Promis, Partys, Bauskandale

Foto: MSG

Marbella mit seinen weißen Häusern im andalusischen Dorfstil ist ein Schmuckstück. Doch nach Jahren der korrupten Amtsführung im Rathaus ist das Image arg ramponiert. Jetzt will neue Stadtrat das Image des Jetset-Treffs an der Costa del Sol aufpolieren.

José Luís Hernández blickt zuversichtlich auf die Luxusjachten vor dem Café an der Hafenpromenade. „Puerto Banús ist der Diamant des spanischen Tourismus, den man nur etwas polieren muss.” Als Tourismusstadtrat von Marbella ist das seine Aufgabe, und die ist nicht leicht.

Einerseits ist Marbellas Yachthafen, der 1970 eröffnet wurde, tatsächlich ein Schmuckstück: Das Besondere war von Anfang an die weiße Häuserzeile im andalusischen Dorfstil, die sich rund um die Liegeplätze erstreckt und im Laufe der Jahre gewachsen ist, ohne je ihren Pueblo-Charme verloren zu haben.

Korrupte Amtsführung

Andererseits ist nach Jahren der korrupten Amtsführung im Rathaus, die im April letzten Jahres aufflog, das Image arg ramponiert. Bauunternehmer hatten Bauamtsleiter und Stadträte mit Plastiktüten voller Schmiergeld bestochen, um Baugenehmigungen zu erhalten. 30 000 Wohnungen wurden illegal errichtet.

Marbellas langjähriger Bürgermeister Jesús Gil, der auch für die systematische Plünderung der Stadtkasse durch doppelte Buchführung und Verträge mit Scheinfirmen verantwortlich war, starb vor seiner Verurteilung. Aber im vergangenen Jahr wurden seine langjährige Mitstreiterin und damalige Bürgermeisterin, deren gesamte Regierungsmannschaft, der Bauamtsleiter, der Polizeichef, Bauunternehmer und Rechtsanwälte verhaftet.

Der Vorwurf: Amtsmissbrauch, Bestechlichkeit, Veruntreuung öffentlicher Gelder. Marbella wird seit Bekanntwerden des Skandals gleichgesetzt mit Korruption und hemmungloser Bauwut. Dabei sieht es hier nicht schlimmer aus als an anderen Orten der spanischen Küste, wo mit Grundstücks- und Immobilienspekulation viel Geld gemacht wird. Im Gegenteil: Marbella hat viele öffentliche Grünflächen und Parks, die Dünenlandschaft steht unter Naturschutz und die Altstadt zählt zu den schönsten der Costa del Sol.

Seit Ende Juni ist die neu gewählte Regierung damit beschäftigt, den Schuldenberg von 460 Millionen Euro abzubauen und das angekratzte Image der Stadt aufzubessern.

Der Tourismusstadtrat hat sich für den „Neustart der Marke Marbella”, wie er es nennt, tatkräftige Unterstützung geholt: Der 75-jährige deutsche Hotelier Rudolf Graf von Schönburg, in Marbella von allen „Conde Rudi” genannt, soll den neu gegründeten Tourismusverband leiten. Schönburg kam 1956 nach Marbella, war lange Jahre Direktor des Luxushotels Marbella Club und ist noch heute dessen Berater. Jetzt soll er ein Stück von Marbellas legendärer Zeit wiederbeleben.

In den 60-er Jahren brachte er zusammen mit Alfons von Hohenlohe, Besitzer des Hotels Marbella Club, illustre Gäste wie Jackie Kennedy, Rainier von Monaco und Christina Onassis nach Marbella. Auch Filmstars wie Ava Gardner, Sean Connery oder Audrey Hepburn gehörten zu den Besuchern.

Tourismus geht in die Breite

Und heute? „Marbella laufen die Prominenten weg”, unken die Medien. Das stimmt nur halb. Julio Iglesias, Gunilla von Bismarck, Antonio Banderas und seine Frau Melanie Griffith kommen regelmäßig, George Clooney und Hubertus von Hohenlohe wurden in diesem Sommer neben zahlreichen spanischen Stars gesehen - aber insgesamt ist der Tourismus in die Breite gegangen, und der internationale Jetset feiert sich nicht mehr wie einst in Aufsehen erregenden Festen in den Luxushotels und Beachclubs der Stadt.

Heute trifft man sich meist unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Aber immer noch machen die Paparazzi, die im Sommer auf der Lauer liegen, ihre Promi-Fotos. Die jährlich mehr als acht Millionen Besucher finden ihre Fotomotive an der Flaniermeile. Ferraris, Bentleys oder Porsches gehören hier ebenso zum Stadtbild wie die eleganten Luxusjachten. Insgesamt hat sich Puerto Banús einem breiteren Publikum geöffnet. In Sommernächten ist das Straßenbild von jungen Besuchern geprägt, die sich vor den Musikkneipen und Discos drängen.

„Marbella hat eine enorme Anziehungskraft, die Hotelauslastung hat in diesem Sommer sogar zugelegt”, erklärt Hernández. In Puerto Banús soll der Erfolg der neuen Tourismusstrategie bald sichtbar werden. In enger Zusammenarbeit mit der Kaufmannschaft will die Stadt für mehr Sicherheit und Sauberkeit sorgen. Der Hafen soll vergrößert werden. 915 Liegeplätze gibt es, bald sollen es doppelt so viele sein. Denn die Wartelisten sind lang, besonders für Yachten von über 20 Meter Länge.

Den exklusiven Anstrich vergangener Tage möchte Hotelier Rudolf von Schönburg als städtischer Tourismusmanager in Marbella wiederbeleben. Das Erfolgsrezept des Hotels Marbella Club soll nun auf die ganze Stadt übertragen werden. Es herrscht Aufbruchstimmung, und Tourismus-stadtrat Hernández schwebt bereits ein weiteres Projekt vor: „Wir wollen eine internationale Modenschau nach Puerto Banús holen.”

 
 

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