Informationen für Urlauber im Internet statt individuelle Beratung

Individuelle Beratung vor Ort oder am Telefon bleibt häufig auf der Strecke. Der Trend geht zur Urlauberinformation über das Internet.
Individuelle Beratung vor Ort oder am Telefon bleibt häufig auf der Strecke. Der Trend geht zur Urlauberinformation über das Internet.
Aus Kostengründen nimmt die Zahl der ausländischen staatlichen Verkehrsämter in Deutschland stetig ab, Telefonhotlines werden eingestellt. Der Trend geht zur Urlauberinformation über das Internet: Individuelle Beratung bleibt häufig auf der Strecke.

Essen. Im Zuge der Defizite in Staatshaushalten ist der Sparzwang längst auch bei den ausländischen Verkehrsbüros angekommen. Staatliche Verkehrsämter sind auf dem Rückzug, seitdem 1996 die Vereinigten Staaten ihr Büro in Frankfurt geschlossen haben. Sri Lanka ist 2009 diesem Beispiel gefolgt und setzt stattdessen auf das Internet und zentrales Marketing aus Colombo. Ohnehin verlagert sich die Urlauberinformation zusehends ins Internet, wo Millionen in Facebook & Co investiert werden – während die persönliche Beratung auf der Strecke bleibt.

Das Corps Touristique (CT), die Organisation ausländischer Verkehrsbüros in Deutschland, schweigt sich zum Online-Trend aus. Mehr als den Satz „die Bedeutung der über 100 Tourismusbüros für die Gästezufriedenheit ist groß“, lässt sich CT-Präsident Andreas Sakkas, Direktor der Verkehrszentrale Zypern, nicht entlocken.

Deutscher Reiseverband schweigt

Auch der sonst gerne als Branchenvertretung agierende Deutsche Reiseverband (DRV), dem ebenfalls viele Verkehrsbüros angehören, geht auf Tauchstation. Seine Pressestelle mag nicht einmal mehr kommentieren, ob nun Zielgebietsinfos von Reisebüros und Reiseveranstaltern stärker gefragt sind.

Offener antwortet Holger Lenz, amtierender Europa-Direktor der britischen Tourismuszentrale: „Visit Britain hat im Dezember 2008 das Call-Center geschlossen und beantwortet seitdem keine individuellen Anfragen mehr. Informationen sind nur noch auf www.visitbritain.de verfügbar.“

Broschüren verteilen die Briten bereits seit 2009 nicht mehr. Lenz verweist auf drastische Budgetkürzungen, aber auch einen starken Rückgang der Anfragen.

Informationen in Zukunft ohne persönlichen Kontakt

Dies bestätigt der ADAC-Reisemonitor 2011, wo das Internet mit 65 Prozent inzwischen die Liste der Urlaubs-Informationsquellen anführt. Abgeschlagen folgen Reiseführer (29) vor Veranstalterkatalogen (26), Freunden und Bekannten (22), Reisebüroberatung (16) sowie Zielgebietsprospekten (14 Prozent).

„Die Staatshaushalte sind überschuldet, es wird gnadenlos gespart“, analysiert ein Berater die aktuelle Entwicklung. Die Budgets seien um rund ein Fünftel geschrumpft, weil Tourismusministerien die Marketingetats „fast durchweg“ gekürzt hätten. Damit einher gehe der Rückzug aus teuren Innenstadtlagen, Auslagern des Prospektversands sowie stärkeres Engagement im Internet.

Telefonische Beratung eingestellt

Fabienne Javault, Deutschland-Direktorin von Atout France, lässt Zahlen sprechen: Gingen bei der Französischen Tourismuszentrale im Jahr 2000 noch 420 015 Anfragen ein, waren es 2010 nur noch 33 765. Allerdings hatten die Franzosen zwischenzeitlich ihre Rufnummer auch in eine kostenpflichtige Hotline umgewandelt. Schließlich wurde die telefonische Beratung ganz eingestellt. Javault verweist auf angereicherte Inhalte von www.franceguide.com in deutscher Sprache und ergänzt: „Natürlich können sich Kunden, die über kein Internet verfügen, per Post oder Fax an uns wenden.“

Die Österreich-Werbung kompensiert weniger gedruckte Broschüren mit Prospekten aus dem Internet. Auch gingen deutlich mehr Anfragen per E-Mail ein, heißt es aus der Pressestelle. Sämtliche Anfragen würden zentral in Wien beantwortet, wo aus Deutschland kostenlos angerufen werden kann.

Informationsangebote sind eng miteinander vernetzt

Schweiz Tourismus verzichtet ebenfalls auf persönliche Beratung im Deutschlandbüro, wartet aber mit Alternativen auf: „Es gibt gedruckte Broschüren als Basisinformation, ein umfassendes Angebot auf www.myswitzerland.com sowie die persönliche Beratung unter der kostenlosen Nummer 00800/10 02 00 30.“ Alle Informationsangebote sind eng miteinander vernetzt. Webcodes aus Broschüren können direkt auf der Homepage eingegeben werden, um mehr zu erfahren oder zu buchen.

Hingegen steht Spanien mit Büros in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt und München Besuchern weit offen. Zwar würden weniger Prospekte gedruckt, Anfragen jedoch individuell beantwortet.

Mit Erfolg: „Viele Kunden sind Wiederholer, andere bedanken sich mit Postkarten aus Spanien für die Tipps.“ Auch kleinere Tourismusbüros, etwa die Dominikanische Republik oder Ungarn, geben Besuchern und Anrufern im Rahmen des Möglichen gerne weiter Auskunft über Ferien im Land.

Kontakt zu Urlaubern pflegen

Besonders engagiert ist Griechenland. Vier Büros in Deutschland kann sich das Tourismusministerium aber nicht mehr leisten und Direktor Panagiotis Skordas muss aus Frankfurt die Kundschaft aus der Schweiz gleich mitbetreuen: Von den verbleibenden Büros „werden wir weiter den Kontakt zu Urlaubern pflegen“, sagt er. Zwar gehe der Trend zu www.visitgreece.gr – doch wolle er „Griechenlands Herzlichkeit und Wärme“ so lange wie möglich persönlich am Telefon vermitteln.

Eine Übersicht über die Erreichbarkeit aller Fremdenverkehrsämter im Netz auf
www.fremdenverkehrsamt.com

 
 

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