Wie Küstenurlauber dem Schmuddelwetter trotzen

Regen statt Sonne: An den deutschen Küsten müssen sich Urlauber auf wechselhaftes Wetter einstellen.
Regen statt Sonne: An den deutschen Küsten müssen sich Urlauber auf wechselhaftes Wetter einstellen.
Foto: dpa
Das Virus macht die Menschen vorsichtig, viele Länder sind unerreichbar. Alternativen sind die Küsten von Ost- und Nordsee.

Warnemünde. Ausgerüstet mit Pulli, Jacke und zwei Regenschirmen gehen Dorina und Uwe Lange am Strand von Warnemünde spazieren. Dort, wo sich im Juli normalerweise die Menschen drängen, in der Ostsee Abkühlung suchen oder nahezu jeder Strandkorb besetzt ist, herrscht gähnende Leere.

Unfreundliches Wetter und vor allem ergiebiger Regen führen dazu, dass das Schweriner Ehepaar fast alleine am Strand unterwegs ist. Für zwei Wochen Auszeit sind sie im Hotel Neptun untergekommen und lassen sich vom Schmuddelwetter nicht beeindrucken.

Dorina Lange zählt voller Genugtuung auf, wie sie die Tage verbringen: Ausschlafen, Frühstücken, Zeitunglesen, Rundgang durch Warnemünde, Schwimmbad, Wellness. "Außerdem sind in der Umgebung genügend Dinge anzuschauen", fügt ihr Mann hinzu. Bedürfnisse nach einem der sogenannten Warmwasserziele am Mittelmeer kommen nicht.

Urlauber müssen sich auf Regenwetter einstellen

Ob Rügen, Usedom, Warnemünde oder St. Peter Ording - überall im Norden ist die Buchungslage nach der Corona-Pause gut. Tourismusexperten hatten schon im Frühjahr angekündigt, dass deutsche Urlaubsziele begehrt sein werden. Aber die Urlauber müssen sich nun mit den Widrigkeiten des Wetters abfinden. "Wetterbedingte Stornierungen gibt es aber nicht", sagt die Sprecherin des Tourismusverbands MV, Katrin Hackbarth. Meteorologen oder Bauern betonen, wie willkommen in Norddeutschland jeder Tropfen Regen ist.

Dabei sollten diese Wochen der Ausgleich für einen wegen der Pandemie verpassten Aufenthalt auf Mallorca, den Malediven oder auch in der Türkei sein - Urlaubsziele fast mit Sonnengarantie. "Wer an die Ost- oder die Nordsee fährt, ist sich bewusst, dass hier nicht Mallorca ist", erklärt Matthias Treichel, der in Warnemünde rund 300 Strandkörbe vermietet. "Hier gibt es nun manchmal widriges Wetter." Seine Strandkörbe sind im strömenden Regen zwar leer, aber sobald der Himmel aufreißt, kämen die Gäste.

In St. Peter Ording (Schleswig-Holstein) vermissen Wolfgang Mohr und Freundin Tanja Becken aus Frankfurt Sonne und mediterrane Temperaturen nicht. Sie genießen im "Friesennerz" das Nordsee-Wetter. "Wir haben schon letztes Jahr gebucht", sagt der 33-Jährige. "Wir sind eher nordische Typen, 20 Grad reichen", ergänzt seine Freundin.

Sicheres Urlaubsziel in Corona-Zeiten

Auch andere Schleswig-Holstein-Urlauber haben sich pragmatisch entschieden: "Wenn wir uns hier mit Corona anstecken, kommen wir in ein deutsches Krankenhaus", begründet Volker Müllerchen aus Goslar seine Entscheidung für einen Urlaub in Deutschland.

Die Hamburger Familie Körber, die eigentlich den Juli in Kenia verbringen wollte, hat sich für den Nordosten entschieden. Sie haben sich kurzfristig im Internet eine Unterkunft im polnischen Swinemünde direkt hinter der Grenze gesucht, weil die Beherbergungskosten an Nord- und Ostsee stark gestiegen seien. "So lernen wir auch mal die deutsch-polnische Küste kennen", sagt Petra Körber. Ein paar Sonnenstrahlen mehr und etwas weniger Wind könnten aber nicht schaden. "Es ist echt kalt hier. Da ist es am Mittelmeer schöner, aber Urlaub ist Urlaub", fügt die 18 Jahre alte Abiturientin Kora Körber hinzu.

In Warnemünde bringt es die Hamburgerin Doris Marianne Beyer auf den Punkt: "Ich liebe dieses Wetter." Seit 30 Jahren kommt sie nach Warnemünde, dieses Mal mit ihrem Enkel Tristan. "Wir wissen, worauf wir uns einlassen." (dpa)

 
 

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