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Gamertags und ihre wahre Bedeutung

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Die Augen sind ja bekanntermaßen der Spiegel der Seele. Ähnliches lässt sich wohl auch über den Gamertag eines Spielers sagen. Denn häufig sagt dieser viel mehr über die Person am Controller aus, als man vermuten würde. Wir haben die drei geläufigsten Archetypen für euch unter die Lupe genommen.

Unter dem Schutzmantel einer Rauchgranate stürmen wir auf das große Haus zu, das direkt neben unserem Ziel thront. Selbstverständlich feuert das gegnerische Team blind in den grauen Dunst hinein, in der Hoffnung, einen glücklichen Treffer zu landen. Obwohl wir eine Kugel abbekommen, schaffen wir es bis zum Fenstersims, über den wir – mehr oder minder unbemerkt – in das einstöckige Gebäude einsteigen. Über das Headset hören wir leise Schritte. Über uns. Mit vorsichtigen Schritten tasten wir uns ins Treppenhaus hinein. Bloß nicht zu voreilig sein. Die Waffe im Anschlag, den nächsten Türrahmen ständig im Blick, schleichen wir voran. Mit einem Sprung betreten wir den Raum. Im Flug drehen wir uns nach rechts und sehen… nichts. Wir landen, es macht „klick“ und eine direkt vor uns platzierte Claymore-Mine befördert uns in Jenseits und in die Warteschlange für die nächste Wiederbelebung. Die anschließende Kill-Cam wollen wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Wo hatte er sich denn jetzt versteckt? Was wir sehen, ist die Rückseite eines Bücherregals. Das übliche Versteck, verdammter Camper. Username: BadBoy187. Nomen est Omen.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass der Username, der Gamertag beziehungsweise die PSN-ID unheimlich viel über die Art des Spielers aussagt. Einen Ausschnitt der wohl häufigsten Gamertag-Klassen und die passenden Psycho-Portraits haben wir für euch zusammengefasst.

Die sK1ll4

Seltsame Groß- und Kleinschreibung? Check. Leet-Speak, also Zahlen anstelle von Buchstaben? Check. Ein Name, der die Männlichkeit beziehungsweise das Können des Spielers hervorhebt, obwohl dieser mit einer Statistik von 1-7 auf dem Server herumgeistert? Check. Die selbsternannten sK1ll4, SnIpeRGoDz und xXN1nj4Kill3rXx gehören ohne Frage zu den wohl häufigsten Online-Erscheinungen. Vor allem in Ego-Shootern tummeln sich diese nur zu gerne, um ein paar Noobs eine Lektion zu erteilen. Auch wenn dies nicht immer zutreffen muss, handelt es sich bei diesen Individuen häufig um eher unerfahrene Spieler, die hoffen, durch einen knallharten, vor Testosteron nur so strotzenden Namen die mangelnden Spielerqualitäten auszugleichen. Die eingefügten Zahlen und Spielereien mit der Umschalttaste sollen zudem für die nötige Glaubwürdigkeit sorgen, da es nur die oberste Gamer-Elite ist, die über die Macht der numerischen ID-Elemente Bescheid weiß – vermutet jedenfalls dieser Spielertyp.

Doch nicht jede Person mit xX-Namens-Arschgeweih-Xx und anderen Spielereien ist zwangsläufig ein 14-jähriger Junge, der in einem 18er-Titel eigentlich nichts zu suchen hat. Gelegentlich finden sich auch hier Ausnahmetalente, die trotz eines mit Vorurteilen belasteten Namens eine Menge Können an den Tag legen. Bei ihnen handelt es sich nicht selten um Spieler, die ihren Online-Namen noch aus der Zeit haben, als Zahlen-Surrogate in Anlehnung an die Hacker-Szene cool waren. Doch sind diese Tage schon lange vorbei und der Typus des respektvollen und erfahrenen Gamers mit großem Können ist langsam vom Aussterben bedroht.

