Im südwestfranzösischen Bordeaux gibt es Stadttouren für Feinschmecker

Im südwestfranzösische Bordeaux kommen Feinschmecker auf ihre Kosten.
Im südwestfranzösische Bordeaux kommen Feinschmecker auf ihre Kosten.
Bei einer Gourmet-Tour im südwestfranzösischen Bordeaux können Feinschmecker gleichzeitig die Weltkulturerbe-Stadt und die Cuisine Française kennenlernen. Das Tourismusbüro arrangiert Stadtführungen mit Besuchen in Spezialitäten-Lokalen. Doch auch auf eigene Faust können Besucher viel entdecken.

Bordeaux. Durch eine offene Tür strömt das schwere Aroma der Trüffel und erinnert an Moschus. Der algig-salzige Meerwasserduft frischer Austern, bitter gerösteter Espressobohnen sowie mandelig-süßer Macarons folgen. So präsentiert sich das südwestfranzösische Bordeaux Feinschmeckern aus aller Welt, die auf dem Gourmet-Trail Genüsse hinter den klassizistischen Fassaden der Weltkulturerbe-Stadt kennenlernen. Die Cuisine Française zählt seit 2010 ebenfalls zum Weltkulturerbe. Gekonnt verbindet das Tourismusbüro beides zu Stadtführungen, die zu Fuß etwa vom Kartäuser-Viertel Chartrons zum Grand Théâtre führen.

Nach Informationen über die Weinhändler am Cours Xavier Arnozan geht es in die Brasserie L’Orleans. Dort erwarten Gourmets feinste Marennes-Austern, kreisförmig auf Eis drapiert. Dazu gibt es knuspriges Baguette, trockenen Weißwein sowie Zitrone und Tabasco. Aber der freundliche Kellner rät, die Spezialität pur zu genießen. Tatsächlich verdecken Säure und Schärfe den Atlantik-Geschmack der edlen Meeresfrüchte.

Weinschule und eine Bar a Vin

Wie ein Bügeleisen steht das Maison du Vin an einer Ecke der Allées de Tourny. Dort betreibt der Fachverband der Bordeaux-Winzer eine Weinschule und eine Bar a Vin. Zwischen bunten Glasfenstern wird ein trockener weißer Bordeaux des Jahrgangs 2009 gereicht. Trotz überraschend blasser Farbe überzeugt er mit feiner Säure und viel Geschmack. Zu kleinen Stücken geschnittener Käse aus dem Baskenland steht bereit, mal mit Löchern, mal mit schwarzer Rinde, stets wunderbar duftend.

Nach nur einem Glas wartet wenige Schritte weiter bereits das erste Haus am Platz: das Grand Hotel Regent. Dort hat sich Pascal Nibaudeau einen Michelin-Stern erkocht. Etwas preiswerter und nicht gar so exklusiv, serviert die Brasserie L’Europe handgepulte Crevetten im eigenen Saft mit Ei und jungem Gemüse auf den Punkt gegart. Als Hauptgericht folgt geröstetes Kalb mit einer Rosmarin-Soße, deren Aroma nach dem letzten Bissen haften bleibt.

Den passenden Nachtisch gibt es direkt nebenan in einer ultramodernen Filiale der Pariser Bäckerei und Konditorei Fauchon. Auf Broten im Regal prangt im Mehl ein großes „F“; ein 50-Gramm-Glas schwarzes Salz kostet hier stolze zehn Euro.

Süßes zergeht bei Kaffee oder Tee auf der Zunge

Wer sich wundert, auf der Gourmet-Tour in einer von über 400 Verkaufsstellen der Kette zu landen, revidiert beim Anblick der Macarons rasch seine Meinung. Angeblich geht die Mandelspezialität mit viel Ei und Puderzucker auf ein Rezept der Ursulinen zurück. Deshalb werden bei Fauchon auch deren Hauben nachgebildet. Begleitet von Kaffee oder Tee zergeht die Süßigkeit wortwörtlich auf der Zunge.

Solche Touren arrangiert das Tourismusbüro für Gruppen auf Wunsch aus einem großen Baukasten voller Spezialitäten-Lokale, gewürzt mit Besichtigungen und Stadtspaziergang. Doch auch individuell können Feinschmecker in Bordeaux viel entdecken. So bietet die Dachterrasse des Hotels Mercure Cité Mondiale bei Tag und Nacht spektakuläre Aussichten auf alle 17 Bögen der Brücke Pont de Pierre. Einen halben Kilometer überspannt sie den Fluss, auf den Ebbe und Flut sichtbar wirken. Gerne glänzt Mercure-Direktor Olivier Thomas im Terrassen-Restaurant mit Käsehappen. Die bezieht er aus der Fromagerie Jean d’Alos mit Kuh, Schaf und Ziege im Logo. Allein wegen der Farben, Formen und verschiedenen Käse-Aromen ist das Geschäft einen Besuch wert.

Rind- und Kalbfleisch aus deutscher Zucht

Als fetter Geheimtipp für Feinschmecker entpuppt sich im wahrsten Sinne des Wortes das Altstadt-Restaurant La Tupiña. Eigentümer Jean-Pierre Xiradakis steht nicht unbedingt auf schlanke Küche. Dafür hat er sein Restaurant liebevoll mit Requisiten aus Großmutters Zeiten eingerichtet. Grillaromen füllen das Lokal, wo am offenen Herd gekocht wird. Dort hängt auch der Kessel, dem La Tupiña seinen Namen verdankt. Xiradakis setzt auf frische Zutaten aus der Region. Aal, Neunauge und Stör mit Trauben stammen aus der Aquitaine, ebenso der Fasan, das Freilandhuhn, Ente oder Gans sowie das schwarze Pyrenäen-Schwein. Nur bei Rind- und Kalbfleisch macht er eine Ausnahme: Es stammt aus deutscher Zucht, damit es schön marmoriert, statt mager auf den Rost kommt. Geschmack, großzügige Portionen und ein „La Tupiña“-Kochbuch sind Bausteine seines gastronomischen Erfolgs.

Von der Zentrale am steinernen Herd expandiert Xiradakis kräftig und lässt auch gegenüber im „Comestible“ auftischen. Gleich nebenan können Gäste durch ein Kellerfenster einen Blick auf leckere, von der Decke hängende Schinken werfen.

 
 

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