Mit der Subway 7 einmal um die Welt

Foto: Foto: Gesine Unverzagt

Der Stadtteil Queens ist ein bunter Kosmos. Die Einheimischen zeigen Besuchern nur zu gerne ihre multikulturelle Welt

Wer in New York mit einem U-Bahn-Ticket den ganzen multikulturellen Kosmos entdecken möchte, folgt am besten der legendären Subway 7, welche direkt in den berühmt-berüchtigten Stadtteil Queens führt. Früher war dieses überaus lebendige Gebiet vor allem als touristische No-go-Zone bekannt. „Ich werde Ihnen das andere New York zeigen, abseits der Trampelpfade.” Dan Abatelli heißt der Mann, der dieses verspricht. Er ist ein sogenannter „Greeter”, der unentgeltlich Touristen durch sein New York begleitet. „Es ist die Liebe zu unserer Stadt, die wir mit den Besuchern teilen wollen, die sich unsicher fühlen. Mit uns können Ecken der Stadt entdeckt werden, die man sonst garantiert verpassen würde.”

Dan Abatelli ist italienischer Herkunft und kennt sich in Queens bestens aus, weil er sein ganzes Leben hier verbrachte. „Queens ist eine lebendige Emigrantenstadt, touristisch noch unentdeckt.” Die beste Art, die Vielfältigkeit kennen zu lernen, ist entlang der Subwaylinie 7, auch International Express genannt, denn in Queens leben 2,2 Millionen Emigranten aus aller Welt. Die Tour beginnt in Manhattan. Vom Grand Central Station fährt die Subway Nr. 7 durch den Tunnel unter dem Hudson River nach Queens bis zur Endstation Flushing. Dort erwartet einen dann der Kulturschock, denn man fühlt sich plötzlich nach Peking katapultiert. In der Mainstreet reiht sich ein Geschäft an das andere, alle mit chinesischen Schriftzeichen in grellem Neon. Kein weißer Amerikaner in Sicht und schon gar keine Touristen.

Wie in China wird Footmassage an jeder Ecke angeboten, die Supermärkte verströmen den typischen Geruch – eine Mischung aus getrocknetem Fisch und exotischen Früchten. Der Fischverkäufer kann auf Anfrage keinen Preis nennen, er spricht kein Englisch. Auf kleinen Hockern sitzend spielen alte Männer auf dem Bürgersteig chinesisches Schach, umgeben von neugierigen Zuschauern, meistens mit Zigarette im Mundwinkel, wie in China üblich. Bereits 1917 entstand die Linie 7 nach Queens. Entlang der Bahnlinie wurde das Gebiet wegen der günstigen Mieten von Emigranten überflutet, die in Queens lebten, jedoch in dem in wenigen Minuten erreichbaren Manhattan arbeiteten. Für mindestens 150 unterschiedliche Nationalitäten wurde Queens die neue Heimat, die Metro Nr. 7 zur Lebensader des Viertels. Hier hat Dan als Lehrer gearbeitet. „Ich liebe die Vielseitigkeit dieses Boroughs und dass hier verfeindete Völker friedlich Seite an Seite leben.”

Das ist in der Neighborhood Jackson Hights zu beobachten, wo Pakistanis und Inder Nachbarn sind. Am Straßenstand verkauft ein Mann moslemische Devotionalien, während ein Sikh mit Turban ihn lächelnd begrüßt. In der 74. Straße sorgt Ahmed aus Bangladesh als Hilfspolizist für Ordnung. An der Station der 82. Straße empfängt die lebenslustige Musik der Latinos aus Autos und aus den Läden. Hier regiert Kolumbien. „Meine Frau ist Kolumbianerin, sie hat mir ein Restaurant empfohlen, wo der Pollo gut ist”, sagt Dan. Im „Tierras deliciosas” in der 83. Straße kommt eine hüftschwingende Frau angetänzelt. Mit einem „Como esta” wird trällernd die Bestellung entgegen genommen. Nach dem Mahl zeigt Dan um die Ecke Reihenhäuser aus den Zwanziger Jahren mit besonders eleganten Eingängen und blühenden Vorgärten. „Ich wohne gern hier”, erzählt eine Passantin. „Hier ist es ruhiger als in Manhattan, Nachbarschaften werden gepflegt und es gibt weniger Kriminalität.”

Bereits im 17. Jahrhundert war Queens Rückzugsgebiet für die Glaubensgemeinschaft der Quäker. Das 1661 in typischem Quäkerstil aus Holzschindeln erbaute Haus von John Bowne, einem glühenden Kämpfer für Religionsfreiheit, ist heute ein Museum.

In Astoria im Westen von Queens, ist der Besuch eines Telekomladens ergebnislos, denn der ägyptische Verkäufer spricht kein Englisch. „Wenn die Ägypter uns nicht helfen können, so werden es die Griechen”, meint Dan, denn einige Blocks weiter beginnt Griechenland. Die Schilder tragen griechische Namen, das Café an der Ecke heißt Café Athens. Der Ober allerdings ist Mexikaner, der die griechischen Gerichte etwas verfremdet. „Hier lebten früher nur Griechen und Italiener. In den letzten Jahren hat sich viel verändert, Ägypter und Leute aus dem Maghreb haben sich ausgebreitet”, erklärt Dan.

Zurück von einer inspirierenden Reise um die Welt und erfüllt von Begegnungen unterschiedlicher Kulturen, empfängt Manhattan die Reisenden mit aggressivem Gehupe, mit Hektik und erschöpften Menschen.

 
 

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