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Zechensiedlungen im Revier – Alte Kolonie in Dortmund-Eving

Zechensiedlung Alte Kolonie Eving, Dortmund
Alte Kolonie Eving, Dortmund Foto: Katrin Figge
In der „Alten Kolonie Eving“ im Dortmunder Norden gruppiert sich alles um das große Wohlfahrtsgebäude am Nollendorfplatz.

Dortmund-Eving. 

Auf der Themenroute 19 der „Route Industriekultur“ sind 13 bedeutsame Siedlungen beschrieben. Insgesamt führt die Liste 51 Werkssiedlungen auf.

In der Hochkonjunktur Ende der 1890er Jahre warb die Zeche Vereinigte Stein und Hardenberg verstärkt auswärtige Arbeiter an, vor allem aus den preußischen Ostprovinzen. Für die Bergarbeiterfamilien entstand in Eving die Kolonie Exterberg (oder Externberg). In den Jahren 1898 und 1899 wurden 76 Häuser mit 270 Wohnungen erbaut. Schon 1900 folgte östlich dieser Alten Colonie zwischen Kaubstraße und Husarenstraße die Neue Colonie mit 200 Wohnungen in 49 Häusern.

Acht verschiedene, außergewöhnliche Häusertypen

Heute wird die gesamte Siedlung als „Alte Kolonie“ bezeichnet. Sie zeigt, wie um die Jahrhundertwende die Reihung gleichförmiger Häuser, die die früheren Werks- und Zechenkolonien geprägt hatte, durch eine anspruchsvollere Architektur abgelöst wurde. Verschiedene Grund- und Aufrisse, Backstein, Putzflächen und Fachwerk wechseln einander ab. Auffallend sind die Gebäude mit Ecktürmen. Die bürgerliche Villa diente hier als Vorbild für die Außengestaltung von Mehrfamilienhäusern. Den Mittelpunkt der Siedlung bildet das Wohlfahrtsgebäude, das 1903 errichtet wurde, bei der Planung aber schon vorgesehen war.

Zur Zeit ihrer Entstehung galt die Siedlung als vorbildlich. Die „Dortmunder Zeitung“ schrieb am 13.10.1900: „Zum erstenmale begegnet man hier einem nach Zahl und Umfang imposanten Häuserviertel, bei dem nicht jede Arbeiterwohnung eine Kopie des benachbarten bietet, sondern sozusagen einen eigenen und eigenartigen Charakter trägt.“ Die Wohnungsgröße betrug zwischen 47 m² bei Drei- und 75 m² bei Fünfzimmerwohnungen. Alle Wohnungen waren mit fließendem Wasser und Ofenheizung ausgestattet.

In den 70ern drohte der Abriss

Im Wohlfahrtsgebäude am Nollendorfplatz befanden sich zahlreiche betriebliche Sozialeinrichtungen: unter anderem Kindergarten, Hauswirtschafts- und Kochschule, Wäscherei und Bibliothek, zeitweise auch ein Ledigenheim, ein Beamtenkasino und der Zechenkonsum. In der Badeanstalt konnten die Siedlungsbewohner/innen bis in die sechziger Jahre für ein geringes Entgelt ein warmes Bad nehmen.

Der in den 1970er Jahren drohende Abriss der Kolonie konnte durch das Engagement einer Bürgerinitiative verhindert werden. Der größte Teil der Siedlung blieb erhalten. Das Wohlfahrtsgebäude und die Häuser am Nollendorfplatz stehen heute unter Denkmalschutz. Durch die Modernisierung der Häuser und Ausstattung mit Badezimmern wurde die Badeanstalt im Wohlfahrtsgebäudes überflüssig. Zunächst fand hier eine Sonderschule Platz, seit 1989 das Deutsche Institut für publizistische Bildungsarbeit mit dem Rundfunkbildungszentrum. Im Rahmen der IBA Emscher Park wurde das Gebäude 1992 als erstes Projekt denkmalgerecht erneuert. Neben den genannten Bildungseinrichtungen nutzt es auch Stadt Dortmund für Seminare, so dass es weiterhin ein kommunikativer Mittelpunkt in der Stadt ist. .

Quelle: www.route-industriekultur.de

„Route Industriekultur“ – die 51 schönsten Zechensiedlungen im Ruhrgebiet:

Quelle: www.route-industriekultur.de