"Games haben ein intelligenteres Potential als Fernsehen"

Düsseldorf. Thomas Jarzombek steht für eine neue Generation von Politikern. Der CDU-Abgeordnete des Landtags in Nordrhein-Westfalen hat mit uns über seine Berufung in die Jury des Deutschen Computerspielepreises gesprochen - und über den politischen Stellenwert des neuen Mediums.

Herr Jarzombek, Sie werden als einer der wenigen Politiker in der Jury des Deutschen Computerspielepreises sitzen. Wie haben Sie sich darauf vorbereiten können?

Thomas Jarzombek: Ich spiele gerne am Computer, während meiner Schulzeit habe ich vielleicht sogar mehr gespielt als mir lieb sein konnte. Jedenfalls ist es ja nicht schwer, die tollen Spiele zu erkennen. In meiner Fachjury „serious games/Lernspiele“ sind rund ein Dutzend Spiele nominiert, die ich am Wochenende vorher spielen kann – worauf ich mich schon sehr freue!

Austragungsort ist München. Bayern konnte sich bisher aber noch nicht als „spielerfreundliches“ Land verschreiben. Wird sich das eher positiv oder negativ auf die Veranstaltung und die Preisträger auswirken?

Jarzombek: Ich hoffe, dass sich das positiv auf die Jugendschutzpolitik der bayerischen Kollegen auswirken wird, da gibt es sicher noch Verbesserungsmöglichkeiten. Die bayerische Staatskanzlei hat sich so sehr um die Austragung dieses Preises bemüht, dass sie sich garantiert sehr große Mühe geben werden und die Veranstaltung ein Erfolg wird.

Wie sind Sie mit der Zusammenstellung der Jury zufrieden? Zu wenig Politiker?

Jarzombek: Wichtig ist mir die Kompetenz, dies ist sicher bei den meisten Jurymitglieder schon auf den ersten Blick zu erkennen. Neben dem Kanzleramt und den Verbänden hat auch der Bundestag einige Kollegen benennen können, so dass die Politik nicht zu kurz kommt. Ich glaube aber, dass Politik nicht alles regeln muss, daher finde ich das Verhältnis sehr in Ordnung.

Welchen Stellenwert hat das Thema Spiele Ihrer Meinung nach generell in der Politik?

Jarzombek: Aufgrund der Jugendschutzdiskussion in den letzten Jahren einen sehr hohen. Auch die Suchtproblematik der MMORPGs wird in der Politik intensiv diskutiert. Ich bin daher sehr froh, dass mit dem Preis endlich das Thema Games aus positiver Sicht angefasst wird. Games haben ein viel intelligenteres Potential als das Fernsehen und machen viel mehr Spaß – es wäre dumm, dies nicht positiv zu nutzen.

Als informierter Spieler schlägt man eigentlich nur die Hände über dem Kopf zusammen, was einige Politiker zum Thema „Spiele“ äußern. Wie kommt es, dass die Politik so schlecht informiert ist?

Jarzombek: Computerspiele versteht man nicht durch Zusehen, sondern nur durch Spielen. In den Parlamenten finden sich viele ältere Kollegen, die mit diesem Medium nicht aufgewachsen sind und es daher nicht verstehen. Doch es kommen immer mehr Jüngere in die Parlamente, die einen ganz anderen Zugang zum Medium Games haben.

Der Deutsche Computerspielepreis soll „qualitativ hochwertige sowie kulturell und pädagogisch wertvolle“ Spiele belohnen. Zu diesem Thema haben wir damals auch Kulturstaatsminister Bernd Neumann befragt. Er war der Ansicht, dass beispielsweise Ego-Shooter keines dieser Kriterien erfüllen könnten. Wenn man sich das Spiel Portal beispielsweise ansieht, müsste man von so einer Denkweise doch aber eigentlich absehen, oder? Muss man auf Basis dieses Rasters nicht aufpassen, dass man nur aufgrund eines Genre-Namens falsche Schlüsse zieht?

