G8-Gipfel auf Schloss Elmau - ein Tal im Ausnahmezustand

Auf Schloss Elmau findet 2015 der G7-Gipfel statt.
Auf Schloss Elmau findet 2015 der G7-Gipfel statt.
Nach 2007 in Heiligendamm sind 2015 wieder die G8- beziehungsweise G7-Staaten zu Gast in Deutschland. Diesmal geht es ins Elmauer Tal. Die Gegend ist bereits jetzt im Ausnahmezustand. Nur Hotelier Dietmar Müller-Elmau vom "Luxury Spa & Cultural Hideaway" im Schloss Elmau ist völlig tiefenentspannt.

Garmisch-Partenkirchen. Es ist nicht ohne Ironie, dass die mächtigsten Politiker der Welt an einem Ort in Bayern ihre wichtigste Konferenz abhalten, dessen einzige Zufahrtsstraße über ein funktionierendes Mautsystem verfügt. Vier Euro in bar, dann öffnet sich die Schranke und gibt den Weg auf die Privatstraße frei, die hoch in das Elmauer Tal führt. Gleichwohl, als Kanzlerin Merkel die Entscheidung traf, dass hier der nächste G8- bzw. G7-Gipfel stattfinden soll, standen sicher andere Beweggründe im Vordergrund. Nachdem das Ostseebad Heiligendamm im Jahr 2007 eine glanzvolle Visitenkarte Deutschlands abgegeben hatte, suchte Merkel einen ebenso einmaligen, aber völlig anderen Ort. Denn beim Gipfel geht es nicht nur um Politik, sondern auch um das eigene Image. Via Presse und TV soll ein möglichst positives Bild des Gastgeberlandes milliardenfach in die Welt transportiert werden.

In der Nähe von Garmisch-Partenkirchen hat Merkel diesen Platz gefunden. Denn das kleine Bergtal am Fuße des Wettersteingebirges bietet nicht nur das gewünschte Postkartenmotiv, sondern dank seiner abgeschirmten Lage auch die notwendigen logistischen Rahmenbedingungen, um die höchstmögliche Sicherheit von Obama und Co. zu gewährleisten. Zudem gibt es mit dem Schloss Elmau ein Spitzenhotel, in dem sich die hohen Häupter nach langen Debatten zur Ruhe legen können.

Ein Hotel im Hotel

Seit Bekanntgabe der Bundesregierung, dass am Pfingstwochenende 2015 hier der G8-Gipfel stattfinden soll, ist die ganze Region elektrisiert. Kein Wunder. 15.000 Polizisten, 3000 Delegationsmitglieder und 5000 Journalisten werden erwartet – da gerät die heile Welt schon mal aus den Fugen. Nur der eigentliche Gastgeber, Schlossherr und Hotelier Dietmar Müller-Elmau, wirkt tiefenentspannt. Er sitzt auf der Terrasse seines Luxushotels und lächelt Probleme einfach weg. „Ist doch klar, dass ein solches Ereignis alle möglichen Gruppierungen mobilisiert. Es wird ja sogar diskutiert, ob die Nachtfalter wegen des Gipfels im Schlaf gestört werden“. Er selbst werde zusammen mit seinem Team alles dafür tun, dass der Gipfel ein voller Erfolg wird.

