MS Columbus: Ein Schiff für mediterrane Entdecker

Foto: MSG

Essen. Das Mittelmeer ist das meist befahrene Kreuzfahrtrevier Europas. Ob Aida, Costa oder Hapag-Lloyd, ob westliches oder östliches Mittelmeer: In dieser Region wird jeder fündig. Wir waren mit der "Columbus" unterwegs. Das Schiff ist zwar überschaubar, doch langweilig wird es nie.

Sonne, endlich Sonne. Das Freideck sechs ist gut gefüllt. Gäste sitzen in den Bast-Allwetterstühlen, ordern O-Saft oder was sonst noch bei dreißig Grad erfrischt, andere aalen sich auf den Handtüchern ihrer Liegen. Kellner tragen Tabletts durch die Reihen. So, als wäre nichts geschehen.

Dabei hat die Columbus einen Rodeo-Ritt durch die Biscaya hinter sich. „Acht Meter hohe Wellen, das Schiff stampfte und rollte zugleich”, erzählt der Mann aus Düsseldorf. Braun wollte er werden, grün wurde er. So wie die meisten der 330 Passagiere. In Bremerhaven begann die Fahrt, Borkum und die Kanalinsel Guernsey konnten wegen des Sturmes nicht angelaufen werden. Seefahrer-Schicksal. Aber nun in Lissabon kann die Bräune nachgeholt werden - die Columbus-Welt ist wieder in Ordnung: Das Mittagsbüfett „Eintopfvariationen” muss nicht mehr festgeschnallt werden, Soraya kann mit den Passagieren Shuffleboard spielen und die „Happy Band” sieht auch wieder so aus. Alles entspannt - so wie die Columbus eben ist.

Die Columbus - das Hapag Lloyd-Einstiegsmodell

Sie ist anders als die große Flottenschwester „MS Europa”. Durchgängiger Dresscode hier: Gepflegte Freizeitkleidung - ein gut gebügeltes Polohemd im Maritim-Look tut es eben auch. Abgesehen vom Kapitänsempfang und dem Abschiedsmenu - da dürfen bei Carpaccio und Crevetten schon mal Krawatten getragen werden. Einen Smoking aber hat niemand in der Kabine hängen.

Das „Geld-spielt-keine-Rolle”-Klientel scheint überhaupt zu fehlen, die Reisenden wissen die Bordpreise noch zu würdigen: Nulldrei gezapftes Bier für 1,50 €, Cappucino für 1 €, Cocktail für 3,60 €. Schade, dass man hier kein Super tanken kann. Die Columbus, das ist das Hapag Lloyd-Einstiegsmodell - zu einem sehr guten Preis-Leistungsverhältnis. Und der Service braucht sich hinter der berühmten Europa-Schwester nicht zu verstecken.

Service vom Feinsten

Mario, der Chef de Rang, mit fein gezwirbeltem Bart, nimmt allabendlich im Restaurant die Bestellung auf: Die Dame möchte als Vorspeise gerne die Kalbszunge mit Dijonsenf, der Gatte hingegen lässt den Gang aus, nimmt aber danach gerne die legierte Hühnerkraftbrühe, darauf wollen drei andere am Tisch verzichten. Mario notiert. Auch dass die männliche Hälfte des Ehepaars von Tisch 17 gerne den vegetarischen Hauptgang hätte. Vielleicht mit einem kleinen Kompromiss-Stückchen Entrecôte. Wenn es geht.

Es geht. Mario ist Profi, seine Aufzeichnungen sind feinste Logistik. Jeder bekommt zum richtigen Zeitpunkt den richtigen Gang. Sogar der angeglatzte Gast mit Schnauzbart und Brille, der wie ein in die Jahre gekommener Wrestler aussieht. Alle zwei Minuten lässt er einen Bediensteten des Schiffes antanzen, um Temperatur des Weines, Würze des Zwischengangs oder Bissfestigkeit des Desserts zu monieren. Möge er in der Medina von Tanger verloren gehen.

Tanger: Immer dem Reiseführer nach

Der nord-afrikanische Hafen ist die nächste Station. An den Ausflugsbussen stehen sie bereits: Die Guides mit den unvermeidlichen „Hapag Lloyd”- Schildern zum Hochhalten. Damit auch jeder registriert: Touristen auf Landgang. Aber in Tanger machen die Schilder wirklich Sinn: Bevor irgendeiner im Labyrinth der Medina-Gassen gänzlich die Orientierung verliert, trotten die Passagiere lieber dem Schild hinterher. Eskortiert von den fliegenden Händlern, die zwar nicht fliegen, aber stören. Hinter jeder weiß gekalkten Hausecke breitet einer seinen Imitate-Bauchladen aus. Wer sich auf einen Dialog einlässt, wird für die nächste Stunde umschwirrt.

Es ist ein Stück Heimat, als die Passagiere aus dem Gassengewirr wieder an Bord der Columbus gehen. In einer fremden Welt ist das Schiff ein Stück Vertrautheit: Beliebte Melodien mit DJ Jochen im Palmengarten, Happy Hour in der Weinstube auf Deck 5, das Duo „Fuego Flamenco” in der Lounge. Für die Innovation der Kreuzfahrt steht die Columbus nicht gerade, aber für gepflegte Tradition auf gehobenem Niveau.

