Whisky-Brennerei lockt jährlich 30.000 Besucher nach Oberbayern

Der schottische Whisky hat viele Liebhaber. Aber auch in Oberbayern wird der edle Tropfen seit 1999 unter dem Namen "Slyrs" gebraut.
Der schottische Whisky hat viele Liebhaber. Aber auch in Oberbayern wird der edle Tropfen seit 1999 unter dem Namen "Slyrs" gebraut.
Foto: Dietmar Wäsche
Als Florian Stetter 1999 auf die Idee kam, einen eigenen Whisky in Oberbayern zu brauen, hielten ihn viele Leute für verrückt. Mittlerweile lockt sein Schnaps jährlich etwa 30.000 Besucher an den Schliersee. Die begrenzte Abgabe von ein bis zwei Flaschen pro Gast lässt viele Kunden kreativ werden.

Schliersee. Es begann als Wette unter Kollegen um einen Kasten Weißbier. Auf einer Schottlandreise 1994 behauptete der Destillateurmeister Florian Stetter: "Geht nicht, gibt's nicht." Er wollte am Schliersee Whisky brennen. Viele Leute hielten ihn für verrückt. "Sie fragten: Wie will denn ein Bayer Whisky produzieren", erinnert sich der Oberbayer. Auch die Bank verweigerte ihm einen Kredit für die "Schnapsidee".

Doch Stetter ließ sich nicht entmutigen und fand private Investoren. 1999 brannte er den ersten Single Malt Bavarian Whisky, und drei Jahre später füllte er den ersten Jahrgang ab. Den bei der Wette gewonnenen Kasten Bier hat er längst bekommen. Und heute kaufen auch die bei ihm ein, die ihm damals einen Kredit verweigerten.

Trotz Ähnlichkeiten seiner bayerischen Heimat mit Schottland, die Stetter in der Natur und der eigenwilligen Aussprache der Einheimischen sieht, wollte er die Schotten nicht kopieren. Ein eigenes Produkt sollte her, das fing beim Namen an. Stetter benannte seine Destillerie nach dem ehemaligen, im Jahr 779 am Schliersee gegründeten Kloster Slyrs, ausgesprochen Schlürs.

Whisky liegt im Trend

Whisky hat viele Liebhaber. Sechs Millionen Deutsche genießen den edlen Tropfen regelmäßig, wie die Geschäftsführerin des Bundesverbands der Deutschen Spirituosen-Industrie und -Importeure (BSI), Angelika Wiesgen-Pick, sagt. Der Absatz steige stetig. 2002 seien rund 22 Millionen Flaschen verkauft worden, 2010 waren es fast 28 Millionen.

Das macht sich bei "Slyrs" bemerkbar. Angefangen habe es mit fünf Fässern im Familienbetrieb der Stetters, sagt die Prokuristin Birgit Scheithauer. Heute lagerten in der 2007 errichteten Destillerie über 1.000 Fässer, die Hälfte gehe an Großkunden wie Gastronomie, Hotels und Fachgeschäfte. Mittlerweile wurde "Slyrs" sogar als "Best German Whisky" nominiert.

Der Trend geht zu regionalen Produkten. Nach BSI-Angaben gibt es bundesweit 50 Kleinbrennereien. Auch viele bayerische Obstbrennereien bieten Whisky an. Konkurrenz befürchtet Stetter deshalb nicht. "'Slyrs' ist etabliert", ist er überzeugt. "Slyrs" schmeckt mild. Der Feinbrand wird mit Quellwasser heruntergesetzt und mit einem Alkoholgehalt von 43 Prozent in die Flaschen gefüllt, alles in Handarbeit.

Begrenzte Abgabe lässt Kunden kreativ werden

Das Produkt vom Schliersee hat nichts mit dem rauchigen, torfigen Whisky der Schotten gemein. Stetter weiß, dass manche über die milde Note seines Whiskys spotten: "Manche nennen ihn Frauenwhisky, ich bevorzuge Einsteigerwhisky." Auch jetzt noch wird an der Rezeptur gearbeitet. Auf die Frage, welchen Whisky er gern einmal brennen würde, lässt sich Stetter nur entlocken: "Wir experimentieren ständig." Klar ist, das Whiskybrennen ist eine Kunst, die gelernt und deren Geheimnis gehütet sein will.

Die Schliersee-Region profitiert von dem Erfolg der Brennerei, die jährlich 30.000 Besucher anlockt. "Sogar die thailändische Prinzessin war schon da", berichtet Scheithauer. Pro Gast werden nur ein bis zwei Flaschen abgegeben, da die Brennerei über ein begrenztes Kontingent verfügt. Die limitierte Abgabe lässt Kunden kreativ werden.

Inhaber Stetter erinnert sich an drei Damen, die in einer Schönheitsfarm Urlaub machten. "Sie waren entsetzt, als sie erfuhren, dass sie nur eine Flasche Whisky mitnehmen dürfen." Eine halbe Stunde später betraten sie - jetzt mit Mantel und Sonnenbrille - wieder den Laden und deckten sich erneut mit Spirituosen ein. Als die Damen keine 30 Minuten später mit Perücken getarnt versuchten, eine dritte Ration zu ergattern, erteilte Stetter ihnen eine Absage. (dapd)

 
 

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