Obwohl das „Luxury Spa & Cultural Hideaway“ genannte Schloss Elmau bereits heute alle erdenklichen Annehmlichkeiten eines internationalen Fünf-Sterne-Luxushotels offeriert, will der Eigentümer es für den Gipfel noch perfekter machen. Für die Staatschefs errichtet er sogar einen eigenen Gebäudekomplex, der dann den Zusatznamen „Luxury Retreat & Spa“ trägt und sozusagen ein Hotel im Hotel darstellt. Die zehn größten von 47 Suiten lässt er exakt gleichgroß bauen – damit unter den Regierungshäuptern keine Neiddebatten entstehen. Er selbst will dagegen seiner zahlungskräftigen Klientel die maximale Individualität ermöglichen. „Warum müssen in den Hotels dieser Welt die Gäste stets in weißen Bademänteln herumlaufen? Bei mir haben sie die Wahl und erhalten bunte Bademäntel.“ Gleichzeitig lässt der Feingeist und Philosoph seine Zuhörer nur allzu gerne an seinen Gedanken und Visionen teilhaben. Die Süddeutsche Zeitung schreibt nicht unzutreffend über ihn: „Sollte Frau Merkel mal nicht weiter wissen, hätte er durchaus das Selbstbewusstsein, die ganze Gipfel-Bagage per Helikopter auf den Schachen hinauffliegen zu lassen und ihr dort am Lieblingsplatz seines Idols, König Ludwig II., ein paar politische Visionen einzubläuen.“

Von der breiten Masse abheben

Und so ist es nicht verwunderlich, dass Müller-Elmau in Bezug auf seinen Neubau keine falsche Bescheidenheit an den Tag legt. „Ich wollte immer das beste Hotel der Welt bauen. Von daher kommt mir der G8-Gipfel natürlich gelegen.“ Ein Träumer ist Müller-Elmau deswegen noch lange nicht. Das Risiko, dass sein Hotel wegen des Gipfels auch Negativschlagzeilen erfahren könnte, ist ihm bewusst. Ebenso, dass sich der Neubau über G8 hinaus rechnen muss. „Heiligendamm war nach dem Gipfel pleite. Das soll und wird uns nicht passieren“, ist er sicher. Zumal er durchaus von mancher Unterstützungsmaßnahme der Bundesregierung profitiert, die sein Haus fast drei Wochen exklusiv belegt und bezahlt. Doppelt hält besser lautet die Maxime: Alle maßgeblichen Systeme werden ein zweites Mal hergerichtet und der Hotelier erhält auf Staatskosten eine zweite Wasser- und Gasleitung und eine zweite und bessere Internetleitung.

Auch unten im Tal profitiert man selbstredend vom Gipfel. Drei Kilometer von Schloss Elmau entfernt steht mit dem Kranzbach ein Vier-Sterne-Superior-Hotel, welches sich vornehmlich auf Wellness spezialisiert hat. Hier sollen hochrangige Delegationsmitglieder unterkommen, das Hotel wurde von der Bundesregierung ebenfalls für Wochen komplett gebucht. Einen großen Rummel darum will man nicht machen: „Wir sind eigentlich kein Kongress-Hotel“, berichtet Silvia Krahbichler von der Kranzbach-Geschäftsführung. Doch wenn das Kanzleramt diesen Wunsch äußert, könne man schlecht nein sagen.

Ebenso wie Elmau ist das Kranzbach ein besonderer Ort. Die britische Musikerin Mary Isabel Portman hatte es vor dem Ersten Weltkrieg als englisches Schloss errichtet. 1931 wurde das Gebäude von der Evangelischen Kirche Dortmund erworben, um es als Erholungs- und Freizeitstätte für junge Leute aus dem Ruhrgebiet zu nutzen. 2003 verkaufte die Kirche die Immobilie samt der 130.000 Quadratmeter großen Bergwiese an einen österreichischen Hotelier, der das Gebäude mit Millionen und einem Neubau in die Neuzeit führte. Inzwischen ist es mit seinen 130 Zimmern ein exklusiver Rückzugsort inklusive 3500 Quadratmeter großem Wellness-Bereich. Von der breiten Masse will man sich abheben. Gruppen- oder Veranstalterbuchungen werden abgelehnt, ebenso wie kleine Kinder. Nichts soll die Sinne der Gäste stören. Der neue Inhaber sorgte sogar dafür, dass die Stromleitung entlang besagter Privatstraße unter die Erde gelegt wurde. Die wunderschöne Sicht auf das Karwendel- und Wetterstein-Gebirge wird so noch eine Spur perfekter. Bleibt zu hoffen, dass die Gipfel-Teilnehmer den Blick frei haben für diese Traumkulisse.

 
 

EURE FAVORITEN