Düsseldorf

Schülerin (16) erforscht Schicksal ihres Ur-Opas – das Ergebnis ist bedrückend

Eine Schülerin erforschte mithilfe des Deutschen Roten Kreuzes das Schicksal ihres Ur-Opas.
Eine Schülerin erforschte mithilfe des Deutschen Roten Kreuzes das Schicksal ihres Ur-Opas.
Foto: imago images

Düsseldorf. Das Schicksal von Lara Radings Ur-Opa war mehr als 70 Jahre ungeklärt. Jetzt hat seine Ur-Enkelin die Geschichte aufgedeckt.

Heinrich Evers kämpfte als Soldat im Zweiten Weltkrieg und galt als „vermisst im Osten 1944“. So stand es auch auf dem kleinen runden Anhänger, den die Großmutter von Lara Rading (16) immer trug.

Zweiter Weltkrieg: Schülerin erforscht Schicksal ihres Ur-Opas

Als die Schülerin aus Dresden eine Dokumentation über den Zweiten Weltkrieg mit ihrer Großmutter, der Tochter des Vermissten Heinrich Evers, schaut, kann die Oma irgendwann nicht mehr hinsehen. „Bei den Bildern von Soldaten auf dem Rückzug im Osten hat meine Großmutter mit den Tränen gekämpft“, erzählt die Schülerin.

Ihre Oma habe den Raum mit den Worten „Das kann ich nicht sehen, ich denke dann immer an meinen Vater“ verlassen. Ihre Enkelin Lara Reding beginnt Nachforschungen, wendet sich an den Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes.

Ur-Opa verhungerte

Und tatsächlich, obwohl ihre Großmutter bereits 1974 und 2013 Anfragen an den Deutsches Rotes Kreuz Suchdienst (DRK) gestellt hatte, gibt es diesmal die Auflösung des Schicksals von Heinrich Evers. Es ist ein Trauriges.

In einer Akte aus einem russischen Militärarchiv steht geschrieben, dass Evers in Kriegsgefangenschaft in der Ukraine an Dystrophie dritten Grades gestorben ist. Kurzum: Er ist kurz nach Kriegsende in einem Lager in der heutigen Ukraine verhungert.

„Endlich Gewissheit“

Dennoch: „Meine Familie und ich haben nach all den Jahrzehnten nun endlich Gewissheit und einen Ort, an dem mein Urgroßvater bestattet wurde.“

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Tausende Suchanfragen beim Deutschen Roten Kreuz

Unglaubliche 8.939 Suchanfragen zu Vermissten aus dem Zweiten Weltkrieg gingen 2018 beim Deutschen Roten Kreuz ein. Dr. Hilde Heij, Leiterin des Suchdienstes im DRK-Landesverband Nordrhein, hat eine einfache Begründung dafür: „Es ist ein einfacher menschlicher Wunsch, zu wissen, was mit unseren Vorfahren geschehen ist. Hier gibt es noch einen Riesenbereich, der noch nicht aufgeklärt ist.“ Oft seien es Enkelkinder, die wissen wollen, was mit ihren Großeltern oder anderen Vorfahren passiert ist.

Die Öffnung vieler Archive, beispielsweise in der Sowjetunion, hilft dabei.

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Doch der DRK Suchdienst hilft auch ganz aktuell Familien, die sich auf der Flucht nach Europa aus den Augen verloren haben, wieder zusammenzuführen. Vorbild ist hier die Suche nach Angehörigen nach dem Zweiten Weltkrieg. Damals wurden Bilder von Gesuchten in Büchern ausgelegt, heute gehe das aus Datenschutzgründen nicht mehr, so Heij. Daher veröffentlichen Suchende ihre Bilder auf dem Portal „Trace The Face“.

Suche auch in Zeiten von Handys manchmal schwierig

„Über Trace the Face können Flüchtlinge, die nach vermissten Angehörigen suchen, ein Foto von sich selbst einstellen lassen und so auf ihre Suche aufmerksam machen“, erklärt Heij.

2018 wurden vom Suchdienst über 2000 neue Suchanfragen von Geflüchteten aufgenommen. „Man denkt vielleicht, in Zeiten der sozialen Medien ist es doch einfach, jemanden zu finden. Aber so ist es nicht“, erklärt die Leiterin des Suchdienstes. Auf der Flucht gingen Handys oder Handynummern verloren, in manchen Regionen gebe es auch schlicht keine Telefone.

„Sehr aufwendige Arbeit“

Geht eine Suchanfrage ein, machen sich die Rote Kreuz-Mitarbeiter auf die Suche: „Meist geht ein Rote Kreuz-Mitarbeiter persönlich zu dem letzten bekannten Kontakt, recherchiert, wer der Dorfälteste ist, wer Infos haben könnte. Das ist eine sehr aufwendige Arbeit“, erklärt Heij.

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Einsatz auch bei Loveparade

654.412 mal wurde der internationale Suchdienst im letzten Jahr kontaktiert. 7.020 Personen konnten dank des DRK gefunden werden.

Doch nicht nur bei Flucht und Vermissten ist der Suchdienst im Einsatz. Auch bei der Loveparade-Katastrophe in Duisburg halfen DRK-Mitarbeiter, damit Angehörige Informationen über mögliche Opfer erhielten.