Veröffentlicht inReise

Beach Club Six – Mallorcas Kult-Kiosk hat sich verändert

Beach Club Six – Mallorcas Kult-Kiosk hat sich verändert

Beach Club "Ballermann 6".jpg
Der Beach Club "Ballermann 6" auf Mallorca wurde umgestaltet: Die Einrichtung soll jetzt stilvoller wirken. Foto: dpa
Der Ballermann 6 macht sich schick. Die kleine Strandbude wird jetzt zum „Beach Club Six“ und steht für die Umstrukturierung des Ballermanns.

Palma. 

Weg vom Sangria-Eimer: Mit neuem Look und neuem Namen ist die bei deutschen Touristen als „Ballermann 6“ bekannte Strandbar auf Mallorca am Wochenende in die neue Saison gestartet.

Statt als Aluminiumbüdchen mit rotem Dach präsentiert sich das Lokal an der Playa de Palma nun schicker, dezenter. Naturholz, mattes Petrol- und Olivgrün und Weiß dominieren die Optik. Auch der neue Name ist betont mondän: „Beach Club Six“ heißt der Partykiosk nun auf Englisch.

Der Ballermann soll schicker werden

Trotz strahlenden Sonnenscheins am glitzernd-blauen Mittelmeer sind zur Eröffnung aber nur wenige Tische besetzt. Die Riesenparty bleibt aus. Und das liegt nicht allein daran, dass auf Mallorca noch Nebensaison herrscht. Zuvor hatte sich die Betreibergesellschaft „Mar de Mallorca“ bemüht, möglichst kein Aufsehen um die Neueröffnung des frisch gestrichenen Beach Clubs zu machen. Und das hat einen Grund: Der Ballermann soll schicker, leiser und nüchterner werden.

„Das ist genau der Stil, den wir für die Playa de Palma suchen“, zitiert die „Mallorca Zeitung“ Juan Miguel Ferrer zu der Neugestaltung. Ferrer ist Geschäftsführer der Initiative Palma Beach, die sich für mehr Qualität am berühmten Urlaubsstrand einsetzt.

Sangria-Eimer wurden zum Symbol des unkontrollierten Party-Urlaubs

Der Name Ballermann 6 steht wie kaum eine andere Bude für die Exzesse deutscher Touristen ab Mitte der 90er Jahre. Ein mit der Weinbowle Sangria gefüllter Eimer, aus dem junge Leute mit langen Strohhalmen trinken, wurde zum Symbol des unkontrollierten Party-Urlaubs. Der nach dem Kult-Kiosk benannte Ulk-Streifen „Ballermann 6“ von Tom Gerhardt tat 1997 sein Übriges, um den Mythos zu verfestigen.

Manolo Alcalá schenkt schon seit 20 Jahren an der Bar des Strandlokals aus und möchte gleich mit einem Vorurteil aufräumen: „Wir selbst haben nie Sangria in Eimern verkauft. Das haben sich die Leute immer aus den benachbarten Kiosken geholt.“

Meint er denn, dass die Umgestaltung wirklich einen gewissen Typ Touristen fernhalten wird? „Die Exzesse sind in den vergangenen Jahren ohnehin zurückgegangen. Oder sie haben sich zumindest auf die anderen Lokale verteilt“, erzählt der Barkeeper.

Touristen sehen die Neuerung skeptisch

Dass sich allein durch den neuen Look etwas ändern könnte, daran wollen Gabi und Ken aus Oldenburg nicht recht glauben. „Es ist ein erster Schritt, aber um eine andere Klientel zu locken, müsste man schon die ganze Straße komplett renovieren“, sagt Ken. Das Design sei seiner Meinung nach eher unspektakulär. „Der neue Name passt aber zum Ambiente.“

Die Herkunft des alten Namens ist umstritten. So könnte es sich um eine Verballhornung des spanischen Wortes „Balneario“ handeln. So heißen die von 1 bis 15 durchnummerierten Strandbars an der Playa de Palma. Aber auch eine Karlsruher Imbissbude wird häufig als Namensgeber zitiert. Gleichzeitig bezieht sich der Begriff Ballermann nicht nur auf das Lokal mit der Nummer 6 (B06), sondern auf den gesamten Strandabschnitt der beliebten Playa.

Im Rahmen der Umstrukturierungspläne waren zuvor bereits andere Strandkioske umgestaltet worden. Zuletzt bekam der Balneario 8 einen neuen Look. Der Strandkiosk heißt seit 2015 „The Eight“ und lockt die Gäste mit schicken Sitzmöbeln und eleganten Blau-Weiß-Tönen.

Das Essens-Angebot bleibt dasselbe

Zum Konzept des Beach Clubs 6 gehört auch, dass im Sommer praktisch direkt am Wasser bewirtet wird. Eine kleine Holzterrasse wurde bereits an der Strandpromenade aufgebaut. An der Speisekarte hat sich aber wenig geändert. Man habe lediglich einen Burger hinzugefügt, heißt es auf Nachfrage. Ansonsten gibt es weiterhin Sandwiches, Hot Dogs, Salate und Pommes.

Hartgesottene Ballermann-Fans wird die Veränderung ohnehin nicht abschrecken. Nicole aus Magdeburg verbringt vier Mal im Jahr eine Woche am bekannten Strandabschnitt. Dass das kleine Bier mit 3,45 Euro etwas teurer geworden ist, sei ihr aufgefallen, sagt die Altenpflegerin. Der neue Name hingegen nicht. „Ach, das macht auch nichts“, sagt sie. „Ballermann bleibt Ballermann.“ (dpa)