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Mathias Tognino – Der Strandkorbwärter von Sylt

Strandkorbwärter Mathias Tognino (r) richtet einen Strandkorb aus auf der Promenade von Westerland auf Sylt.
Strandkorbwärter Mathias Tognino (r) richtet einen Strandkorb aus auf der Promenade von Westerland auf Sylt. Foto: dpa
Damit die Urlauber unbeschwerte Tage an der Nordsee verleben können, sorgt der Sylter Strandkorbwärter dafür, dass die Körbe am richtigen Platz stehen, und entfernt die Spuren der nächtlichen Partys. Auch auf Norderney und Borkum werden die Körbe gehütet.

Sylt. 

Während die Urlauber vor den Insel-Bäckereien für frische Brötchen anstehen oder noch in ihren Betten schlummern, ist Mathias Tognino schon lange am Sylter Strand unterwegs. Mit beiden Armen wuchtet der hochgewachsene Mann die 75 Kilo schweren Strandkörbe an ihren Platz – 250 Mal, jeden Morgen. „Traditionell richtet man die Körbe nach Osten aus, das sieht manierlicher aus und die Feuchtigkeit der Nacht trocknet“, sagt der Strandkorbwärter.

Mit dem Handrücken wischt er sich Schweißperlen von der Stirn. Nach einem Sprung in die Nordsee trocknen sich am Spülsaum auch einige Frühschwimmer, die die Ruhe um 7.30 Uhr für ein Nacktbad nutzen. Von Mai bis Oktober sorgt der 64-jährige Tognino dafür, dass die Menschen am Strandabschnitt unterhalb der Musikmuschel sowie auf der Promenade in Westerland entspannte Sommertage verbringen können.

„Das Müllverhalten der Menschen ist schlechter denn je, die Leute schmeißen alles mögliche weg“, sagt der Strandkorbwärter. Zu seinem Job gehört es auch, Flaschen, Dosen und Zigarettenkippen der Feiern vom Vorabend zu entsorgen, bevor die ersten Strandgäste ihre Körbe beziehen. Verschlossen werden die Sitzmöbel nachts nicht: Sylter und Gäste können hier abends picknicken oder ihren Sundowner trinken. Manche machen am Strand auch die Nacht durch, sagt Tognino. Übernächtigte Partygäste oder Schlafende habe er schon häufiger morgens in Strandkörben entdeckt – unter ihnen ab und zu auch Pärchen.

Gegen die Eigenwilligkeit

Nicht alle räumen danach auf – immer wieder findet er die „ein oder andere Gummiware“ am Strand, sagt Tognino. Unter einem Strandkorb zieht er ein noch volles Sixpack Bier heraus und legt es auf den Stapel zu den leeren Flaschen. Auch Verpackungen von ihren Burgern und Fischbrötchen ließen viele einfach liegen.

Auch auf den Ostfriesischen Inseln werden die Strandkörbe gehegt und täglich kontrolliert – jeden Morgen neu ausgerichtet wird aber nicht jeder. „Wir haben hier kein Schachfeld“, berichtet der Sprecher des Staatsbades Norderney, Wolfgang Lübben. Klar würden Gäste die rund 2000 Strandkörbe auf der Insel nach ihren Vorlieben ausrichten. Die Vermieter und sogenannte Strandkapitäne, die für den Betrieb der Strandabschnitte zuständig sind, achteten darauf, dass das nicht Überhand nehme.

Strandkörbe statt Massieren

Ähnlich ist es auf Borkum: Dort gibt es neben Körben auch Strandzelte zu mieten. Die Vermieter kontrollierten in der Regel jeden Morgen, ob sie beschädigt oder vermüllt sind, berichtet der Vorsitzende der Borkumer Strandkorbvermieter, Marius Okken.

Tognino auf Sylt liebt seinen Job: „Ich bin sehr, sehr glücklich damit und mache es echt gerne“, sagt Tognino. Als gelernter Masseur und Bademeister wurde er vor rund 15 Jahren eher zufällig Strandkorbwärter auf der Nordseeinsel. Mit dem Massieren sei es auf Sylt für ihn damals „nicht so rund gelaufen“, sagt der gebürtige Hamburger. Als er die Annonce des „Insel Sylt Tourismus-Service“ sah, ergriff er die Chance für einen Neustart – und blieb.

Während er alle Körbe wendet und positioniert, prüft Tognino zudem, ob sie sauber und heile sind. Dabei machen ihm besonders jetzt die Möwen zu schaffen. „Im Moment fressen die viele blaue Beeren, die Flecken von der Möwenkacke gehen teilweise nicht mehr aus den Bezügen der Körbe raus“, sagt er.

Viel Logistik nötig

„Die Körbe holen wir dann ab und bringen sie in die Werkstatt“, sagt Ulrich Hoenack, Oberstrandkorbwärter der Gemeinde Sylt. Dort werden dann unter anderem die verschmutzten Bezüge erneuert und abgebrochene Tische repariert. Er ist verantwortlich für die 23 Strandkorbwärter des Tourismus-Service, die während der Saison an den Strandabschnitten in Westerland und Rantum sitzen. Vandalismus sei immer ein Thema in seiner Branche, sagt Hoenack. „Manche benutzen die Körbe auch als Klo, das ist dann echt ärgerlich und ekelig.“ Rund um die Vermietung der 4000 Strandkörbe sei viel Logistik nötig. Schon im August beginnen er und seine Kollegen damit, die ersten Körbe mit dem Traktor wieder zurück in die Halle zu fahren, damit sie vor den ersten Herbststürmen sicher verstaut sind.

Bis dahin herrscht aber Hochbetrieb am Strand: Ab 10 Uhr startet Tognino mit der Vermietung. „Ich versuche, allen Wünschen gerecht zu werden“, sagt der Strandkorbwärter. Die vordere Reihe mit direktem Meerblick sei meist zuerst weggebucht. In diesem zweiten Corona-Sommer sind die wind- und sonnenschützenden Möbel mit den gestreiften Bezügen besonders gefragt, sagt Tognino. Bei der Vergabe setzt er auch auf seine Menschenkenntnis: „In meinem Job ist Diplomatie gefragt, damit Frieden herrscht.“ Stammgäste, die sich zum Beispiel im Vorjahr mit ihren Korb-Nachbarn gestritten haben, setzt er dann möglichst weit voneinander entfernt.