Zeitreise in die Vergangenheit der Zukunft

Bevor man die "Raumstation“ betritt, grüßt an einer Ecke stehend das Furcht einflößende "Alien" aus der berühmten Filmreihe. Hat man die erste Kammer betreten, fühlt man sich schon sicherer. Man begegnet der Zukunft, wie sie sich die der deutsche Stummfilm vorgestellt hat: dem Maschinenmenschen aus "Metropolis" und den frühen Raumfahrern aus "Die Frau im Mond", beide von Fritz Lang.

Bonn (dapd-nrw). Bevor man die "Raumstation" betritt, grüßt an einer Ecke stehend das Furcht einflößende "Alien" aus der berühmten Filmreihe. Hat man die erste Kammer betreten, fühlt man sich schon sicherer. Man begegnet der Zukunft, wie sie sich die der deutsche Stummfilm vorgestellt hat: dem Maschinenmenschen aus "Metropolis" und den frühen Raumfahrern aus "Die Frau im Mond", beide von Fritz Lang.

Die "Raumstation", in die der Besucher eintritt, ist die originelle Kulisse für eine neue Sonderausstellung im Haus der Geschichte in Bonn. "Science Fiction in Deutschland" heißt sie und stellt von Freitag an das Genre in Film, Fernsehen und Büchern vor. Doch die Schau versteht sich dabei in erster Linie als zeitgeschichtlicher Abriss. Sie zeigt, wie die jeweilige Gegenwart ihre Zukunftsvisionen entscheidend beeinflusst hat. Viele Ausschnitte aus zeitgenössischem Dokumentarmaterial zeigen Zusammenhänge auf.

"Science Fiction ist immer ein Kind ihrer Zeit, auch wenn sie in die Zukunft blickt", sagt der Präsident der Stiftung Haus der Geschichte, Hans Walter Hütter. Wie sehr das stimmt, zeigt die Ausstellung mit über 600 Exponaten in fünf Kammern der "Raumstation", die mit der Zukunftsgläubigkeit der 1920er Jahre beginnt und an deren Ausgang man bei Roland Emmerichs Weltuntergangsspektakel "2012" angekommen ist.

Angst vor dem Kommunismus

Dazwischen trifft der Besucher auf die Blütezeit der Science Fiction - nicht nur aus deutscher Sicht. Ausschnitte aus Genreklassikern der 1950er Jahre wie "Kampf der Welten" über eine Invasion der Marsianer oder "Godzilla" mit der radioaktiv zum Leben erweckten gleichnamigen Riesenechse erinnern daran, wie sehr die Angst vor Kommunismus und einem Atomkrieg damals das öffentliche Denken bestimmte - und in Monstern und Außerirdischen ein Ventil fand.

Nur wenige Jahre später kam nach dem "Sputnik"-Schock der Wettlauf der Supermächte um die Vorherrschaft ins All. "Sollen wir warten, bis auf dem Mond die rote Fahne hochgeht?" Diese Frage stellte 1959 kein patriotischer US-General in einem Film, sondern der deutsche Raketeningenieur Wernher von Braun, der als Chef des Apollo-Programms die Amerikaner 1969 auf den Mond brachte.

Doch einer war 1961 schon da: "Unser Mann im All" - der deutsche Heftroman-Held "Perry Rhodan", der immer noch wöchentlich mit einer neuen Ausgabe im Einsatz ist. Auch im Sozialismus begann die Science Fiction im Gefolge der realen Weltraumfahrt ihren Siegeszug: 1960 entstand in der DDR die erste filmische Genre-Großproduktion "Der schweigende Stern".

Darth Vader trifft auf VW

Natürlich führt der Weg durch die deutsche Geschichte der Zukunft auch an der TV-Kultserie "Raumpatrouille" vorbei, deren Naivität in den 1970er Jahren Filmemacher wie Rainer Erler mit "Fleisch", Rainer Werner Fassbinder mit "Welt am Draht" oder Wolfgang Menge mit "Das Millionenspiel" gesellschaftliche Abgründe gegenüberstellten.

Inzwischen, konstatiert die Ausstellung, ist Science Fiction spätestens seit "Star Trek" und "Star Wars" zur Globalkultur geworden - und liefert umgekehrt aus der Zukunft gerne schon mal den Stoff für die Gegenwart - mit Darth Vader, dem schwarzen Lord aus "Krieg der Sterne", als ungebrochenem Spitzenstar. Schon ein "Spiegel"-Titel aus den 1980er-Jahren zeigte den damaligen US-Präsidenten Ronald Reagan mit Vader-Kopfschmuck.

Auch Greenpeace nutzte jüngst die düstere Figur und ihr Wohn-Umfeld, um VW klimafreundlichere Autos abzuringen. In einem Spot kommt der "Todesstern" vor - mit dem Logo des Autokonzerns.

dapd

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