Kultivierte Unterhaltung ist hier Programm

Das gilt auch für das Bordprogramm. Dass die Gäste hier die Nacht zum Tag machen, ist nicht zu erwarten. Kultivierte Unterhaltung ist hier Programm. Zum Beispiel mit der Holländerin Alessandra, die sich durch die Abende jazzt und swingt. Mit Stimme, Ausstrahlung und Professionalität. Zu Peinlichkeiten lässt sich Hapag Lloyd nicht hinreißen. Selbst der unumgängliche bayrische Frühschoppen hat noch eine Rest-Kultur: Das Trompetenecho live mit der Happy-Band ist allemal stilvoller als die Ringelpietz-Karawane zu Polonaise Blankenese auf manch anderem Schiff.

Die Balance zwischen „Bordleben” und „Ort erleben” funktioniert - das Schiff fährt jetzt gute zehn Jahre auf den Weltmeeren. Der geführte Ganztages-Trip von Malaga nach Granada mit Besuch der Alhambra kostet zwar stolze 124 Euro. Aber ansonsten sind die Ausflugspreise äußerst moderat.

Es geht auch ohne Reiseleitung

Und selbst den dreiminütigen Bustransfer von Malagas Pier zum Hafenterminal begleitet ein Reiseleiter und erklärt, dass die Phönizier bereits vor 3000 Jahren hier waren. Also Seereisende, die sich ihre „Landausflüge” gänzlich selbst organisiert haben. Die Mehrzahl der Columbus-Passagiere „erobert” Malaga an diesem Tag mit Selbstanleitung: In der Hand das kleine Info-Broschürchen, das für jeden Hafen an der Rezeption ausliegt. Äußerst angenehm: Die Gäste werden auch über selbstständige Landgänge informiert. Hier wird nicht nur brachial das Ausflugsprogramm beworben. So treffen sich viele Passagiere an diesem Tag in Malagas Shopping-Straße „Marqués de Larios” - gänzlich ohne gebuchte Begleitung.

Am nächsten Abend nimmt Kapitän Reiner Koegel Kurs auf die Baleareninsel Ibiza. Punkt 18 Uhr fährt er mit dem Schiff direkt hinein in die Altstadt von Ibiza-Stadt - so scheint es zumindest. Zentraler geht es nicht - der Vorteil eines Schiffes, das gerade mal 15 000 BRZ misst. Die großen Kreuzfahrer können von so einem Liegeplatz nur träumen: Nicht mal fünfzig Meter sind es bis ins pulsierende Nachtleben von Ibiza. Das bunte Volk in den weißen Gassen und die Columbus Passagiere sind nur bedingt kompatibel. Egal. Auch die Crew nutzt den Landgang bis 23.30 Uhr. Proviantchef Henry versammelt sein Team und gönnt sich die Feierabend-Drinks in einer der unzähligen Bars. Die Besatzung hat sich die Freizeit mehr als verdient, denn viele Passagiere wollen wiederkommen. Sie haben die Columbus für sich entdeckt.

Info: Mittelmeer-Kreuzfahrten

  • Beliebtes Kreuzfahrtrevier: Das Mittelmeer ist das meist befahrene Kreuzfahrtrevier Europas. Unterschieden wird nach Fahrten im westlichen und östlichen Mittelmeer. Ausgangspunkte der Fahrten sind oftmals die großen Häfen in Italien, etwa Genua, Savona, Livorno, Venedig und Civitavecchia. Wöchentliche Abfahrten gibt es auch ab Palma oder Kreta.
  • Hapag–Lloyd-Kreuzfahrten: Mittelmeerfahrten an ausgewählten Terminen mit der MS Europa und der Columbus. Etwa im November mit der Columbus von Istanbul - Volos - Piräus - Palermo - Neapel - Civitavecchia - Monte Carlo - Sete - Barcelona.
  • Aida: Die Aida Vita ist ab Kreta im Wochenturnus im östlichen Mittelmeer unterwegs und fährt dabei die Ziele Istanbul, Volos, Athen und Mykonos an. Ab Palma des Mallorca verkehrt die Aida Cara im westlichen Mittelmeer und fährt u.a. die Städte Alicante, Valencia, Marseille und Barcelona an.
  • Costa Kreuzfahrten: Die Schiffe Luminosa (z.B. von Venedig über Bari, Olympia, Rhodos, Istanbul , Mykonos, Athen, Venedig) Serena, Fortuna, Victoria, Romantica, Mediterranea und Europa sind im östlichen Mittelmeer unterwegs. Die Pacifica (ab Savona über Marseille, Barcelona, Palma, Tunis, La Valetta, Palermo, Rom und zurück nach Savona), Concordia und Magica verkehren im westlichen Mittelmeer.
  • Tui Cruises: Ab September vier Abfahrtstermine für zehntägige Mittelmeerreisen. Ab Palma über Barcelona, Marseille, Nizza, Korsika, Rom, Neapel, Palermo, Sardinien und zurück nach Palma de Mallorca.

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