Der Wandertipp von Manuel Andrack

Foto: MSG

Beste Verbindungen für NRW-Wanderer

Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah. Man braucht nicht direkt auf Mallorca zu wandern, wenn es vor der Haustür tolle Wandergebiete gibt. In den letzten Jahren bin ich deshalb viel in NRW unterwegs gewesen. Dabei ist es für mich völlig selbstverständlich, als Naturliebhaber mit Bus und Bahn zu reisen.

Gerade Nordrhein-Westfalen mit seinem gut ausgebauten Nahverkehrsnetz macht es leicht, tolle Landschaften an Rhein, Ruhr und Lippe mit Bus und Bahn zu erreichen. Mein Tipp: Lassen Sie Ihr Auto doch einfach mal stehen. Ich verspreche Ihnen, Sie werden unterwegs viel erleben. Viel Spaß!

Zum Wandern lieber ohne Auto (Teil 2)

Wandern heißt Natur lieben. Deshalb fahre ich aus Überzeugung zum Wandern mit Bus und Bahn. Denn: Wer mit dem Auto zum Wandern fährt, muss entweder den gleichen Weg zurück oder einen Rundwanderweg laufen. Das ist so wenig spontan. Zudem kehre gerne mal in einen Biergarten ein. Tja, aber für Autofahrer sind Weizenbier oder Weißweinschorle passé... Sie merken, ganz dezent möchte ich darauf hinweisen, dass man all diese Probleme nicht hat, wenn man sich für den Nahverkehr entschieden hat. Stressfrei bringen Sie Bus und Bahn zu Ihren Wandertouren und nachher wieder entspannt zurück. Sogar ein Nickerchen ist möglich. Herrlich!

Wandern nach Plan (Teil 3)

Da ich auch nie ohne Einkaufszettel einkaufe, plane ich meine Wanderungen minutiös. Dazu setze ich mich mit Wanderführer, Karten, Kilometerrädchen und Kursbuch hin und beachte fünf wesentliche Dinge. Zwei stelle ich heute vor:

Erreichbarkeit: Wie komme ich mit Bus und Bahn hin und zurück. Das Kursbuch hilft die Fahrt zu planen.

Weg-Länge: Meine Wanderdurchschnittsgeschwindigkeit (WDG = gelaufene Kilometer : Netto Wanderzeit) bestimmt die Länge der Tour. Ich fahre mit dem Kilometerrädchen die Strecke nach und lege Start und Ziel fest. 4 km/h ist eine typische WDG für eine Gruppenwanderung. Alles klar? Dann auf zur Wanderung!

Wandern nach Plan (Teil 4)

Na, haben Sie das Auto mal stehen lassen und die Vorzüge von Bus und Bahn genossen? Hier die nächsten drei Tipps:

Hotels und Gaststätten am Wegesrand: Manchmal plane ich eine Übernachtung ein oder möchte unterwegs eine Pause machen. Also schaue ich, was es so auf der Strecke gibt. Wichtig: um nicht vor geschlossenen Türen zu stehen, Öffnungszeiten prüfen!

Stil des Weges: Das hängt davon ab, ob ich durchs Tal möchte oder Lust auf Kraxelei habe. Wanderwege sind wie Kleidungsstücke: Die einen passen, die anderen nicht.

Führung des Wanderweges: Für mich sind gute Pfade schmal und ausschließlich Fußwege, die auch nur „Gehen" zulassen.

Gut eingepackt (Teil 5)

Bei Rucksäcken ist Qualität gefragt. Bei billigen Plastik-Teilen schwitzt man schnell am Rücken, der Stoff wird nass. Daher setzte ich auf Super-Rucksack-Kunststoff und nicht so große Rucksäcke. Wichtig sind stabile, gepolsterte Schulterriemen, Bauch- und Brustgurt. Und das kommt rein: Mineralwasser (Plastikflasche wegen Gewicht und Sicherheit), Sonnenbrille, Regenjacke und für den kleinen Hunger einen Schoko-Cerealien-Riegel, Wanderkarte, Fotoapparat, Block und Stifte, Taschentücher, Streichhölzer, Sonnenmilch und die „Schlaue Nummer” für Bus und Bahn, wenn ich mal schnell eine Info zur Bahnverbindung brauche. Fertig!

Der Sockentrick (Teil 6)

Bitte nicht in Straßenschuhen zum Wandern aufbrechen, schmerzende Füße und Blasen sind dann vorprogrammiert. Nachdem ich viel Schuhwerk ausprobiert habe – vom teuren, aber viel zu klobigen und schweren Wanderschuh bis zum Billig-Wanderschuh - wandere ich heute nur noch in Turnschuhen. In Kombination mit der richtigen Socke kann ich Blasen fast ganz vermeiden. Mein Tipp: Wander-socken über „normale” Socken ziehen. Das mache ich übrigens auch im Sommer bei Sandalen. Sandalen sind prima: die Füße schwitzen nicht so und der Zeh stößt beim Bergabsteigen nicht an. So genieße ich die Wanderung, sitze nach der Tour in Bus und Bahn, strecke meine Beine aus und lasse den Tag genüsslich ausklingen.

Die richtige Wahl (Teil 7)

Bevor ich mich mit Bus und Bahn auf den Weg ins Grüne mache, schaue ich nach dem Wetterbericht. Danach treffe ich die Jacken-Wahl: Fleece, Gore-Tex oder Regenjacke. Für mich ist wichtig, dass sie sich um den Bauch knoten lässt. Bei der Hose habe ich mich gegen die klassische Kniebundhose und für Jeans entschieden. Wenn's warm ist, trage ich Stoffhosen mit abnehmbaren Beinen. Allerdings wird man dann an der Wade schnell von Insekten und dornigem Gestrüpp erwischt. Wichtig ist auch die richtige Unterhose. Sexy Tangas oder Shorts können Schürfungen verursachen. Besser eine Sportunterhose tragen.

Gute Führung (Teil 8)

„Gute Führung” ist alles! Damit ist nicht das vorbildliche Verhalten im Gefängnis gemeint. „Gute Führung” ist Wanderdeutsch und bezieht sich auf die Beschaffenheit des Weges. Denn häufig ziehen sich ausgewiesene Strecken an Bundesstraßen entlang – das ist kein Wanderweg, sondern ein Selbstmordprogramm. Ist der rettende Forstweg erreicht, donnern Holztransporter vorbei. Ein Weg auf der Karte, der sich durch Felder und Wälder schlängelt, macht zunächst einen guten Eindruck. Später entpuppt er sich als asphaltierter Wirtschaftsweg. Der ideale Wanderweg ist schmal und lässt sich nur begehen. Also, studieren Sie die Weglegende richtig. Dann sollten Sie den Heimweg planen – so vermeiden Sie Wartezeiten.

Müll entsorgen! (Teil 9)

Ein guter Wanderer achtet die Natur: Das bedeutet, dass er seinen Müll selbst wieder mitnimmt und entsorgt. Ich habe mich sowieso immer gefragt, wer die Mülleimer an den einsamsten Orten entleert. Scheinbar wissen das die Verantwortlichen auch nicht, weswegen viele Körbe an Rastplätzen überquellen. Auch Lärm muss nicht sein, ein guter Wanderer verhält sich zum Schutz des Wildes still. Ich muss zugeben, dass mir schon mal ein Liedchen über die Lippen gegangen ist, doch das würde ich nicht als Ruhestörung zählen. Und nicht vergessen: Ein guter Wanderer sammelt nicht nur Müll, er fährt auch Bus und Bahn.

 
 

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