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Wirtin macht sich in Unna einfach aus dem Staub

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Foto: Henryk Brock
Die Wirtin einer der traditionsreichsten Kneipen in Unnas Innenstadt hat sich nach Weihnachten in einer Nacht- und Nebelaktion davon gemacht. Das Lokal steht leer, die zurückgelassenen fünf Angestellten und Azubis in Küche und Service wissen nicht, wie es weitergeht. Sie erhielten keine Kündigung.

Unna. 

Verzweiflung bei den Angestellten in einer Unnaer Kneipe: Wirtin Eva Ziener hinterlässt nicht nur ein leer stehendes Gasthaus Agethen, vielmehr eine völlig verzweifelte Mannschaft. Drei Azubis, ein Koch und eine Servicekraft wissen nicht, wie es weitergeht. Die Wirtin soll aber nach Auskunft der verzweifelten Angestellten einen Insolvenzantrag gestellt haben. Zum Teil unter Tränen schilderten sie am Dienstag ihre Situation.

„Schriftliche Kündigungen haben wir bis heute nicht“, sagt die Bedienung. Ihre Namen wollen alle Beteiligten nicht nennen. Dienstagmittag kreuzte der Lebensgefährte von Eva Ziener im Gasthaus auf und wollte die Kündigungen aushändigen. Es kam zum Disput. Der Lebensgefährte verließ das Lokal wieder mit den Kündigungen. Eva Ziener hat mittlerweile die Eröffnung des Insolvenzverfahrens beantragt.

„Am zweiten Weihnachtstag haben wir noch gearbeitet“, so die Kellnerin. Silvester wollte sie sich Sektgläser aus der Gaststätte für eine private Feier holen. „Da habe ich gemerkt, dass Dinge fehlen und bin hoch zu Eva Zieners Wohnung gegangen“, so die Servicefrau. Da war Eva Ziener aber schon mit ihren beiden Kindern über alle Berge. „Wir haben seit Silvester eigentlich kein Auge mehr zu gemacht.“

„Ich habe am 30. Dezember eine SMS von Frau Ziener bekommen. Darin schrieb sie, dass sie das Lokal im neuen Jahr nicht mehr öffnet. Das habe ich für einen Scherz gehalten“, so einer der Auszubildenden. Seitdem habe er nichts mehr von Eva Ziener gehört.

Scherbenhaufen im ausgeräumten Lokal

Dafür habe die ehemalige Wirtin von Zieners Agethen aber Gegenstände aus dem Lokal weggeschafft. Beispielsweise fehle der große Gasgrill, sämtliche Rotweinvorräte seien verschwunden, ebenso Lebensmittel. Nicht zu vergessen die Kasse. „Ich bin schon länger in der Gastronomie, aber so etwas habe ich noch nicht erlebt“, klagt ein Auszubildender. Sie alle stünden jetzt erst einmal vor einem persönlichen Scherbenhaufen. Der Koch ist vor ein paar Monaten Vater geworden. Zum Glück hätte er noch sein Dezembergehalt bekommen. „Wir sind in bar bezahlt worden“, so der Koch.

Als der Mann sich nach der Geburt seines Sohnes ein paar Wochen Vaterzeit genommen habe, stellte sich Eva Ziener selbst an den Herd. „Da ging das Geschäft zurück“, so die Kellnerin. Man hätte ihr jede Hilfe angeboten, um das Lokal auf Vordermann zu bringen. Stammgäste hatten Ziener’s Agethen den Rücken gekehrt. „Wir haben auch neue Gäste gewinnen können. Das Weihnachtsgeschäft war gut.“

Ende nach knapp einem Jahr

Erst im November 2010 hatte Ziener die Kneipe zusammen mit ihrem Ehemann und Koch übernommen. Das Paar trennte sich. Der Ehemann verließ auch das Lokal. Zahlreiche Stammgäste kehrten der Gaststätte den Rücken. „Wir wollten in diesem Jahr neu durchstarten“, sagt eine Kellnerin unter Tränen. Ohne Kündigung bekommen die Angestellten kein Insolvenz-Ausfallgeld.

Wie es mit dem Lokal weitergeht, konnte Ex-Wirt Karl-Heinz Agethen am Dienstag nicht sagen. Er hat es an die Radeberger Brauerei verpachtet. Und auch die hat noch keine offizielle Kündigung. Ohne die kann sie sich nicht auf die Suche nach einem Nachfolger machen.