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Auf der Aussichtsplattform des neuen Londoner Giganten „The Shard“

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Ganze 310 Meter erstreckt sich der Koloss von London namens „The Shard“ in die Höhe. Die Besucherplattform an der Spitze des Gebäudes wird im Februar für alle geöffnet, die eine ganz neue Aussicht auf die Millionenstadt London erleben wollen. Ein Vorgeschmack auf das, was man erwarten darf.

London. 

Jetzt bloß nicht das Wischwasser umkippen: In luftiger Höhe über der Themse-Stadt reinigen Fensterputzer zurzeit die Scheiben von „The Shard“, dem neuesten und größten Wolkenkratzer Westeuropas. Schlierenfrei sollte die Aktion auf jeden Fall verlaufen, denn ab Februar 2013 lockt die Besucherplattform mit „Europas schönstem Rundumblick“. Ein Test-Besuch.

Der Fahrstuhl ist fensterlos, doch nach 27 Etagen in wenigen Sekunden kann man die Höhe bereits spüren – im Ohr und im Magen. Die Bewohner New Yorks werden den Höhenrausch im Lift gut kennen, in London aber ist dieses Gefühl ganz neu. Andere Büro-Hochhäuser an der Themse sind für die Öffentlichkeit nicht zugänglich, der Aufstieg in die Kuppel der St. Paul’s Kathedrale, ein Riese nach alten Maßstäben, erfolgt zu Fuß – wer da ein Pfeifen im Ohr hört, müsste sich nicht um den Druckausgleich Sorgen machen, sondern um seine Kondition.

Beste Sicht auch bei schlechtem Wetter

Mit 310 Metern Höhe ist „The Shard“ nicht nur ein Gigant in Großbritannien. Außer dem Moskauer „Mercury City Tower“ gibt es in ganz Europa kein extremeren Höhenrekord in der Architektur. Auf die öffentliche Besucher-Plattform sind die Designer aus dem Team rund um Renzo Piano deshalb besonders stolz: „Eine Landmarke wird schließlich erst geliebt, wenn die Leute ihren Gipfel erklimmen dürfen.“ Dazu stehen den Sportlichen 306 Treppenabsätze zur Verfügung – alle anderen Gäste fahren bitte Lift.

In unter einer Minute Flugzeit landen die Silberkabinen auf Etage 59. Ein dezentes „Ping“ erklingt, dann öffnen sich die Türen im Londoner Himmel. Fast. Hubschrauber umkurven die Galerie mit XXL-Fenstern auf Augenhöhe der Besucher. Das graue Zwielicht, das einen beim Verlassen der U-Bahn-Station „London Bridge“ noch am Boden begrüßt hat, ist weit weg. Hier oben füllt gleißendes Tageslicht die 360-Grad-Aussichtsetage. Zu Fuße schlängelt sich auf der Nordseite die Themse durch den Betondschungel, Züge in Spielzeug-Größe verlassen den Bahnhof Waterloo. St. Paul’s, das Olympia-Stadion, die laubgrünen Vororte – Londons Stadtgeschichte lässt sich von hier oben auf einen einzigen Blick begreifen. 64 Kilometer weit reicht die Sicht – dank „Tellscopes“, Ferngläsern mit Anti-Nebel-Effekt, sogar bei schlechtem Wetter.

Neue Attraktion für das verlassene Viertel

„Die zwölf Jahre Bauzeit waren keine einfache Reise“, so Mit-Investor Irvine Sellar. „Das Gebäude musste direkt neben einem Bahnhof, einer U-Bahn-Station und einem Krankenhaus errichtet werden.“ 95 Etagen gibt es insgesamt, 78 davon sind bewohnbar. Das Innenleben dieses markanten Hauses mit seinen 11.000 Glasscheiben soll wie eine „vertikale Stadt“ funktionieren: In die oberen Geschosse zieht ein Hotel der Shangri-La-Gruppe, Restaurants sind zudem geplant. Für luxuriöse Penthouse-Wohnungen und Büros werden zurzeit noch Mieter gesucht. Ab 1. Februar 2013 öffnet die Besucherplattform. Tickets sind schon jetzt erhältlich.

5000 Besucher haben jeden Tag auf der 59. Etage Platz. Warteschlangen und Überfüllung soll es trotz großer Resonanz und Taschenkontrollen im Erdgeschoss nicht geben: Alle Tickets werden an eine bestimmte Eintrittszeit gekoppelt. „Oben bleiben kann man dann so lange, wie man will“, erklärt Andy Nyberg, Geschäftsführer der Besucherattraktion. Ohne Sitzplätze oder Café hängt die Verweildauer wohl allein vom persönlichen Durchhaltevermögen ab.

Mit dem Koloss, der unübersehbar die Skyline der Stadt dominiert, wollen die Investoren auch die Abwärtsspirale des Viertels aufhalten. Seitdem die Docks als Handelshäfen in den 60er Jahren geschlossen worden sind, gab es nur noch wenige Gründe, sich in Shakespeares altes Wohnrevier zu verirren. Im Doppelpass mit dem berühmten Feinschmecker-Magneten „Borough Market“ auf der anderen Seite der Brücke könnte „The Shard“ nun dem gesamten Bezirk zu neuen Höhenflügen verhelfen.