Werkssiedlungen im Ruhrgebiet – Flöz Dickebank Gelsenkirchen

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Die Siedlung "Flöz Dickebank" (einst Ottilienau) in Gelsenkirchen ist eine der ältesten Zechensiedlungen im Ruhrgebiet.

Gelsenkirchen. Auf der Themenroute 19 der "Route Industriekultur" sind 13 bedeutsame Siedlungen beschrieben. Insgesamt führt die Liste 51 Werkssiedlungen auf.

Eine der ältesten Siedlungen im Ruhrgebiet ist die ab 1868 für die Arbeiter der Zeche Alma erbaute Kolonie Ottilienaue. Durch den starken Widerstand der Bewohner gegen den 1972 beabsichtigten Abriss erlangte die Siedlung Bekanntheit.

Gelsenkirchen wurde zum Zentrum der Bürgerinitiativen gegen den Abriss von Arbeitersiedlungen im Revier. 1976 fand hier der Kongress zur Erhaltung von Arbeitersiedlungen statt. Das Engagement hat sich gelohnt, die meisten der Siedlungen – und auch Flöz Dickebank – blieben erhalten.

Beim Bau 1870 hieß die Siedlung Ottilienau

Die Aufnahme der Förderung der beiden Zechen Rheinelbe und Alma 1861 bzw. 1871 zog viele Zuwanderer nach Gelsenkirchen, die während der Abteufarbeiten bei ansässigen Bauern oder in provisorischen Behausungen unterkamen. Angesichts der Wohnungsnot und der unzureichenden privaten Bautätigkeit sahen sich die Bergwerksbetreiber Détillieux, Frères et Cie gezwungen, selbst den Wohnraum für ihre Belegschaft zu schaffen.

Die ältesten Häuser stehen heute an der Virchowstraße, an der Ulmenstraße, Flöz Dickebank und Flöz Sonnenschein. In der zweiten Bauphase ab 1906 veränderten sich sowohl der Haustyp als auch die Siedlungskonzeption zugunsten einer anspruchsvolleren Gestaltung. Unter Einfluss der Gartenstadtbewegung erhielt das bisherige gleichförmige Siedlungsraster durch einen Marktplatz und zweigeschossige Eckbebauungen mit Hofbildung einen eher städtischen Charakter.

1974 schien der Abriss beschlossene Sache

1974 beschlossen die Stadtverwaltung und die Rheinisch-Westfälische Wohnstätte AG als Eigentümerin den Abriss der Siedlung Flöz Dickebank. Anstelle der anderthalbgeschossigen Zechenhäuser sollten drei- bis zwölfgeschossige Gebäude errichtet werden. Gegen dieses Vorhaben gründete sich eine Mieterinitiative.

Nach zweijährigem Protest der Bewohner, die trotz Zwangsräumungen und Zumauern ihrer Wohnung nicht nachgaben, verkündete die Eigentümerin im Sommer 1976 die Sanierung von Flöz Dickebank. Stadt und Wohnunggesellschaft mussten die starke Bindung der Bewohner an ihre Siedlung anerkennen.

Im öffentlichen Bewusstsein und in der Fachwelt setzte ein Stimmungsumschwung ein. In den 70er Jahren bildeten sich immer häufiger Bürgerinitiativen, die sich gegen Kahlschlagsanierung und Bauspekulation zur Wehr setzten und ihren "Wohnbereich mit besonderer Sozialstruktur" erfolgreich verteidigten.

Quelle: www.route-industriekultur.de

"Route Industriekultur" – die schönsten Zechensiedlungen im Ruhrgebiet

Quelle: www.route-industriekultur.de

 
 

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