Die Teilzeitmönche von Prabang

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Vom Klostermönch zum Lampendesigner: Eine Geschichte aus der alten Königsstadt Luang Prabang im Norden von Laos

Morgens um 5.45 Uhr in einer Seitenstraße von Luang Prabang. Geduldig warten die alten Frauen, junge Männer und sogar Kinder auf die bald eintreffenden Mönche, noch vor Sonnenaufgang müssen diese ihr Essen erbetteln. Da kommt schon die erste Gruppe Mönche, angeführt vom Klosterältesten, doch die meisten sind fast noch Kinder. Glücklich geben ihnen die alten Frauen, Männer und einige Kinder, die mit ihren Großeltern gekommen sind, klebrigen Reis, Früchte und manchmal auch eine Lotosblume. Sie haben hier und heute ihr Karma wieder ein Stück verbessert und müssen etwas weniger befürchten als niederes Wesen wiedergeboren zu werden. Die Mönche gehen im Eiltempo an den gläubigen Buddhisten vorbei, um die Gaben in Rekordtempo mitzunehmen.

Sie sind heute bereits wie jeden morgen seit 4 Uhr auf den Beinen und haben ihre morgendliche Meditation und ihre erste Lektion bereits lange hinter sich. Die meisten von ihnen sind Teilzeitmönche. In Laos ist es üblich, dass zumindest ein Sohn der Familie für einige Wochen ins Kloster geht. Viele bleiben auch länger dort, um eine religiöse, aber auch weltliche Ausbildung zu erhalten. Außerdem sind sie dann auch ansonsten rundum versorgt. Das Kloster ist praktisch eine Art kostenloses Internat mit Vollpension. Nach der Ausbildung scheiden die meisten jungen Mönche allerdings aus dem Klosterleben aus und führen wieder ein weltliches Leben.

Weit über 500 Mönche aus verschiedenen Klöstern ziehen heute vorbüber, Luang Prabang ist das traditionelle Herz von Laos, über 50 aktive Klöster sorgen dafür, dass Sakamuni, Prinz Gautama, auch bekannt unter dem Namen Buddha, der Erleuchtete, nicht in Vergessenheit gerät.

Buddha ist allgegenwärtig, nahezu alle Einwohner sind Buddhisten und nahezu jeder unterstützt die Klöster, denn nicht nur die Mönche werden versorgt. Auch die Klöster werden durch Spenden großzügig von Einwohnern, Pilgern und Touristen unterstützt.

Ich folge der letzten Gruppe Mönche ins vielleicht schönste Kloster des Landes, ins Wat That Luang. Mit dem klebrigen Reis werden nicht nur Buddhastatuen geehrt, sondern auch zahlreiche Heilige wollen versorgt sein. Die Mönche müssen jeden Morgen den Klosterhof fegen und die verschiedenen Statuen „füttern”, bevor sie dann endlich – über drei Stunden, nachdem sie geweckt wurden – ihre Morgenmahlzeit einnehmen. Wie immer aus klebrigem Reis, Gemüse und Fisch bestehend. Ein junger ernsthafter Mönch sitzt am Rande eines weißen Chedis und studiert, er lernt Englisch, so kommen wir ins Gespräch. Er versichert mir, dass er der einzige Mönch im Kloster sei, der die vier Fastentage des Monats einhält. Und dieses Kloster, das das berühmteste in ganz Laos ist, hat weit über hundert Mönche. Und Ko Chi hat Größeres vor: Noch in diesem Jahr möchte er zur Mönchsuniversität von Vietanne, der Hauptstadt wechseln, um seine buddhistischen und weltlichen Studien weiterzuführen.

Seine Familie wohnt 30 Kilometer außerhalb von Luang Prabang. Einfache Bauern, die versucht haben, sein Fortgehen zu verhindern. Doch nachdem der Abt des Klosters seine hervorragenden Eigenschaften gelobt hat, sind auch sie einverstanden.

Auch die anderen Mönche versuchen nach dem Essen ihre Englischkenntnisse an mir auszuprobieren, die meisten kommen wie Ko Chi aus ärmlichen Verhältnissen. Laos ist das ärmste Land Südostasiens.

Mittags um 12 Uhr werden sie das zweite und letzte Essen des Tages einnehmen und den Rest der Zeit mit dem Studium buddhistischer Texte, Meditieren, Studieren aber auch der Restauration buddhistischer Heiligtümer verbringen. Luang Prabang steht seit einigen Jahren auf der Liste des Weltkulturerbes und erfährt großzügige Unterstützung durch die Europäische Union als auch durch die reicheren Nachbarländer wie Thailand.

Schon seit einigen Tagen unterhalte ich mich mit Kampiu Keopanya aus dem Souvenirladen nebenan über das Klosterleben und seinen Weg vom Bauernsohn zum Mönch, zum Mönchsausbilder und dann zum Lampendesigner und Souvenirladenbesitzer, Ehemann und Vater. Und das nach 16 Jahren Klosterleben.

Noch heute wirkt Kampiu eher wie ein Mönch – und gerade deshalb konnte er mich wohl überzeugen, einige seiner Kunstwerke aus Papier und Holz zu erwerben. Das Handwerk hat er bereits im Kloster gelernt und später verfeinert. Durch Geschick und Glück gelang es ihm, auch ohne Startkapital sein Geschäft aufzubauen. Am Anfang arbeitete er noch als Ausbilder und Lehrer im Kloster weiter. Immer wieder kreiert er neue Lampen, die allerdings von der Konkurrenz erbarmungslos kopiert werden, ein Copyright gibt es hier nicht.

Die Ruhe des Klosters vermisst er noch immer. Als alter Mann wird er vielleicht wieder dorthin zurückkehren. Während des Kommunismus in Laos war es für ihn im Kloster am besten gewesen. Erst seit einigen Jahren kommen Touristen nach Luang Prabang. Jedes Jahr mehr. Direktflüge, hauptsächlich aus Thailand, treffen stündlich ein.

Laos boomt, allerdings nur der Tourismus und die damit verbundenen Wirtschaftszweige. Doch nach über 30 Jahren Kommunismus, dem Vietnamkrieg der Amerikaner, der zu einem Großteil auch heimlich in Laos ausgetragen wurde, nach Leid und Entbehrung, erwacht ein Land langsam aus dem Dornröschenschlaf.

 
 

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