Geist, Glück und Gewinn

Mit dem Spiel an sich, dabei aber auch mit dem Glücksspie,l befasst sich die Ausstellung "Heiter bis göttlich" im Landesmuseum für Klosterkultur.
Mit dem Spiel an sich, dabei aber auch mit dem Glücksspie,l befasst sich die Ausstellung "Heiter bis göttlich" im Landesmuseum für Klosterkultur.
Foto: dpa

„Heiter bis göttlich“ ist der lyrische Titel einer Ausstellung, die den Bogen spannt vom Spiel als unterhaltsamen Zeitvertreib bis zum Geschehen mit tiefer spiritueller Bedeutung. Die Ausstellung im Museum Dalheim, unter anderem von der Kunststiftung NRW gefördert (die Gelder aus Lotteriemitteln erhält, die von Westlotto erwirtschaftet werden), präsentiert noch bis zum 3. November eine umfassende Schau dessen, was Menschen als spielerischen Umgang mit der Wirklichkeit bezeichnen. Angefangen beim unschuldigen Spiel der Kinder bis hin zum Glücksspiel mit seiner Hochspannung.

Man zählte auch Sportarten wie Fußball und Tennis, das Musizieren im Orchester und das Inszenieren theatralischer oder liturgischer Akte auf einer Bühne zum Spiel – im Gegensatz zum täglichen Einerlei von Arbeit und Gebet („ora et labora“). Geradezu tiefenpsychologisch geht Thomas von Aquin, ein großer Theologe des Mittelalters, an diese Thematik heran. Der Verfasser der „Summatheologica“ war der festen Überzeugung, dass jeder Mensch, egal ob Kind oder Erwachsener, einschließlich Mönchen und Nonnen, Phasen des Spielens zum Abschalten und zur Entspannung unbedingt benötigt. Ganz anders als der verblendete Benediktiner Jorge aus dem Roman „Der Name der Rose“, der Lachen und Müßiggang als Todsünden brandmarkte, gelangte der Dominikaner Thomas im 13. Jahrhundert zu Erkenntnissen, die später die Psychoanalyse bestätigen sollte.

Spielen und lernen

Im Spiel ließ sich aber auch das Nützliche mit dem Angenehmen verknüpfen. Auch das wusste man im Kloster schon recht früh. Das älteste Stück der Ausstellung, eine Handschrift aus dem Jahr 780 aus dem Kloster St. Gallen, ist ein didaktisches Spiel. In Form von Quizfragen kann hier spielerisch fundiertes Bibelwissen erlernt und abgefragt werden.

Starker Spieltrieb

Am Glücksspiel wird die Gefahr der Versündigung etwa durch Habgier, Betrug oder Sucht besonders deutlich. Die römischen Soldaten, die zu Füßen des Kreuzes um die Gewänder Christi würfeln, sind der Inbegriff des ruchlosen Verbrechens. So wundert es nicht, dass das Glücksspiel im Christentum ursprünglich als problematisch angesehen wurde. Dessen ungeachtet fanden Historiker und Archäologen massenhaft Würfel, Kartenspiele oder Trictrac-Bretter (eine Art Backgammon) in den Klöstern. Der natürliche Spieltrieb konnte selbst durch die Androhung von Höllenquallen kaum unterdrückt werden.

Allerseelen-Lotterie

Trotz der Anfeindung des Glücksspiels im Christentum war man kreativ genug, Wege zu finden, wie auch Lotterien in einer religiös akzeptierten Art und Weise veranstaltet werden konnten. Nach dem Vorbild des „Weltlichen Glückshafens“, so etwas wie eine Tombola, entwickelte sich in Deutschland der „Geistliche Glückshafen“. Durch ihn sollte den Sündern im Fegefeuer die nötige Gebetshilfe zuteil werden. Die verschiedenen Laster wurden in 64 Gruppen klassifiziert, die man auf Losen aufschrieb. Der Teilnehmer am „Geistlichen Glückshafen“ bestimmte per Los, für welche Sündergruppe er zu beten hatte.

Wiederverwendbar

Der Nachbau einer solchen Lostrommel ist in der Ausstellung zu sehen, und der Besucher kann sogar Lose ziehen, auf denen in altdeutscher Formulierung die verschiedenen Sünderkategorien aufgeführt sind. Auf dem Los mit der Nr. 19 heißt es beispielsweise: „Vor die Seelen, so erst in das Fegefeuer kommen, wische ihre Zähren ab.“ In einer bayerischen Klosterkirche wurden die Teilnehmer ermahnt, die Lose um der armen Seelen willen nicht zu entwenden, sondern nach dem Gebet wieder in die Trommel zu werfen.

Heilige als Lottofee

Die Dalheimer Ausstellung macht auch bekannt mit der Heiligen Corona, einer frühchristlichen Märtyrerin, die aufgrund ihres Namens unter anderem zur Patronin der Glücksritter wurde. „Corona“ bedeutet im Lateinischen „Krone“. Da die Krone auch eine verbreitete Währungsbezeichnung ist, wendete man sich in Geldangelegenheiten an die Heilige Corona und schließlich auch in Sachen Lotterie und Glücksspiel.

Schutzpatron des Fußballs

Museum für Klosterkultur Nicht nur Lottospieler, auch Sportwetter erfahren allerhöchsten Beistand. Was die Heilige Corona für die Lotterie, das ist der Heilige Luigi Scrosoppi für den Fußball. Der Franziskanermönch aus dem 19.Jahrhundert ist ganz offiziell seit 2010 der Schutzpatron aller Fußballer und steht für Teamgeist, Fairness, Fleiß und Ausdauer.

Dieses und noch viel mehr erfahren Besucher in der Ausstellung des LWL-Landesmuseums für Klosterkultur (Info im Kasten).

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