Das sollte man bei Online-Spielen beachten

Wir haben mit Candid Wüest von Symantec über die Gefahren in Online-Spielen gesprochen und wie man sich davor am besten schützen kann.

Candid Wüest ist Threat Researcher bei Symantec. In dieser Funktion beobachtet er Gefahren sowie generelle Trends im Internet. Immer mehr Straftäter haben das Internet und besonders die Online-Spiele für sich und ihre kriminellen Aktivitäten entdeckt. Wir wollten wissen, wie man sich davor am besten schützen kann und was man in Online-Rollenspielen beachten muss.

Wie leicht wird es Straftätern heute in Online-Rollenspielen gemacht, ihre Aktivitäten auszuführen?

Candid Wüest: Das geht recht einfach, Online-Spiele haben oft nur ein statisches Passwort, auch sind in Spielen Funktionen wie Instant-Chat oder E-Mail meistens nicht gefiltert und daher nur wenig kontrolliert. Aber dies ist natürlich so angelegt, weil solche Funktionen ja schließlich ermöglichen sollen, dass Spieler miteinander schnell kommunizieren können; das kommt dem Spielfluss ja schließlich zu Gute.

Reicht der Schutz in den Spielen aus, gibt es überhaupt einen angemessenen Schutz?

Candid Wüest: Nun, dass sich Personen, die nicht das Spiel zum Ziel haben, bei Online-Spielen tummeln, davor kann selten eine „Funktion“ schützen. Wie Chaträume oder Social Networking Seiten stehen sie zunächst einmal jedem offen. Vor der Kontaktaufnahme durch unbekannte Personen oder ähnlichem kann sich am effektivsten der User selbst schützen: Mit gesundem Misstrauen und einer guten Portion Vorsicht bei persönlichen Angaben. Schließlich weiß man nie, wer der Unbekannte wirklich ist.

Woran müssen die Entwickler Ihrer Meinung nach noch arbeiten, um Spiele wie "WoW" sicherer zu machen?

Candid Wüest: Man kann zum Beispiel die Authentifikation verbessern. Auch können Kommunikationstools wie der Chat mit besseren Filtern versehen werden, so dass der Spieler z. B. über Block- und Buddylisten nur mit ihm bekannten Personen chatten und Unbekannte blockieren kann. In manchen Spielen ist so etwas bereits integriert.

Gibt es Spiele bei denen man besonders aufpassen muss?

Candid Wüest: Vieles, was bei Online-Spielen möglich ist, gilt auch für andere interaktive Formen des Internets wie Social Networking Sites. User sollten sich generell vor Augen halten, dass sie sich nun einmal online in einer virtuellen Welt bewegen. Gerade bei Rollenspielen übt ja genau das den Reiz aus: Hier kann jeder sein, wer oder was er sein möchte und Fantasien ausleben. Aber: Es ist eben nicht real, Personen und Figuren sind nicht real. Und: Die Möglichkeit zur Verschleierung der Identität kann leider auch im negativen Sinne ausgenutzt werden. Das gilt generell für alle interaktiven Plattformen.

Erst kürzlich kam wieder ein Fall ans Tageslicht. Ein Mann hatte über WoW ein 15-jähriges Mädchen angeschrieben und versucht, sie zu sich nach Hause zu holen. Er hatte ihr sogar ein Flugticket gekauft. Der Mann konnte daraufhin glücklicherweise rechtzeitig festgenommen werden. Aber sind Sexualverbrecher in solchen Spielen eher die Ausnahme oder entdecken Kriminelle dieses Medium gerade für sich?

Candid Wüest: Grundsätzlich sollte man Online-Rollenspiele nicht „verteufeln“. Aber, und da ist es eben doch wieder wie im richtigen Leben: Auch Kriminelle suchen im Internet ihre Vorteile. Darüber müssen sich Nutzer einfach bewusst sein und entsprechend mit Vorsicht handeln. Onlinewelten reizen leider auch Sexualverbrecher, auf diesem Weg möglicherweise Kontakt mit Kindern aufzunehmen. Chatfunktionen sind in die Onlinespiele integriert und somit als „privater Kanal“ nicht einfach einsehbar, was die Kontrolle erschwert. Dennoch: Vorkommnisse ähnlich dem beschriebenen Vorfall sind zum Glück eine Ausnahme.

Was können Eltern tun, um Ihre Kinder vor derartigen Übergriffen zu schützen?

Candid Wüest: Eltern sollten mit ihren Kindern in jedem Fall über die Internetnutzung sprechen. Das gilt aber nicht nur für Online-Spiele, sondern auch für Social Networking Seiten wie MySpace oder SchülerVZ oder Chatplattformen. Kinder sind weniger misstrauisch und somit sehr viel eher gefährdet, auf ungebürliche Anfragen zu reagieren, als Erwachsene. Eltern sollten ihren Kindern bewusst machen, dass manche sich die Anonymität des Internets auch kriminell zunutze machen. Susi, 14, kann dann in Wirklichkeit Frank, 45, sein und ganz andere Absichten haben, als “Freunde“ im Internet zu finden. Eltern sollten sich über das Medium Internet auf dem laufenden halten und sich dafür interessieren, was ihre Kinder online machen. Über den Austausch mit dem Kind fallen dann verdächtige Vorkommnisse viel schneller auf und man kann eher einschreiten, um Schlimmeres zu verhindern.

Wie hat sich das kriminelle Verhalten in den Communitys in den letzen Jahren entwickelt?

Candid Wüest: Hacker haben Web Communities auch für ihre Zwecke entdeckt – so sieht Symantec z. B. den Trend, dass zunehmend Social Networking Sites attackiert werden, da dort eine Vielzahl an persönlichen Informationen eingestellt sind.

Was sollte man generell zum eigenen Schutz im Web beachten?

Candid Wüest: Egal ob Rollenspiel, Social Networking oder ähnliche Internetinteraktion: User sollten immer vorsichtig mit ihren privaten Angaben wie Adresse, Telefonnummer usw. sein. Legen Sie ein gesundes Misstrauen an den Tag bei unbekannten Personen, von denen Sie über das Internet kontaktiert werden. Seien Sie vorsichtig, wenn es zu einem Treffen im „Reallife“ kommen sollte: Nutzen Sie offizielle Events. Gehen Sie bei Einzeltreffen nicht alleine, bitten Sie einen Freund, Sie zu begleiten. Bestehen Zweifel, sehen Sie ab von einem persönlichen Treffen.

 
 

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