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Ganz schön ab vom Schuss

16.08.2009 | 10:00 Uhr
Ganz schön ab vom Schuss

Formentera ist die kleinste der Baleareninseln – bietet aber großes Suchtpotenzial

Sie ist nicht viel mehr als ein Klecks im Meer. Im ewig weiten Blau. Die kleine aus dem Mittelmeer, 18 Kilometer lang und nie mehr als zwei Kilometer breit: Formentera. Doch die Insel kann süchtig machen. Zumindest, wenn man der dortigen Regierung glaubt. Die nämlich warnt in ihrer neusten Werbekampagne: „Vorsicht: Ein Besuch kann extreme Zufriedenheit, pure Entspannung und unbändige Lust aufs Wiederkommen verursachen.”

Das Eiland liegt am südlichsten Zipfel der Balearen. 83 von der Welt halbvergessene Quadratkilometer. Kein Flughafen, kein Golfplatz, keine Industrie, dafür aber jede Menge kristallklares Wasser drumherum, azur- und königsblau und so türkis, dass man sich verwundert die Augen reibt. Alle dazugehörigen Inselchen wie Espalmador und Espardell mitgerechnet, kommt Formentera auf 82 Kilometer Küste.

Gerade weil Ibizas kleine Schwester so wunderbar ab vom Schuss liegt, konnte sich in ihren Gewässern eines der größten Lebewesen der Welt entwickeln: Vor drei Jahren war die Sensation perfekt, als dort Seegraswiesen von sagenhaften acht Kilometern Länge entdeckt wurden, die – so schätzen Experten – an die 100 000 Jahre alt sein dürften. Die Pflanze, auch Neptungras genannt, gedeiht prächtig im Naturpark Ses Salines d'Eivissa i Formentera, der sich zwischen dem Süden Ibizas und dem Norden Formenteras erstreckt und inzwischen zum UNESCO-Weltnaturerbe gehört.

Abzutauchen lohnt sich also. Geheimtipp unter Tauchern ist das Inselchen Espardell nordöstlich von Formentera, wegen seiner zahlreichen Höhlen und der ausrangierten Fischzuchtstation am Meeresgrund, der man einen Besuch abstatten kann. Wer andere Wassersportarten vorzieht, lieber schnorchelt, surft, segelt oder Kanu fährt, hat dazu ebenfalls reichlich Gelegenheiten. Sogar Schlauchboote mit 13,5 PS starken Motoren sind zu haben, auf denen man sich ohne Bootsführerschein als Kapitän verdingen kann.

Für Landratten hat die Gemeindeverwaltung 19 „Grüne Routen” zusammengestellt. Abseits der Straßen wandelt oder radelt man durch Dünen- und Pinienlandschaften, kommt an den Weinfeldern der beiden Insel-Bodegas „Terramoll” und „Terra de Formentera” vorbei oder stapft den so genannten Römerweg empor, den 1,5 Kilometer langen Camí Romà, auch als Camí de Sa Pujada bezeichnet, der sich im Osten an den Klippen bergauf gen La Mola schlängelt.

Info
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Anreise: Mit Air Berlin 01805/ 73 78 00, www.airberlin.com ab Düsseldorf, Dortmund, Köln und Münster-Osnabrück nach Ibiza. Von dort mit der Fähre nach Formentera. Die Überfahrt dauert eine halbe Stunde.

Veranstalter: TUI 01805/88 42 66, www.tui.com bietet eine Woche im Vier-Sterne-Hotel, Doppelzimmer, HP und Flug ab 499 Euro. Bei ITS 02203/421 11, www.its.de elf Tage in einer Drei-Sterne-Anlage, Doppelzimmer, HP und Flug ab 485 Euro.

Kontakt: Spanisches Fremdenverkehrsamt, 0211/68 03 98 0, www.spain.info

Ob den Weg allerdings wirklich die Römer gepflastert haben, ist so sicher nicht. Zwar haben die Eroberer die Insel einst besiedelt, sich aber im 5. Jahrhundert nach Christus wieder verdrückt. Aber immerhin: Möglich wäre es schon. Schließlich wusste die einstige Weltmacht durchaus, was gut und schön ist.

Der Blick jedenfalls über die Naturstein-Mäuerchen hinweg, die den Pfad begrenzen, ist spektakulär, weil aus der Vogelperspektive Buchten, Strände und das Fischerdorf Es Caló mit seinem Naturhafen auszumachen sind. Dort entdeckt man neben windschiefen Bootshäuschen eines der bekanntesten Restaurants der Insel: das Can Rafalet, das sich durch Paellas, Fisch und Meeresfrüchte und seiner Terrasse direkt am Meer einen Namen gemacht hat.

Ohnehin ist auf Formentera für Leib und Seele ordentlich gesorgt: In mehr als 200 Lokalen werden Gäste bewirtet. Etwa mit dem traditionellen Bauernsalat, einer ganz eigenen Mischung aus Kartoffeln, Tomaten, Zwiebeln, trockenem Brot und Stockfisch.

Doch war man nicht auf Formentera, ohne einmal im „Fonda Pepe” in Sant Ferran gewesen zu sein. Früher geradezu ein Wallfahrtsort für Hippies, mischen sich heute natürlich viele Touristen unter die Langhaarigen. Das Leben spielt sich dort im Sommer hauptsächlich vor der Tür ab, was praktisch ist, besonders freitags. Dann gibt es Live-Musik vom Kirchplatz nebenan gratis dazu. Was Open Air zu hören ist? Rock 'n' Roll. Wie in den guten alten Zeiten.

Kirsten Lehmkuhl

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2009-08-16 10:00
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