Zu viel Nitrat im Grundwasser - Deutschland droht EU-Strafe

Ein zu hoher Nitratwert im Wasser kann gesundheitsschädlich sein, für Säuglinge sogar tödlich.
Ein zu hoher Nitratwert im Wasser kann gesundheitsschädlich sein, für Säuglinge sogar tödlich.
Foto: dpa
Der Nitratwert in deutschem Grundwasser ist oft höher als erlaubt. Deshalb droht die EU-Kommission laut einem Medienbericht jetzt mit einem Verfahren.

Essen/Brüssel.. Die EU-Kommission sorgt sich um die Wasserqualität in Deutschland und droht Berlin offenbar mit einem Vertragsverletzungsverfahren, sollte sich die Bundesregierung nicht um das Problem kümmern. Das berichtet der WDR und beruft sich eine "Pilotanfrage" der Kommission, die der Redaktion vorliege. Dieses Schreiben an Berlin sei die letzte Warnstufe vor einem offiziellen Verfahren.

Der Hintergrund: Die EU-Kommission wirft Deutschland vor, zu wenig gegen die Grundwasser-Verschmutzung mit Nitrat zu unternehmen. Deutschland hat nach Malta die höchste Nitrat-Verschmutzung des Grundwassers innerhalb der EU. In Nordrhein-Westfalen kann deshalb bereits aus rund 40 Prozent aller Grundwasservorkommen ohne entsprechende Aufbereitung kein Trinkwasser mehr gewonnen werden.

Wasserwerke mischen Wasser, um Grenzwerte einzuhalten

In großen Wasserwerken wird deshalb nitratbelastetes mit "sauberem" Wasser vermischt, um die vorgeschriebenen Grenzwerte einzuhalten. Doch in NRW gibt es mehrere tausend Haushalte, die nicht ans zentrale Wassernetz angeschlossen sind und ihr Trinkwasser aus Hausbrunnen beziehen. Auch dieses Wasser ist nach WDR-Recherchen in vielen Fällen stark mit Nitrat belastet. Betroffene sollten den Nitrat-Wert des Wassers überprüfen lassen und es gegebenenfalls nur zum Bewässern des Gartens nutzen, sagt der Sprecher des Landesumweltamts (Lanuv) Peter Schütz.

In der EU gilt für Grund- und Trinkwasser ein Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter, die WHO empfiehlt 25 mg/L. Bei Säuglingen kann Nitrat zu "Blausucht" und zum Erstickungstod führen.

Gülle ist die Hauptursache für Nitrat-Belastung

Hauptursache für die hohen Nitratwerte ist die Landwirtschaft: Das Nitrat gelangt ins Grundwasser, wenn Landwirte ihre Felder mit Gülle düngen. Das NRW-Umweltministerium hatte deshalb unlängst angekündigt, seine Kontrollen in diesem Bereich verdoppeln zu wollen.

Von 2011 bis 2014 stieg die Summe der in Nordrhein-Westfalen verhängten Bußgelder von 46.000 auf 240.000 Euro. Die Zahl der erwischten schwarzen Schafe ist aber mit zuletzt 185 eher übersichtlich. In einem Extremfall musste ein Bauer laut NRW-Landwirtschaftskammer 50.000 Euro zahlen. Zudem droht Gülle-Sündern der Entzug von Fördergeldern.

Verhindert die Bauern-Lobby Gesetzesänderungen?

Die Sanktionsmöglichkeiten der Landesregierung sind aber begrenzt. Die Novelle der Dünge-Verordnung und des Dünge-Gesetzes ist Aufgabe der Bundesregierung, doch dort hakt es derzeit. Umweltschützer monieren, Bauern-Lobbyisten würden die Umsetzung verhindern. Die Androhung eines Vertragsverletzungsverfahrens aus Brüssel könnte jetzt Bewegung in den Prozess bringen.

Kurzfristig wird sich das Problem aber nicht lösen lassen. Nitrate sickern sehr langsam ins Grundwasser. "Selbst wenn der Gebrauch von Gülle heute verboten würde, würden die Nitratwerte zehn Jahre lang weitgehend unverändert bleiben", sagt Lanuv-Sprecher Schütz, "Es dauert 20 bis 30 Jahre, bis die Belastung deutlich zurückgeht." (dor/dum)

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