Wie ein Bürgermeister an der Ostsee die Landschaft sieht

Nicht selten glaubt man sich an der Ostseeküste in einem Gemälde wiederzufinden.
Nicht selten glaubt man sich an der Ostseeküste in einem Gemälde wiederzufinden.
Hans Götze ist Bürgermeister von Ahrenshoop auf der Halbinsel Darß. Er ist schon weit herum gekommen, liebt aber die malerische Ostseeküste sehr.

Ahrenshoop. Schon vor fast 40 Jahren, als junger Seefahrer aus dem sächsischen Städtchen Dippoldiswalde, ist Hans Götze nie ohne Skizzenblock, Stifte oder Tuschkasten an Land gegangen. An exotischen Küsten im Fernen Osten, in den Häfen Kubas oder Skandinaviens hielt er fest, was ihn beeindruckte: die wildromantischen Landschaften des Nordens, die Tropen mit ihren schweren Wolkenbänken und ihrem so ganz anderen Licht, als es der Funkoffizier der DDR-Handelsmarine aus seiner Heimat im Erzgebirge kannte. Bis heute faszinieren den Bürgermeister von Ahrenshoop, den dienstältesten auf den Halbinseln Darß, Fischland und Zingst, der Himmel über dem Meer und den Boddengewässern, die Bäume, die der Sturm über Steilküsten oder Strände beugt, und die geduckten Katen.

Vor 40 Jahren, während des Studiums an der Seefahrtschule von Wustrow, hatte die Liebe des Binnenländers zu diesem windzerzausten Landstrich begonnen. Und noch immer nähert sich Hans Götze mit Gelassenheit und Neugier den Elementen wie den Menschen, die sich ihnen auf dem Darß aussetzen: den Künstlern, die seit über 100 Jahren wegen des besonderen Lichts und der oft rauen Reize kommen, den Stammgästen, die auf diesem schmalen Stück Land Erholung suchen, und nicht zuletzt den Einheimischen, die sich innerhalb weniger Jahre aus einer abgelegenen Ecke der Republik in eine der beliebtesten Ferienregionen Deutschlands katapultiert sahen.

Den Charakter erhalten

Ahrenshoop ist, und das wird vor allem auch in den ruhigeren Wintermonaten deutlich, noch immer ein malerischer Ort mit seinen knapp 700 Einwohnern: Im Westen die See und die Dünen, im Osten, nur wenige Hundert Meter entfernt, der Saaler Bodden. Dazwischen der Dorfkern mit seinen liebevoll restaurierten Reetdachkaten, viele von ihnen Ateliers, Galerien, Werkstätten von Künstlern, die darauf hoffen, dass ihre Idylle nicht zu Tode geliebt wird. Der Bürgermeister wird bei diesem Thema ganz ernst und sachlich. Neue Bauflächen werden nicht mehr ausgewiesen, die Zahl der Betten in Hotels und Pensionen darf nicht weiter wachsen, schon gar nicht die der Ferienwohnungen.

Mit seinen Mitstreitern sucht Götze den Charakter dieses kulturgeschichtlich sehr bedeutsamen Künstlerdomizils zu erhalten. Wie in der Nazizeit konnten sich hier auch unter dem SED-Regime Freiräume entwickeln, Zufluchtsstätten für kritische Geister. Da war es so mutig wie folgerichtig für den Bau eines Kunstmuseums zu werben, dessen Architektur sich nun ganz bewusst nicht an Vorhandenes anbiedert und doch „in die Landschaft passt“. Seit zwei Jahren strahlt das neue Glanzstück der Region bis weit über Mecklenburg-Vorpommern hinaus.

An der Steilküste und im Urwald

Hans Götze, der ein- bis zweimal im Jahr auf Stippvisite in anderen Künstlerdörfern Europas wie Barbizon, Szentendre oder Worpswede unterwegs ist, schaut oft und gern in die Quartiere der Maler, Keramiker und Galeristen, in kleine Werkstätten und in so etablierte Stätten wie die Kunstkaten, 1909 gegründet und vor zwei Jahren nach umfangreicher Sanierung wieder eröffnet, in denen die stillen Genies ihre Lust an der Kunst ausleben. Oder in die Galerie Peters-Barenbrock und das Dornenhaus der vielfältig engagierten Künstlersippe Löber.

Von dem eigenen Atelier aus genießt der Bürgermeister, wenn er sich nicht auf seinen Zeichenblock oder seine Tusch-, Acryl- und Drucktechniken konzentriert, den Blick über eine beruhigende Gegend. Zahlreiche Ausstellungen, auf dem Darß wie in Dresden und anderen Städten, zeigen immer wieder wo sich Hans Götze besonders wohl fühlt: an der Steilküste, im Darßer Urwald sowie an den schilfigen Ufern der Bodden.

 
 

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