Kirche in Schleswig-Holstein will Sonntag als Weltkulturerbe schützen

Sandra Malt
Geschäfte in touristisch relevanten Orten dürfen in Schleswig-Holstein auch Sonntags öffnen. Die Nordelbische Kirche ärgert das.
Geschäfte in touristisch relevanten Orten dürfen in Schleswig-Holstein auch Sonntags öffnen. Die Nordelbische Kirche ärgert das.
In Schleswig-Holstein gibt es die Bäderregelung seit 2005. Geschäfte in touristisch relevanten Orten dürfen von Dezember bis Oktober sonntags öffnen. Der Kirche geht das zu weit, sie fordert eine Verkürzung des Zeitraums. Die Branche ist entsetzt.

Essen. Zuerst gemütlich faulenzen, sich die Sonne auf den Pelz scheinen lassen am weißen, langen Sandstrand und dann zum gemütlichen Einkaufsbummel in die Stadt – auch in Timmendorfer Strand ist dies am christlichen Ruhetag, dem Sonntag, durchaus möglich. Seit 2005 gibt es die so genannte Bäderregelung: In Schleswig-Holstein dürfen Geschäfte in touristisch relevanten Orten zwischen Mitte Dezember und Ende Oktober auch sonntags zwischen 11 und 19 Uhr öffnen.

Das geht der Nordelbischen Kirche und dem Erzbistum Hamburg allerdings entschieden zu weit. Sie wollen die Regelung abschwächen und haben eine Klage vor dem Oberverwaltungsgericht in Schleswig eingereicht. Ihre Forderung: Reduzierung der Öffnungsperiode auf den Zeitraum Ende März bis Oktober. Erzbischof Werner Thissen erklärt: „Der Sonntag ist ein Weltkulturerbe, das wir in jedem Fall erhalten und schützen müssen.“

10.000 Arbeitsplätze bedroht

Hoteliers und Tourismus-Fachleute des Bundeslandes reagieren entsetzt: „Mittelbar wären dadurch rund 10.000 Arbeitsplätze in Schleswig-Holstein bedroht“, meint Christian Jaletzke, Geschäftsführer der Timmendorfer Strand Niendorf Tourismus. Viele Einzelhandelsgeschäfte in dem beliebten Urlaubsort an der Ostsee, der 2010 rund fünf Millionen Tagesgäste hatte, würden von dem Mehrumsatz profitieren. „Die Gäste gehen erst an den Strand und dann zum Shoppen. Keiner sollte ihnen vorgeben, wie sie ihren Sonntag verbringen.“

Und nicht nur das: „Wir haben einen vollen Ort – und volle Kirchen“, freut sich Jaletzke über das enge Miteinander von Einheimischen und lokalen Geistlichen. „Sie suchen sogar Ostereier zusammen mit den Touristen.“ Die Bäderregelung habe sich außerordentlich gut bewährt in den letzten Jahren, die Klage der Amtskirche sei wie eine „Aufkündigung einer Friedenspartnerschaft“.

Weitere Einschränkung gefordert

Das Kieler Wirtschaftsministerium spricht sich für die jetzige Sonntagsregelung aus: „Die Regelung betrifft lediglich 8,6 Prozent der Gemeinden“, sagt Staatssekretärin Tamara Zieschang, „damit ist das verfassungsrechtliche Ausnahme-Regel-Verhältnis gewahrt“. Die CDU-Politikerin geht davon aus, dass die Landesverordnung der gerichtlichen Prüfung standhalten werde.

Im Urlaubsland Mecklenburg-Vorpommern konnten die Kirchen in der Vergangenheit eine Verkürzung der Frist durchsetzen. 35 Orte dürfen zwischen April und Oktober nur noch von 13 bis 18 Uhr ihre Läden öffnen. Die Katholische Kirche will aber auch dort eine weitere Einschränkung. Eine Klage ist eingereicht.