Der Scherzkeks/Dadaist

Völlig anders verhält es sich hingegen mit dieser Klasse. Anstelle von großer Selbstbeweihräucherung setzen die Scherzkekse auf ihren überragenden Sinn für Humor. Genau aus diesem Grund sind sie eng mit den Dadaisten verwandt, quasi verbrüdert. Im Gegensatz zu den übertalentierten (und häufig selbsternannten) „Skillern“ sind sie jedoch überaus angenehme Zeitgenossen, die jedes Match durch mal mehr, mal weniger geistreiche Kommentare auffrischen und das Spiel selbst nicht allzu ernst nehmen. Sie sind die Klassenclowns des Online-Multiplayers und genau deshalb gerne gesehen. Häufig, aber nicht immer. Gelegentlich sind es genau jene Teammitglieder mit witzig klingenden Namen, die das ganze Treiben nicht allzu ernst nehmen und anstelle des Erfüllens von Missionszielen relativ eindeutige Symbole in Wände schießen oder versuchen, mit besonders absurden Sterbemethoden für den einen oder anderen Lacher zu sorgen.

Eine kleine Splittergruppe innerhalb der Dadaisten stellen die Fatalisten dar. Diese mussten sich den intergalaktischen Namensverordnungen ergeben und wurden bei dem Erstellen ihres Accounts mehrmals mit der Nachricht „Dieser Username ist leider schon vergeben“ in den Wahnsinn getrieben. Aus einem Akt purer Verzweiflung entschied man sich dann für eine Kreation, die mit wildem Einhämmern auf die Tastatur entstanden ist und nicht selten mit „asdkjqwu“- oder „äösldfierm“-ähnlichen Kompositionen daherkommt. Der Charakter dieser Spieler ist nur schwer zu definieren, da sich hier Personen sämtlicher Archetypen wiederfinden können. Abgesehen von den Controller-Artisten wie _-xXGodlyWarriorXx-_, die dafür sorgen, dass ihre Namen durch den Zusatz unzähliger beziehungsweise unnötiger Sonderzeichen oder Zahlen eine individuelle Note verliehen bekommt, die in dieser Form sicherlich kein anderer Spieler hat.

Die Konservativen

Die Bezeichnung der letzten Gruppe sollte keineswegs fehlinterpretiert werden. So handelt es sich bei dieser Fraktion keineswegs um antiprogressive Genossen oder gar Anhänger der Union. Vielmehr verzichten diese auf besonderen Schnickschnack und kommen mit klassischen Namen daher. Der eigene Vor- oder Nachname wird in den Gamertag eingearbeitet oder man verlässt sich auf bekannte Videospielhelden oder -Franchises, um sich deren bekannte Namen oder Titel anzueignen. Hier geht es weniger darum, anderen Spielern die eigene Persönlichkeit oder Vorliebe für einen speziellen Charakter auf die Nase zu drücken, sondern vielmehr darum, nicht zu stark aus der Masse hervorzustechen.

Selbstverständlich kommen vor allem Helden oder Videospielserien in Frage, mit denen man sich in gewissem Maße identifizieren kann. Wer gerne das Bild des abgebrühten Machos verkörpert, benennt sich beispielsweise nach dem „Duke“. Wer es stilvoller mag, greift zu Kiryu Kazuma („Yakuza“) oder Altair („Assassin’s Creed“). Auch Einflüsse aus anderen Medien sind hier zu betrachten: Es passiert nicht selten, dass jemand seinen Namen an die eigene Lieblingsband anpasst oder sich von seinem Lieblingsfilm inspirieren lässt.

Alles in allem handelt es sich bei dieser Klasse um einen der wohl am häufigsten vertretenen Spielertypen. Dies gilt nicht nur für Gamertags und PlayStation-Network-IDs sondern auch für Foren und Internetpräsenzen im Allgemeinen. Denn das Treiben im World-Wide-Web entwickelt sich für viele immer mehr zu einer Art zweiten Identität. Zu einer Möglichkeit der Selbstdarstellung. YouTuber, Blogger, Vlogger, MySpace-Anhänger, Facebook-Junkies und nicht zuletzt Twitteraner (oder wie sie auch heißen) sind die derzeit wohl am häufigsten genutzten Optionen, der Internetgemeinde den eigenen Stempel aufzudrücken. Ist das schlimm? Absolut nicht. Sofern man sich nicht das endlose Gerede eines xxXSniperKiller5419Xxx anhören muss jedenfalls.

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