Eine kulinarische Reise zu Texels Bieren

Sommer, Sonne, Strand und Bier: Texel hat eine eigene Inselbrauerei.
Sommer, Sonne, Strand und Bier: Texel hat eine eigene Inselbrauerei.
Die niederländische Insel Texel hat ihre eigenen Bierbrauer. Braumeister Valentin Kriesel und der Braukessel kommen aus Deutschland.

Texel. Was für ein Glück, dass Schafe und Lämmer kein Bier trinken. Denn dann hätte Texel ein Problem. Die Ferieninsel vor Hollands Nordküste zählt nämlich mehr blökende Rasenmäher als Einwohner. Würden die Tiere Bier trinken, würde die kleine Texelse Bierbrouwerij aus allen Nähten platzen. Und genau das wollen die Insel-Brauer nicht – sie wollen seit 16 Jahren klein und fein bleiben. Und jedes Jahr wieder das beliebteste Ziel für alle Inselbesucher sein.

„Texel ist wie Holland en miniature“, werben die Insel-Touristiker. Das westfriesische Eiland ist flach, meerumtost, sturmerprobt und auch in NRW und Niedersachsen sehr beliebt. Alles gut – doch in zwei Dingen liegen die Werber schief. Texel kennt keine Grachten. Und: Die Insel hat das bessere Bier, das sich schmackhaft von den Gerstensäften der bekannten NL-Konzernbrauer unterscheidet. Cheers!

Wir probieren im Strandpavillon Kaap Noord nahe der Ortsschaft De Cocksdorp unser erstes Texel-Bier. Ein „Skuumkoppe“, was übersetzt so viel heißt wie „Schaumkrone“. Ein Bier von hier, ein dunkles Weizen, das zischt, schäumt und seinem Namen alle Ehre macht – was für eine Krone. Die wiederum untypisch ist für Hollands Kneipen, wo die Gläser gerne bis an den Rand gefüllt werden und der Schaum abgeschlagen wird.

Ein bieriges Souvenir –Sehnsuchtsschluck inklusive

Die Schaumkrone schmeckt, ist lokal, da liegt es auf der Hand, die Texelse Bierbrouwerij zu besuchen. Die liegt auf halbem Weg zwischen der Inselhauptstadt Den Burg und Oudeschild, sieht von außen aus wie ein zu groß geratenes Wohnhaus. Das ist jährlich das Ziel von über 30.000 Insel-Touristen, die die flüssigen Spezialitäten in der Brauereikneipe oder im kleinen Biergarten genießen und fast immer auch kistenweise Bier für daheim in den Kofferraum laden. Ein bieriges Souvenir mit dem Come-back-again-Sehnsuchtsschluck inklusive. Kein anderes Solo-Ziel auf Texel hat mehr Besucher. Dabei hat die Brauerei nur rund neun Monate geöffnet, im Winter wird vor allem dann geplant, geputzt, gewerkelt.

„Hartelyk welkom“, begrüßt Gastgeber („gastheer“) Peul van der Lee die Besucher, und führt uns durch das bierige Labyrinth. Alleine würde ich hier nie wieder rausfinden. „Das war mal eine Käserei, bevor wir Ende der 90er Jahre im letzten Jahrtausend als Brauerei anfingen“, erklärt der Gastheer und stellt uns den ersten Braumeister vor. Der heißt Valentin Kriesel (28), kommt aus München, sagt brav „Grüß Gott“, hat in Weihenstephan Brauwesen studiert und sich dann auf eine Stellenausschreibung auf Texel beworben. Und wurde prompt genommen. Die Kombination „Bayern-Bier-Braumeister“ überzeugte die Holländer.

Gute handwerkliche Tradition

Valentin sagt, er wolle ehrliche Biere brauen, „nach guter handwerklicher Tradition“. Die Brautechnik, die er benötigt, kommt zu einem Großteil aus Deutschland: Der Braukessel zum Beispiel aus Süddeutschland, die Abfüllanlage aus Köln. Gebraut werden ausschließlich obergärige Biere, zwölf an der Zahl, die in der Brauerei immer vorrätig sind, draußen in den Kneipen und Shops aber nur bedingt. Alle Biere sind „stark“, fangen bei fünf Prozent Alkohol beim Weizenbier (Texels Wit) an und hören beim „Stormbock“ mit satten zehn Prozent auf. Dazwischen schmecken „echt lecker“, wie der Holländer sagt, Biere wie „Eyerlander“ (ein Amber Bier), „Springtij“ (mildes Frühlingsbier) oder „Donkerd“ (ein dunkles IPA).

Braumeister Valentin hat sein Glück gefunden auf Texel und hat bei aller Arbeit seine bayerische Bierruhe nicht verloren. „Alle ein oder zwei Jahre ein neues Bier, das ist unser Ziel“, sagt er und könnte sich vorstellen, dass demnächst ein alkoholfreies Weizenbier die Angebotspalette der Inselbrauerei bereichert. „Wir arbeiten dran, ‚bleifreie‘ Biere liegen ja im Trend“, schmunzelt er und antwortet auf die Frage, was ihm, dem Bayer, hoch im Norden Hollands denn fehle, spontan und direkt: „Ein g’scheiter Schweinsbraten mit Klößen und ein Biergarten wie in München.“

Weil Erfolg bekanntlich süchtig machen kann, gibt’s auf Texel inzwischen eine kleine, zweite Craft-Brauerei, „De Boei“ (die Boje) auf dem Landgut De Bonte Belevenis im Süden der Insel. Joscha Schoots braut mit einem Kollegen ober- und untergärige Spezialbiere mit klangvollen Namen wie „Windkracht 8“ (Windstärke 8), „Dichte Mist“ (dichter Nebel) oder „Noorderzon“ – ein Lagerbier mit Honig. Wer’s mag.

 
 

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