17 Ländern um ein Preisgeld von insgesamt 200.000 US-Dollar. Heute, acht Jahre später, sind es 800 PC- und Videospieler aus rund 80 Ländern. Die World Cyber Games (WCG) haben sich zum größten und prestigeträchtigsten Computer- und Videospiel-Festival der Welt entwickelt. Dass die Verantwortlichen dieses große Event in Deutschland auf der Kölnmesse abhalten, ist umso erfreulicher. Bevor es in Köln im nächsten Jahr mit der GamesCom losgeht, kann sich die Stadt schon einmal mit der Spielkultur auf sportlicher Ebene vertraut machen.

Deutschland reiht sich somit neben den Veranstaltungsorten Korea, USA und Italien ein. Bereits 2007 stand Köln zusammen mit Seattle, Montreal und Busan zur Auswahl. Allerdings bekam da noch Seattle den Zuschlag fürs Finale. In diesem Jahr kommen die WCG zum ersten Mal nach Deutschland, und die Veranstalter freuen sich auf die eSportler.

"Nachdem die Teams und Spieler ausgelost wurden und die allgemeinen Regularien zugunsten der Spieler und eines fairen Turniers bekannt gegeben wurden, können wir uns auf eine großartige Veranstaltung freuen", so Hyoung-Seok Kim, CEO von International Cyber Marketing. "Der Kampf um die WCG-Goldmedaille verspricht große Unterhaltung und ein einzigartiges Turnier", so Hyoung-Seok Kim weiter.

Mit dem Erfolg kommen auch die Sponsoren und die finanzielle Unterstützung. Immerhin besuchen jährlich weit über 1,5 Millionen Spieler aus mehr als 70 teilnehmenden Ländern das Event. Aktiver Förderer der ersten Stunde ist Samsung. Der koreanische Konzern ist Hauptsponsor der WCG und veranstaltet auch ein Rahmenprogramm für die Besucher. Microsoft wird mit einer Xbox-360-Musikbühne bereitstehen, Philips amBX zeigt seine neue Technologie auf der Hauptbühne, und beim Chiphersteller AMD können sich Spieler sowie Gäste bei Demos und eigenen Proberunden von der Leistungsfähigkeit des offiziellen AMD-PCs überzeugen.

Parallel zum Grand Final der World Cyber Games findet im Rahmen der Kölnmesse mit dem Computerspiel Camp(us) Cologne (CCC) eine Informationsveranstaltung rund um das Thema Computerspiele statt. Vom 6. bis zum 8. November werden in diversen Foren, Podiumsdiskussionen und Vorträgen alle Facetten dieses Medienzweigs beleuchtet. Der CCC ist eine Initiative der Stadt Köln, der LFM (Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen), der Staatskanzlei und des Ministeriums für Generationen, Familie und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen.

Erfolg und Entwicklung

Der Erfolg lässt sich aber nicht nur an den Sponsoren erkennen, sondern auch an den Preisgeldern. Anfangs spielte man noch um ein Preisgeld von insgesamt 200.000 US-Dollar. 2008 spielen die eSportler bereits um Geld- und Sachpreise im Gesamtwert von 470.000 US-Dollar. Letztes Jahr erreichte das Preisgeld eine Höhe von 484.000 Dollar.

Die WCG wollen der Öffentlichkeit besonders in Deutschland ihren Status zeigen. Während der eSport hier immer noch als Randgruppen-Sport bezeichnet wird, stellen die Bemühungen der Veranstalter ein ungeheures Maß an Professionalität dar. Mit QuadV und GameSports hat man zwei in der Szene bekannte Berichterstatter verpflichtet.

„QuadV und GameSports sind die besten eSports-Berichterstatter weltweit. Sie werden die Menge elektrisieren und für noch mehr Stimmung beim diesjährigen World Cyber Games-Finale sorgen", sagte Hyoung-Seok Kim, CEO der International Cyber Marketing. „Diese Partnerschaft ermöglicht es Fans, die sich das Finale vor Ort ansehen, aber auch denen, die das Turnier online oder über Satellit verfolgen, das hohe Niveau des Wettbewerbs hautnah mitzuerleben“, so Kim weiter.

Die WCG haben mit einer schwachen medialen Präsenz zu kämpfen. So fehlt es der Veranstaltung immer noch an Unterstützung. Nur die wenigsten kennen Jonas "bsl" Alsaker Vikan, Lukas "LukZ" Mehnke oder Daniel "fischieee" Fischer. Die "FIFA"-Spieler Dennis und Daniel Schellhase sagen da dem allgemeinen Spieler schon eher etwas. Diese Bekanntheit ist jedoch auf eine taffe Vermarktung zurückzuführen. Die Wenigsten haben diese Art von Management im Hintergrund, und so bleibt der Sport immer noch eine Randerscheinung. Es fehlt dem eSport immer noch an Förderung und an Akzeptanz gegenüber anderen Sportarten. In Köln wird ein weiterer Schritt getan, um eSportler etwas populärer zu machen und die Aufmerksamkeit fernab von Fußball und Formel 1 auf "Guitar Hero III", "StarCraft", "Warcraft" oder "CounterStrike" zu richten.

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