Stress und Storno

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Bei unserer Telefonaktion zum Thema Sperrung des Luftverkehrs gaben Rechtsexperten Auskunft

Der Ausbruch des Vulkans Eyjafjallajökull brachte den Flugverkehr fünf Tage lang zum Erliegen. Auch viele Leser des Reise Journals waren von den Folgen der Aschewolke betroffen: stornierte Flüge, gekündigte Verträge, erhebliche Mehrkosten. Am Urlaubsort galt dabei die Devise: Nur Bares ist Wahres.

Jetzt heißt es für die gestrandeten Urlauber, den Schaden aufzuarbeiten. Doch welche Rechte bestehen überhaupt? Und unter welchen Voraussetzungen hat eine nachträgliche Forderung gegenüber Airlines oder Reiseveranstalter Aussicht auf Erfolg? Fragen, die bei der Reise-Journal-Telefonaktion am vergangenen Samstag von unseren Rechtsexperten beantwortet wurden. Rund 1500 Leser versuchten, einen unserer drei Experten zu erwischen. Da nicht alle Anfragen persönlich beantwortet werden konnten, an dieser Stelle die wichtigsten Fragen und Antworten in der Zusammenfassung:

„Die meisten Anrufer hatten dasselbe Problem: Stornierung des Rückfluges”, beschreibt Wolfgang Büser, Fachjournalist für Reiserecht, seine Erfahrungen während der Telefonaktion. Büser unterscheidet dabei in zwei Kategorien: Reisende, die nur einen Flug und Urlauber, die eine Pauschalreise gebucht haben.”

Wer nur ein Flugticket gebucht hatte, der richtet sich generell an die Fluggesellschaft. Fällt ein Flug aus, so bleibt am Urlaubsort die Wahl zwischen einer kostenlosen Umbuchung und einer Erstattung des Flugpreises. Daneben besteht Anspruch auf Verpflegung, sowie zwei Telefonate. Gegebenenfalls muss die Airline auch die Hotelunterkunft übernehmen.

Pauschalurlauber hingegen wenden sich sowohl an den Reiseveranstalter als auch an das Flugunternehmen. Bei höherer Gewalt haben Veranstalter wie Reisende das Recht, den Reisevertrag zu kündigen. „Das haben die meisten Veranstalter auch gemacht”, so der Fachjournalist. Dennoch ist das Reiseunternehmen verpflichtet, die Kunden zurückzubefördern. Ist der neue Rückflug teurer, teilen sich beide Parteien die Mehrkosten. Die Unterkunft und Verpflegung im Hotel zahlen jedoch die Reisenden selbst. Wird eine kostenlose Umbuchung des Fluges verlangt, müssen die Airlines für die Verpflegung aufkommen.

Doch wie stehen die Chancen auf Erfolg, schließlich gab es bereits viele Berichte, wonach Airlines ihren Pflichten nicht nachkommen wollen? Rechtsanwältin Andrea Henke jedenfalls ist optimistisch: „Die Situation für eine Kostenerstattung ist dank der Fluggastrechteverordnung der EU grundsätzlich gut.” Sie rät dazu, in jedem Fall Ansprüche innerhalb der Monatsfrist beim Reiseveranstalter und bei der Fluggesellschaft geltend zu machen.

Und was machen die Urlauber, die erst gar nicht weggekommen sind? „Bei einem verspäteten Reiseantritt können Urlauber die Minderungen beim Veranstalter durchsetzen. Bei einer Totalstornierung fordern Betroffene den Reisepreis zurück”, erklärt Henke. Büser weist aber darauf hin, dass auch Veranstalter die ihrerseits aufgewendeten Leistungen, wie etwa Stornokosten für Hotelreservierungen, zur Hälfte vom Kunden zurückfordern können.

Rechtsanwalt und Reiserecht-Spezialist Rüdiger Wittkopp, verweist grundsätzlich darauf, dass immer der spezielle Einzelfall geprüft werden müsse, da sehr viele Konstellationen möglich seien. „Die Rechtssituation ist davon abhängig, ob der Reiseveranstalter den Reisevertrag gekündigt hat oder nicht.” Auch Wittkopp rät, innerhalb der Monatsfrist den Reiseveranstalter und die Fluglinie anzuschreiben. „Wenn dann kein wirtschaftlich annehmbares Angebot unterbreitet wird, sollte anwaltliche Hilfe in Anspruch genommen und der konkrete Einzelfall geprüft werden”, erklärt der Experte.

Und was ist mit Flügen, die an Kreuzfahrten gekoppelt sind? Auch hier gilt: Die Situation ist abhängig vom Verhalten des Reiseveranstalters – hat er den Vertrag gekündigt? In jedem Fall haben die Reisenden Rechte. Bei einer Kündigung hat der Betroffene Ansprüche dem Flugunternehmen gegenüber. Ansonsten trägt der Veranstalter die Kosten für Rückflug und Transfer.

Aber Rüdiger Wittkopp ist zuversichtlich: „Ich gehe davon aus, dass Veranstalter und Flugleistungsträger einen entsprechenden Regulierungsweg finden, mit dem auch die Reisenden letztendlich zufrieden sind.”

 
 

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