Jarzombek: Portal ist sicher eine Ausnahme unter den First-Person-Spielen, daher hat Bernd Neumann sicher gemeint: Kein Preis für Gewaltspiele. Das finde ich richtig, denn der Preis soll „pädagogisch wertvolle Spiele“ fördern – vor allem für Jugendliche. Da macht es wenig Sinn Spiele zu prämieren, die Jugendliche gar nicht kaufen dürfen. Man kann aber nicht abstreiten, dass ein Spiel wie „Crysis“ schon echte High-Tech bietet und mit seinen Innovationen die gesamte Branche zieht. Die Filmleute sind bei ihren Preisen übrigens weniger zimperlich: Gleich fünf Oscars hat der Film „Das Schweigen der Lämmer“ erhalten und die staatlichen Filmstiftungen haben reichlich 18er Filme mit Steuergeldern gefördert.

Wie haben Sie den Kölner Aufruf gegen Computerspielgewalt aufgenommen?

Jarzombek: Es gibt Dinge, die lohnt es nicht einmal zu kommentieren.

Damit aber in Sachen Köln kein falscher Eindruck entsteht: Das gewählte Stadtoberhaupt in Köln – Fritz Schramma – bemüht sich übrigens sehr intensiv um Spielentwickler und die gesamte Branche. Die Gamesbranche ist im Kölner Rathaus immer willkommen, es gibt zahlreiche Förderangebote.

Es gibt nach wie vor einige Unstimmigkeiten darüber, ob man Gewalt in Spielen zeigen darf und sollte. Wieso sorgt dieses Thema für solche Aufregung in den Reihen der Politik und Spieler? Eigentlich sind doch die Regeln klar.

Jarzombek: Das denke ich auch. Mich nervt es, dass Gewalt nur bei Spielen immer wieder thematisiert wird. Ich empfehle jedem Bedenkenträger eine Ausgabe der Zeitschrift „SFT“ mit einem „ganz harmlosen“ 16er Film auf der beiliegenden DVD als kleine Schocktherapie. Solche Gewaltdarstellungen in einem Computerspiel - die Leute würden sofort nach Indizierung oder sogar Strafverfahren rufen. Wenn es Nachholbedarf bei der Gewaltprävention gibt, dann viel eher bei den FSK-Bewertungen als bei Computerspielen.

Schaut man bei Spielen generell genauer hin als bei Filmen beispielsweise? Kommt der „Denkfehler“ vielleicht durch das Wort „Spiel“, weil man da eher an Titel wie Wii Fit und nicht an Spiele für Erwachsene denkt, die eben auch Gewalt beinhalten?

Jarzombek: Wer noch nie am Computer gespielt hat mag glauben, dass das Töten von Monstern oder Menschen auf dem Bildschirm sich genauso „anfühlt“ wie in der Wirklichkeit. Dass hier Empathie geraubt wird, dass Töten trainiert wird. Aber so ist es eben nicht. Doch das ist schwierig an Menschen zu vermitteln, die das Medium nicht kennen. Manche, wie beispielsweise Prof. Pfeiffer, spielen dann wider besseren Wissens ganz gezielt mit diesen diffusen Befürchtungen.

Deutschland spielt als Entwicklungsstandort im internationalen Geschäft noch immer eine untergeordnete Rolle. Kann der Deutsche Computerspielepreis da etwas ändern, wenn wir innerlands auf anderen Positionen diesen starken Medienzweig weiterhin abzusägen versuchen?

Jarzombek: Ich glaube nicht, dass hier etwas abgesägt wird. Letztlich ist alles nur Marketing und auf das ganze Geschrei der Radikaljugendschützer ist ja nie eine praktische Konsequenz gefolgt. Ich kann jedenfalls „Far Cry“ immer noch im Laden aufgestellt sehen. Aber Sie haben Recht: Die Branche verdient eine bessere Förderung. Hier ist der Computerspielepreis auf der Bundesebene immerhin ein Anfang. Und in den Bundesländern wird schon ganz fleißig gefördert. Dies mit Sinn und Verstand auszubauen ist unsere Aufgabe für die nächsten Jahre.

Mehr zum Thema:

 
 

EURE FAVORITEN