Diagnose: GTA-Grippe

Eine Grippe und die entsetzliche Situation, alleine in der Wohnung mit "GTA IV" zu sein. Daniel Budiman über die quälenden Tage und das schlechte Gewissen.

Die Sonne schien unbarmherzig durch meine (dummerweise) weißen Gardinen und stach mir in die verquollenen Augen. Es war kurz vor Mittag, irgendwie still in der Wohnung und niemand war in Sichtweite. Ich hätte diesen Moment wahrscheinlich richtig genießen können, wären da nicht dieser fiese dicke Schleim in meinem Kopf und die dazu passenden Kopfschmerzen gewesen.

Ich hatte mich früh morgens per SMS krank gemeldet, aus schlechtem Gewissen zu Arbeitsbeginn noch mal brav angerufen und unter (wirklich echten) Hust- und Niesanfällen schnell mein Leid geklagt. Eine fiese Grippe oder vielleicht sogar eine noch fiesere Bronchitis hatte mich erwischt. Ja, und der Kopf, ein Elend. Überhaupt nicht mehr funktionsfähig. Nicht mal zum kreativ denken. Telefonkonferenz?! Oh nee, das ging mal gar nicht. *hust*

Es war tragisch, schließlich war gerade in dieser Woche arbeitstechnisch eine Menge los. Ich fühlte mich also gleich doppelt schlecht: 1. Krank und 2. Ich ließ die Kollegen im Stich. Um mein Gewissen zu beruhigen und um irgendetwas zu tun schleppte ich mich ins Wohnzimmer, und stand erst mal einfach nur da. Keine Arbeit, alleine, in der Wohnung gefangen, Husten, Schnupfen ... Und auf dem Tisch lag diese eine frische Spielhülle mit fünf magischen Buchstaben drauf. GTA IV.

Das Spiel wurde einen Tag zuvor veröffentlicht und kurze Zeit später von mir gekauft. Auf der Arbeit gab es kaum ein anderes Thema mehr – Der Hype ums Spiel haute wie blöd um sich, ich versuchte mich krampfhaft dagegen zu wehren und unterlag trotzdem. Ich hatte mich einfach wirklich auf den vierten Teil der GTA-Serie gefreut, und jetzt hielt ich ihn in der Hand.

Weil ich am Vorabend noch keine Gelegenheit hatte es auszupacken, geschweige denn es anzuspielen, war jetzt der Moment gekommen. Ich wollte nur mal kurz reinschnuppern, bevor mich das Fieber, dass ECHTE Fieber wieder packt und ins Bett drückt. Mein grippaler Infekt und ich freuten uns wie sich Kleinkinder über einen Helium-Ballon freuen. Naiv, unwissend, aber ehrlich. 1 MitteilungNur wenige Minuten waren vergangen, als mich eine SMS aus dem gerade beendeten Spiel-Intro riss:

„Schwere GTA Grippe.“

Punkt. Die Nachricht kam von Marc, unserem Redaktionsleiter und wurde mit einem dieser fiesen, emotional-erpressenden Smilies beendet. :-). Sonst nichts.

Wie sich herausstellte wollte er fast zeitgleich mit meinem euphorischen GTA IV-Schnupperkurs seinen virtuellen Mitarbeiter-Kontrollgang per Xbox-Live durchführen. Und das nur, um sein Misstrauen mit bösartiger Gewissheit zu füttern – „Der Budi ist nicht krank, der will nur GTA spielen.“

Und noch während Wetten in der Redaktion abgeschlossen wurden, ob ich denn nun, todkrank wie ich war, Online und GTA IV spielend vorzufinden war, hatte Marc bereits seine Freundesliste abgecheckt und mich gefunden. Hinter meinem Namen leuchtete in neon-grün ein Zeichen, was übersetzt „dieser Typ ist so was von Online und am Zocken“ bedeuten könnte. Und dahinter standen wieder diese fünf magischen Buchstaben: GTA IV.

Nach der Kurznachricht von Marc erinnerte ich mich schwach an ein kurzes Aufblinken auf dem Bildschirm und einer Xbox-Live Nachricht, dass irgendein Freund nun online wäre. Ein toller Freund ist das, der mich in meinem verwundbaren Moment enttarnt und mich als Blaumacher an den Pranger stellt. Schlimmer noch, wenn dieser Freund auch noch dein Redaktionsleiter ist und gerne mit dir eine Telefonkonferenz machen will.

Mit dieser Gewissheit konnte und wollte ich nicht weiterspielen. Ich fühlte mich beobachtet, und aahh, da waren auch wieder diese bösen Kopfschmerzen – also Konsole aus und rein ins Bett. Die folgenden Tage blieb ich weiterhin krank daheim, entsprechend hat sich an meiner (nicht vorhandenen) Arbeitssituation auch nichts geändert. Keine Telefonkonferenzen, kein Brainstorming. Ich war alleine, in der Wohnung gefangen, Husten, Schnupfen ... Und da war dieses Spiel, diese Konsole, die abgestellte Online-Verbindung und eine Menge Spaß in Liberty City.

Ach, Ich bin übrigens immer noch krank. Und wenn du zufällig Redaktionsleiter von Game One bist: Diese Kolumne hab ich nicht geschrieben. Ich habe Fieber und lieg im Bett. Schau doch in deiner Freundesliste nach, wenn du mir nicht glaubst.

 
 

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