Zu schnelles Fahren bleibt Todesursache Nummer eins

Im Vergleich zum Vorjahr starben 56 Radfahrer weniger – ein Rückgang um 31 Prozent.
Im Vergleich zum Vorjahr starben 56 Radfahrer weniger – ein Rückgang um 31 Prozent.
Foto: dpa
Weniger Menschen als im Vorjahr verloren im Straßenverkehr in Nordrhein-Westfalen ihr Leben. 479 Menschen starben, das waren 49 weniger als im Jahr 2012. Doch es geht immer noch gefährlich auf den Straßen in NRW zu. Fußgänger waren die tragische statistische Ausnahme: 109 Tote.

An Rhein und Ruhr. Weniger Tote, weniger Schwerverletzte – und ein Minusrekord bei den Opferzahlen an Rhein und Ruhr. 479 Menschen verloren im vergangenen Jahr ihr Leben im Straßenverkehr, 49 weniger als 2012. Ein positiver Trend, der dennoch täuscht. Denn wie gefährlich es auf den Straßen in NRW immer noch zugeht, machte Innenminister Ralf Jäger (SPD) in einem Vergleich mit dem Luftverkehr klar: Weltweit kamen im Jahr 2013 bei Flugunfällen 251 Menschen um.

Fußgänger waren die tragische statistische Ausnahme. 109 Menschen, die zu Fuß unterwegs waren, wurden getötet – ein Anstieg um fünf Prozent. Die Analyse zeigt, dass 60 von ihnen den Unfall selbst verschuldet hatten. In vielen Fällen wurden rote Ampeln ignoriert. „Deshalb wird die Polizei auch weiterhin Verstöße von Fußgängern konsequent ahnden“, so Jäger. In fast jedem zweiten Fall traf die Schuld die Autofahrer. Sie übersähen häufig, dass Fußgänger „keinen Sicherheitsgurt, keinen Airbag und keine Knautschzone haben“.

35 Prozent der Schulweg-Unfälle im Umfeld der Schule

Das Gefühl der Sicherheit erweist sich oft als trügerisch. Nach Angaben des Verkehrsforschers Andre Bresges belegen Statistiken, dass sich 35 Prozent der Schulweg-Unfälle im Umfeld der Schule ereignen, aber 60 Prozent in der Nähe der elterlichen Wohnung, weil Raser dort meist nicht mit Radarfallen rechnen. Auch deshalb forderte Bresges verstärkt Tempokontrollen „in der Fläche“.

Zu schnelles Fahren bleibt Todesursache Nummer eins. Jeder dritte Verkehrstote wurde ein Opfer überhöhter Geschwindigkeit. Viele von ihnen hatten sich selbst an die Verkehrsregeln gehalten. Oft entscheidet schon ein kleiner Druck aufs Gaspedal über Leben und Tod. „Wenn es uns gelingt, das Durchschnittstempo um zwei Stundenkilometer zu reduzieren, wären 15 Prozent weniger Unfälle die Folge“, sagt Jäger.

Niedrigster Wert bei den Motorradunfällen

Bei den schweren Motorradunfällen registrierte die Polizei mit 69 Toten den niedrigsten Wert seit zwei Jahrzehnten. Im Vergleich zum Vorjahr starben auch 56 Radfahrer weniger – ein Rückgang um 31 Prozent. Als erfreulich strich Jäger zudem rückläufige Unfallzahlen bei Fahranfängern heraus. Dabei sank die Zahl der Getöteten um 25 Prozent auf 68. Noch nie seit Auswertung der Daten vor 44 Jahren haben es bei den unter 24-Jährigen weniger Tote und Verletzte gegeben. Eine Ursache sei das begleitete Fahren mit Erwachsenen.

Neben den Verkehrstoten sank auch die Zahl der Schwerverletzten um fünf Prozent auf insgesamt 12.109. Dabei blieb die Gesamtunfallzahl – vom kleinen Kratzer bis zum Totalschaden – mit 573 320 nahezu konstant. „Mehr Kontrollen bedeuten weniger schwere Unfälle“, sagte Jäger. Im Jahr 2013 blitzte die Polizei über zwei Millionen Autofahrer, die zu schnell unterwegs waren.

Die Diskussion um den Blitz-Marathon

Unter dem Strich will der Minister festgestellt haben, dass immer mehr Verkehrsteilnehmer ihre Geschwindigkeit „anpassen“. In Dortmund etwa habe sich nach Daten der Polizei innerhalb von zwei Jahren die Höhe der Tempo-Überschreitungen von 14,6 auf 10,2 km/h reduziert. Ähnliche Werte bestätigen Messungen im Kreis Düren. „Der Blitz-Marathon wirkt“, folgerte Jäger.

Genau das bestreitet die CDU. Für Fraktionsvize Peter Biesenbach ist der Effekt der regelmäßigen 24-Stunden-Jagd auf Temposünder, die im Frühjahr erneut stattfinden soll, gleich Null. Experten hätten mehrfach die „Untauglichkeit“ des Blitz-Marathons bestätigt.

 
 

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