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Himmlische Kräfte tanken rund um den Tiroler Jakobsweg

„A ganz b’sonderes Platzl“ finden Urlauber beim Pillersee in Tirol. Der dortige Jakobsweg lädt zum Wandern ein und bietet gläubigen Christen viele Möglichkeiten zur – auch inneren – Einkehr. Denn auf über 1400 Metern Höhe bei großartigen Ausblicken kann man sich dem Himmel ein Stück näher fühlen.

St. Ulrich am Pillersee. 

Bergspitzen gelten seit Jahrtausenden als Wohnsitz der Götter – und als Orte voller Energie. Wer ihnen näher kommen will, muss hoch hinauf. Doch der Aufstieg lohnt. Im Tiroler Pillerseetal beispielsweise steht nun knapp unterhalb des Gipfels der Buchensteinwand das größte Jakobskreuz der Alpen: Auf 1456 Metern – 30 Meter hoch,19 Meter breit ist es und von innen begehbar. Pilger, Wanderer und Schaulustige können von fünf Aussichtsterrassen atemberaubende Fernblicke zu den weißgepuderten Gipfeln von Großglockner, Steinbergen und Kaisergebirge genießen. 152 Stufen und ein Lift führen zu Veranstaltungsräumen und Terrassen in den vier Armen.

Das neue mit 23.500 Quadratmetern Lärchenschindeln verkleidete Aussichtskreuz liegt am Rande einer von drei Linien des Tiroler Jakobsweges und soll im August feierlich eingeweiht werden. Auf den Gipfel führen vom Pillerseetal aus Wege unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade – und ein Vierer-Sessellift.

Energieschwingungen im Gebirge

Doch es gibt auch Geheimnisse, die versteckter liegen. Oder gänzlich offen: Mindestens einmal im Jahr steigt Max Steinacher zur Winterstelleralm hoch über dem Tiroler Pillerseetal auf – „a ganz b’sonderes Platzl“, sagt der passionierte Wanderführer. „Zum Beten gehe ich in die Berge“ steht auf dem schlichten Holzkreuz oberhalb der saftigen Bergwiesen. Max sucht sich einen großen Felsbrocken im Steinkreis als Sitzplatz aus – und genießt die Kraft der Natur: Stille, Einsamkeit und einen schier endlosen Panoramablick bis zu den gewaltigen Dreitausendern am Horizont. Links und rechts blüht der blaue Enzian wie auf einer künstlich angelegten Plantage, die Almrosen stehen kurz vor dem Ausbrechen und das erste Edelweiß treibt es aus den kalkhaltigen Böden am Wallerberg. Der Steinkreis markiert nicht nur symbolisch: Gut zwei bis drei Gehstunden und vom Ausgangspunkt von St. Ulrich am Pillersee entfernt – und rund 700 Meter darüber – sind Wanderer dem Himmel ganz nah. „Kraft und Zuversicht tanken“, nennt es Max.

Seit Jahrhunderten suchen Menschen auf den Bergspitzen zwischen Kaisergebirge und Steinbergen diese Nähe zum Himmel – einige aus religiösen Gründen, andere glauben an spezielle Energieschwingungen, die sich positiv auf Geist und Gesundheit auswirken. Viele schöpfen Kraft durch grandiose Eindrücke.

Panorama mit Bier und Speck

Die gewinnt auch, wer zum Wildseeloder mit seinem sagenumwobenen Bergsee im Pillerseetal wandert: Schneeweiß spiegeln sich die Kumuluswolken im tiefen Schwarzblau des Wassers, von dem bis heute niemand weiß, wo es wirklich herkommt. Nur das „Platsch“ der springenden Fische durchbricht hin und wieder die Stille der Natur. 30, 40, 50 Kilometer weit reicht der Blick über die Loferer Steinberge und das Kaisergebirge. „Faszinierend“, sagt Wanderführer Toni Widmann – und das, obwohl er dieses Naturerlebnis nahezu wöchentlich hat. Bald 125 Jahre schmiegt sich die „Wildseeloderhütte“ an diesem ganz besonderen Platz zwischen die Gipfel von „Henne“ (2078 Meter) und „Wildseeloder“ (2017 Meter) – und bietet Aufsteigern mit einfachen Nachtquartieren einen Ausstieg auf Zeit. Wer sich den Talaufstieg von Fieberbrunn aus (rund vier Stunden) um 800 Höhenmeter verkürzen möchte, fährt mit der Gondelbahn bis zum Lärchfilzkogel. Von dort geht es in knapp zwei Stunden über schmale Pfade, durch einen Wildbach und über eine kurze Felspassage mit traumhafter Fernsicht hoch auf die Hütte am See.

Zwischen den beiden Bergspitzen treffen sich die Genießer: Wenn vor dem Panorama des tiefen wie geheimnisvollen Sees kühles Bier und frisch geräucherter Speck mit herzhaftem Bauernbrot auf einem einfachen Holzbrett serviert werden, dann macht das einfach zufrieden.

Unvergessliche Farbenspiele am Wasserfall

Wer auf der rund 17 Kilometer langen Jakobswegetappe von Waidring nach St. Johann in Tirol wandert, findet abseits des Pilgerpfades einen besonderen, wild-romantischen Kraftplatz: Die Hasslerschlucht. Sie gilt bis heute als eines der verstecktesten Naturjuwele der Kitzbüheler Alpen, obwohl sie bereits 1870 von einer deutschen Urlauberfamilie entdeckt wurde.

Überwältigend ist der Kontrast zwischen der üppigen Farbenpracht der Blumen, Pflanzen und der schroffen Felsformationen. Am Ende der Schlucht stürzen zwei Wasserfälle von den Hängen des Fellhorns – und sorgen je nach Sonneneinstrahlung für unvergessliche Farbenspiele der Gischt.