Shoppingcenter soll Lifestyle zum Leipziger Platz in Berlins City bringen

Einst stand am Leipziger Platz in Berlin Europas größtes Kaufhaus. Nun soll der geschichtsträchtige Ort mit einem Einkaufszentrum der Superlative wieder belebt werden. 200 Geschäfte, 150 Wohnungen und 30 Restaurants sollen in das Center einziehen.

Berlin ist voller Kontraste - manchmal liegen die Gegensätze direkt nebeneinander. Wer zum Beispiel den quirligen Potsdamer Platz in Richtung Friedrichstraße verlässt, betritt einen achteckigen Platz, der wenig einladend wirkt. Rund 160 mal 160 Meter ist er groß, durchschnitten von einer vierspurigen Straße, an den Rändern bebaut und dennoch kein Ort zum Verweilen.

Der Leipziger Platz wartet noch darauf, mit Leben gefüllt zu werden. Doch das soll jetzt passieren: Es wird gebaut und zwar ehrgeizig. Hier soll ein Shoppingcenter entstehen, wie es Berlin noch nicht gesehen hat. An einer Seite des Platzes rumpeln Bagger über Baugrund, Arbeiter laufen hin und her.

Der Bauplatz erstreckt sich über das ganze Viertel jenseits des nordöstlichen Endes des Leipziger Platzes. Auf rund 152.000 Quadratmetern Fläche will der Investor Harald Huth 200 Geschäfte unterbringen, dazu noch 150 Wohnungen. "Hochwertige Fashionlabels", dazu eine Gourmetetage mit 30 Restaurants sollen "Maßstäbe setzen", wie der Investor erklärt.

Baugrund mit Geschichte

Wenn es 2013 eröffnet, soll es das "Einkaufshighlight Berlins" für "Touristen aus aller Welt" werden, sagt Huth vollmundig. Superlativen ist der Platz gewohnt: früher stand hier Deutschlands und sogar Europas größtes Kaufhaus Wertheim, das eine Fläche von mehr als hunderttausend Quadratmetern umfasste. Es wurde Ende des 19. Jahrhunderts unter anderem von dem Architekten Alfred Messel gestaltet, der auch das Pergamonmuseum baute.

Die prächtige Architektur prägte den Leipziger Platz, der gemeinsam mit dem Potsdamer Platz das Herz des Berlins der 20er Jahre bildete. Als Geschäftsviertel, Amüsiermeile und kulturelles Zentrum zogen beide Plätze täglich zehntausende Menschen an.

Zwischen Straßenbahnen, den ersten Automobilen und Kutschen flanierten Einheimische und Besucher. Sie prägten das einzigartige Berliner Flair, von dem noch heute viele träumen. Mit der NS-Diktatur ging diese Zeit zu Ende. Auch für das Kaufhaus brachen schlimme Zeiten an. Die Nationalsozialisten enteigneten die Wertheim-Familie 1937. Amerikanische Bomben zerstörten schließlich das Gebäude. Obwohl nach historischen Berichten noch genug Bausubstanz vorhanden war, ließ die DDR die Reste des Kaufhauses abreißen.

Ursprungsgeschichte wieder aufgreifen

Es lag direkt an der Grenze zwischen Ost- und Westberlin. Nach der Wende konzentrierten sich die Bemühungen auf den Potsdamer Platz, wo in wenigen Jahren ein neues Stadtquartier errichtet wurde. Am Leipziger Platz entstanden weniger spektakuläre Neubauten, die die achteckige Form des Platzes wieder aufnahmen.

Der Bundesrat bezog ein Stadtpalais an der Leipziger Straße in unmittelbarer Nähe. Ansonsten finden sich dort Reisebüros, Restaurants und mehrere U-Bahneingänge zum unterirdischen Bahnhof Potsdamer Platz.

Das neue Einkaufszentrum will die Ursprungsgeschichte des Geländes aufgreifen. An der Fassade und im Innern soll an vergangene Zeiten erinnert werden. Laut den Bauplänen wirkt das Gebäude jedoch vor allem modern-funktional: Die grauen oder sandfarbenen Fassaden mit großen Fenstern fügen sich nahtlos in die bereits bestehende, etwas spröde Architektur des Platzes ein.

Bereits jetzt großes Mieterinteresse

Potenzielle Mieter gibt es offenbar genug, das Interesse an dem Objekt ist groß. Einen Vermietungsstand von 93 Prozent gibt Harald Huth an. "Mit einem solch großen Interesse zwei Jahre vor Fertigstellung hätten wir nicht gerechnet", sagt er. Huths unmittelbare Konkurrenz in der Friedrichstraße sieht das Geschehen positiv. "Wir begrüßen den Lückenschluss", sagt Guido Herrmann von der Interessengemeinschaft Friedrichstraße.

Der Leipziger Platz erhalte endlich eine Funktion. "Wichtig ist, dass die kleinen Zentren in der Innenstadt in Bewegung bleiben", sagt Herrmann. Er sieht weiteren Bedarf für Einzelhandel in Berlin: "Mit dem neuen Flughafen und der neuen U-Bahn in Mitte gehen die Kaufbedürfnisse der Touristen eindeutig nach oben." (afp)

 
 

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