Privatklinik im Hotel Breidenbacher Hof in Düsseldorf ist erfolgreich

Die Präsidentensuite im Düsseldorfer Luxushotel Breidenbacher Hof kostet 7.000 Euro pro Nacht. Von dort können Patienten gleich die Privatklinik nebenan besuchen.
Die Präsidentensuite im Düsseldorfer Luxushotel Breidenbacher Hof kostet 7.000 Euro pro Nacht. Von dort können Patienten gleich die Privatklinik nebenan besuchen.
Tausende Patienten aus dem Ausland lassen sich jährlich in der Privatklinik im Luxushotel "Breidenbacher Hof" in Düsseldorf behandeln. Eine Nacht in der benachbarten Präsidenten-Suite kostet 7.000 Euro.

Düsseldorf.. Wo sich sonst in anderen Hotels die Geschäftsleute den Stress auf Trimmdich-Fahrrädern im Fitnessstudio abstrampeln, verbirgt sich auf der fünften Etage des Düsseldorfer Breidenbacher Hofes, hinter der milchig-eleganten Glastür, eine Neuheit für die deutsche Hotellandschaft: eine modern ausgestattete Privatklinik.

Die arabischen Gäste der Präsidenten-Suite, die 7000 Euro die Nacht kostet und auf dem gleichen Stockwerk liegt, können direkt vom Bett auf den OP-Tisch hüpfen. Sechs weitere Zimmer, direkt in der Nähe des Kliniktraktes, sind ebenfalls für Patienten gedacht.

Kaviar aufs Zimmer

Per Beeper können sie jederzeit die Krankenschwester von nebenan rufen. Während der Ehemann neue Haare transplantiert bekommt und sich danach den Kaviar aufs Zimmer kommen lässt, geht die Frau mit den Kindern fünf Stockwerke tiefer auf der Königsallee shoppen.

Die Zielgruppe ist klar: gut betuchte Gäste aus der arabischen Welt, die in die Landeshauptstadt kommen, um sich operieren zu lassen. Und davon gibt es immer mehr, der Medizintourismus hat Deutschland längst erreicht. Man schätzt, dass knapp 3000 jedes Jahr allein aus den Emiraten kommen, 60.000 insgesamt aus dem Ausland. „Die Hälfte unserer Patienten sind Araber, Russen und Schweizer“, erklärt Dr. Malte Villnow, einer der zwei Initiatoren der „Privatklinik im Hause Breidenbacher Hof“.

Stars und Kassenpatienten unter einem Dach

Jedoch seien 25 Prozent aus Düsseldorf und dem Rest Nordrhein-Westfalens, also auch der „Mann von nebenan“ – der Privatpatient ist. Obwohl halt auch ebenso die Sönke Worthmanns und viele Profi-Sänger im Breidenbacher Hof anzutreffen sind. „Wir wollen aber auch für Kassenpatienten da sein“, betont der ästhetische Chirurg, dessen Spezialgebiet Haartransplantationen sind. Derzeit wird dafür hart mit den gesetzlichen Krankenkassen verhandelt. Bisher werden die Leistungen, auch bei den ausländischen Patienten, nach der Gebühren-Ordnung (GOÄ), wie in sonstigen Privatkliniken auch, berechnet.

Wimpern-Augenbrauen-Transplantationen, zum Beispiel für Krebs-Patienten, kosten etwa ab 2500 Euro. Die Patienten, die nicht unbedingt Hotelgäste für die Behandlung sein müssen, kommen nicht nur wegen Brust- oder Po-Implantaten: Nachdem die 500 Quadratmeter große Klinik im Juli 2010 mit einer Spezialisierung auf plastische, ästhetische, rekonstruktive Chirurgie und Zahnästhetik ihren Betrieb aufgenommen hat, wurde elf Monate später das dreiköpfige Expertenteam um sieben Mediziner aus der Umgebung Düsseldorfs erweitert.

Netzwerk aus fast 20 Ärzten

Das Interconti der Landeshauptstadt hat, im Vergleich dazu, ein Netzwerk aus fast 20 Ärzten, die Hotelgäste aber in ihren Praxen betreuen. Und das Bonner Kameha Grand Hotel kooperiert mit dem Universitätsklinikum der Stadt und der Aesthetic Clinic Dr. Dr. Stein: „Einige der mehrheitlich arabischen und russischen Gäste werden direkt in den Kliniken betreut. Manche übernachten aber auch im Hotel und werden nur ambulant behandelt“, weiß Stefanie Ahlers-Hestermann vom Kameha Grand. Seit letztem Jahr werden Schönheitsoperationen, Fettabsaugungen, aber auch orthopädische und internistische Eingriffe vorgenommen.

Knapp drei Millionen Euro kostete damals der teilweise Umbau der fünften Hoteletage auf der Kö zur Klinik. Jetzt können in drei Operationssälen unter anderem auch dermatologische, gastroenterologische oder neurochirurgische Eingriffe vorgenommen werden. „Viele kommen auch für grundsätzliche Check-Ups“, weiß Villnow.

Regendusche, Flachbildschirm, Klimaanlage

Nach den ausschließlich risikoarmen Operationen gehen die Patienten entweder direkt nach Hause oder werden stationär in einem der zwei in Gelb gehaltenen Stationszimmern untergebracht – mit Regendusche, riesigem Flachbildschirm, Klimaanlage, PC-Anschluss. „Wir lassen sie so lange schlafen wie sie wollen – ohne Drillkommando um Fünf in der Früh“, sagt Villnow, doch die Krankenschwestern seien rund um die Uhr da. Und wenn die Dame aus Abu Dhabi eine heiße Schokolade mitten in der Nacht trinken möchte, bringt der Room-Service des Hotels sie direkt auf Stationszimmer.

Auch der Kölner Kenan Seven fühlt sich in der Düsseldorfer Klinik „sehr persönlich“ behandelt: „Selbst die 30-minütige Kontrolluntersuchung beim Hals-Nasen-Ohren-Spezialisten war keine Massenabfertigung wie sonst beim Arzt, man redet noch miteinander“.

20 Prozent der Patienten bleiben nach ihrer OP noch länger in dem Boutiquehotel an der bekanntesten Einkaufsmeile Deutschlands. Somit konnte das Haus seine Zimmerauslastung bereits um fünf Prozent steigern. Sonderkonditionen gibt es aber nur für Stammkunden oder Großfamilien, normal kostet das Doppelzimmer ab 345 Euro die Nacht.

 
 

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