Zu Besuch bei den Schlümpfen und Manneken Pis

Tonia Haag
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In Brüssel gibt es weit mehr zu entdecken als europäische Institutionen

Wohl keine andere Stadt findet in den europäischen Medien eine solche Beachtung wie Brüssel. Kaum ein Tag vergeht, an dem Zeitungen, Radio und Fernsehsender nicht aus der belgischen Hauptstadt, die gleichzeitig das Herz der EU ist, berichten. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass EU-Institutionen wie etwa das Europäische Parlament das Bild der Stadt nach außen prägen. Wer jedoch in die belgische Hauptstadt reist, wird schnell feststellen: Das europäische Viertel ist nur eines von vielen Gesichtern der Metropole.

Die ursprüngliche Stadt wird vielmehr geprägt von Kneipen und Cafés, schmalen Gassen und breiten Boulevards sowie prachtvollen, alten Häusern. Das historische Herz der Stadt ist die Grand Place, der wohl schönste Platz der Stadt, an dem bis heute viele Häuser aus längst vergangenen Jahrhunderten stehen.

Neben dem Rathaus prägen vor allem die früheren Zunfthäuser das Bild des Platzes. Im Haus der Brauer ist heute das Brauereimuseum untergebracht. Dort erfahren Besucher nicht nur Interessantes über die Geschichte des Bierbrauens, sondern können auch an einer Bierprobe teilnehmen. Doch Vorsicht: Belgisches Bier hat deutlich mehr Alkohol als deutsches.

Wer nach der trubeligen Grand Place ein wenig Ruhe sucht, kann bergan Richtung Königspalast laufen. Oben auf dem Berg angekommen, an der Place Royale, lohnt sich ein Blick zurück: Das Panorama der Unterstadt, das vom Rathausturm dominiert wird, ist durchaus beeindruckend.

Die gesuchte Ruhe bietet der Parc de Bruxelles. Zwar ist der Park gerade bei gutem Wetter bei Joggern, Familien, Boule-Spielern und Touristen beliebt und daher gut besucht, doch vom Lärm der Straßen ist hier kaum etwas zu hören.

Vom Park aus gelangt man zum angrenzenden Königspalast. Er wird jedoch nur zu offiziellen Anlässen genutzt, die Königsfamilie residiert in einem anderen Schloss im Nordwesten von Brüssel. Die Innenräume des Palastes können daher zu bestimmten Zeiten besichtigt werden. Doch auch wenn der Palast geschlossen sein sollte, müssen Brüssel-Besucher nicht auf pompöse Anblicke verzichten. Nur unweit vom Königspalast entfernt beginnen die Luxus-Shopping-Boulevards der Stadt, etwa der Boulevard de Waterloo oder die Avenue de la Toison d’Or. Hier liegen die Geschäfte weltbekannter Designer neben noblen Galerien und Cafés.

Nur unweit vom Königspalast entfernt stehen auch die Musées Royaux des Beaux-Arts – die königlichen Museen der schönen Künste – in dem alte und moderne Kunstwerke und anderem von Paul Gauguin oder Salvador Dalí zu bewundern sind. Im wahrsten Sinne des Wortes große Kunst ist aber auch in den Straßen der Stadt zu bestaunen. Als Hommage an ihre weltberühmten Comic-Helden, zu denen etwa die Schlümpfe zählen, stellte die Stadt Anfang der 1990er Jahre einen Comicrundgang durch die Stadt zusammen. Ganze Hauswände wurden dafür nach Originalzeichnungen von Comic-Autoren gestaltet. Außerdem zieren Skulpturen von Zeichentrickhelden einige Plätze der Stadt.

Stolz sind die Brüsseler auch auf ihr berühmtes Manneken Pis. Wer von dem kleinen, urinierenden Männchen nicht genug bekommen kann, ist im Musée de la Ville richtig. Hier gibt es Hunderte Kopien des Wahrzeichens in verschiedenen Kleidungsvarianten.

Wer die Kunst der Stadt entdecken will, für den lohnt sich auch ein Abtauchen in den Untergrund. Viele Metrostationen sind von belgischen Künstlern gestaltet worden. So ziert etwa der belgische Comic-Held Tim (Tim und Struppi) die U-Bahn-Station Stockel. In der Station Horta sind Jugendstil-Schmiedeeisen aus Victor Hortas zerstörtem „Volkspalast“ zu sehen. Aber Achtung: Wer sich die Kunstwerke anschauen möchte, sollte ein U-Bahn-Ticket lösen, denn wer am Bahnhof ohne Ticket eine rote Linie überschreitet und dabei erwischt wird, muss eine Strafe zahlen. Das Geld ist in der belgischen Gastronomie jedoch wesentlich besser angelegt. Pommes frites, Bier, Waffeln oder handgemachte Pralinen sind nicht ohne Grund weit über die belgischen Landesgrenzen hinaus berühmt.