18. Eintrag: Besuch im Dorf

Foto: MSG

Zischenstopp in Manaus, der quirligen Stadt am Amazonas. Johannes Milkereit erforscht die Stadt mit der Nase und dann geht es weiter auf dem Amazonas Richtung Osten, der Sonne entgegen.

Manchmal lädt ein Platz zum Verweilen ein. So Manaus, die quirlige Amazonasmetropole. Die Altstadt mit ihren Bazar ähnlichen Ladenstraßen, in denen sich Millionen Laute überlagern, Gerüche aus Imbissen die Nase reizen und Menschen, die sich aus allen Völkern Brasiliens gemischt zu haben scheinen, ist einfach nicht an einem Tag zu erkunden. Am Abend gibt es auch noch eine Freivorstellung im Teatro Amazonas und es böte sich die einmalige Chance, die sagenhafte Akustik dieser Oper mit eigenen Ohren zu vernehmen.

Am Abend werden wir mit einer Begrüßungsparty für hinzugekommene Gäste entschädigt. Nach einigen Gläsern leckeren Bordsektes holen einige der in das tropische Klima (35 Grad mit 90 % Luftfeuchtigkeit) hineinkatapultierten Gäste ihr Badezeug und versinken zischend im Pool. In der Frühe setzt sich der Trost mit der bisher schönsten Morgendämmerung fort. Wir fahren Ostkurs und die Sonne scheint direkt aus dem breiten Strom aufzusteigen.

Zum Frühstück erreichen wir schon unseren Tagesankerplatz vor dem Indianerdorf Boca do Valeria. Der Ort hat natürlich keine Anlegepier und so werden zum wieder-holten Mal die Tenderboote klar gemacht. Den ganzen Tag über ist Zeit, zum Ufer überzusetzen, um in kleinen Gruppen die Caboclos (Menschen am Fluss) zu besuchen. Die freuen sich offensichtlich und einige haben zu Feier des Tages die Kostüme ihrer Brauchtumsfeste angelegt.

Die wenigen Holzhäuser des Dorfes sind auf zwei Meter hohen Pfählen errichtet und an ihrer Lage kann man erkennen, zu welcher Höhe der Amazonas an dieser Stelle anschwellen kann. Die Wege sind uneben und aus durch die Hitze aufgeplatzter Schlammerde. Zwischen den Häusern kann man den Waschplatz des Dorfes erkennen, der an einem kleinen, sich aus dem Regenwald schlängelnden Bach liegt.

In der Mitte des Ortes liegt eine originelle Cantina, von deren ebenfalls auf Pfählen ruhender Terrasse sich der Blick öffnet auf das Dorf und das abfallende Gelände hinunter zum Strom.

Das Märchen vom Kolibri-Mädchen

In der Schule des Ortes, dem einzigen Gebäude, das farbenfroh angemalt ist, lerne ich die Lehrerin Ilza Alves da Silva kennen. Wegen der enormen Hitze und der Ankunft des Schiffes ist der Unterricht für heute schon beendet. Die sympathische Frau erzählt mir in passablem Englisch, dass sie heute zu Feier des Tages den 37 Kindern das uralte Märchen von Arua, dem Kolibrimädchen erzählt hat.

Von der Mutter nicht beachtet, sei das Kind im kindlichen Übermut auf einen hohen Baum geklettert, und, oh Schreck, heruntergefallen. Das ganze Dorf weinte um das beliebte Kind. Das rührte die Regenwaldgeister so sehr, dass sie die kleine Indianerin in einen zarten Kolibri verwandelten, der von da ab den Wald verschönerte. Für den Rest der Reise werde ich nach diesem hübschen kleinen Vogel Ausschau halten.

1. Eintrag: Es geht wieder los

2. Eintrag: Die Abreise

3. Eintrag: Der erste Tag auf See

4. Eintrag: Madeira

5. Eintrag: Captain's Dinner

6. Eintrag: Besuch in der Schiffsküche

7. Eintrag: Die Kapverdischen Inseln

8. Eintrag: Juan Tabscos scharfer Auftritt

9. Eintrag: Blinder Passagier an Bord

10. Eintrag: Wettkampf auf hoher See

11. Eintrag: Äquatortaufe

12. Eintrag: Land in Sicht

13. Eintrag: der Amazonas

14. Eintrag: der Regenwald

15: Eintrag: Senhoras fantastico

16. Eintrag: Die Sambatruppe wartet schon

17. Eintrag: Undurchdringliches Grün

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